Wirtschaft

Heimische Start-ups bekommen viel Geld aus dem Ausland

Die heimischen Start-ups haben im Vorjahr so viel Geld noch nie von Investoren bekommen. Laut einer Studie des Unternehmensberaters EY waren es 2021 rund 1,23 Mrd. Euro und damit fünf Mal so viel wie 2020, die in 131 Finanzierungsrunden lukriert werden konnten. Oftmals - zu 55 Prozent - waren in diesen Runden auch heimische Geldgeber beteiligt, am Volumen gemessen dominieren jedoch internationale Geldgeber aus Deutschland, Großbritannien oder den USA das Feld.

Mehr als 75 Prozent des Risikokapitals kommen von rein ausländisch besetzten Investorengruppen. Vor allem wenn es um größere Summen wie Investitionen in die österreichischen Unicorns "GoStudent" oder "Bitpanda" geht, stehen Geldgeber aus dem Ausland in der ersten Reihe. "Je größer die Runde, desto weniger Österreich", sagte Florian Haas, Leiter des Start-up-Ökosystems bei EY Österreich, laut Aussendung. Das liege auch daran, dass in Österreich nach wie vor kaum Risikokapital vorhanden sei.

Heimische Investoren treten vor allem bei Start-Finanzierungen auf den Plan. In Pre-Seed-Finanzierungen und in der Seed-Phase machten österreichische Geldgeber im Vorjahr 78 bzw. 45 Prozent der Investoren aus. Je stärker es jedoch in die Wachstumsfinanzierung geht und je mehr Volumen benötigt wird, umso mehr nimmt der Anteil ab. An keiner der vier größten Finanzierungsrunden mit einem Volumen über 100 Mio. Euro war ein inländischer Investor beteiligt. Bei den drei Abschlüssen im Umfang zwischen 50 und 100 Millionen Euro lag der Anteil österreichischer Investoren bei lediglich 12 Prozent.

"Während die Anschubfinanzierung in Österreich insbesondere über Business Angels hervorragend funktioniert, sind heimische Investor:innen bei Millioneninvestments außen vor", so Haas. Dagegen würden sich bei großen Finanzierungsrunden insbesondere Venture Capital Fonds aus den USA und UK Anteile an Österreichs Start-ups sichern.

Das kann jedoch negative Folgen für die heimische Wirtschaftsleistung haben. "Solange hier fast ausschließlich ausländische Investor:innen zum Zug kommen, fließt auch bei einem Exit der Großteil der Gewinne nicht nach Österreich zurück und kann somit nicht hier reinvestiert werden", so Laura Egg, Managing Director der Austrian Angel Investors Association (AAIA). Auch die wirtschaftliche Leistung und die Schaffung von Arbeitsplätzen verlagere sich zunehmend zu anderen Standorten. "Solange dieser Kreis der Wertschöpfung nicht in Österreich geschlossen werden kann, wird die langfristige Wirtschaftsleistung leiden", so Egg.

Neben Großbritannien und den USA ist auch Deutschland häufig als Investor vertreten. Von insgesamt 299 Investoren, die an den 103 Finanzierungsrunden des Vorjahres beteiligt waren, hatten 151 ihren Hauptsitz in Österreich, 42 ihren Sitz in Deutschland und jeweils 26 den Sitz in Großbritannien oder den USA. Geldgeber aus Asien spielen in Österreich dagegen kaum eine Rolle.

EY hat die Studie in Zusammenarbeit mit der Austrian Angel Investors Association (AAIA) und der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) durchgeführt. Berücksichtigt wurden Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung maximal zehn Jahre zurückliegt.

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