Wirtschaft

Hilfspaket schützt Tourismus vor Coronafolgen

Die Regierung stellt mit der Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) 100 Millionen Euro für Kredithaftungen bereit. Das Geld hilft Familienbetrieben, Umsatzeinbußen wegen der Folgen des Coronavirus zu überbrücken.

Wegen des Coronavirus bleiben Gäste in Wintersportgebieten aus.  SN/heinz bayer
Wegen des Coronavirus bleiben Gäste in Wintersportgebieten aus.

Tourismus und Freizeitwirtschaft sind von den Folgen des Coronavirus besonders stark betroffen. Um von Umsatzeinbußen getroffenen Betrieben notwendige Liquidität sicherzustellen, stellt die Regierung zusammen mit der Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) insgesamt 100 Millionen Euro zur Besicherung von Überbrückungskrediten bereit. Das Paket solle am nächsten Mittwoch im Ministerrat beschlossen werden, danach könnten sich Unternehmen online um die Garantien bewerben, erklärten Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer am Freitag in Wien.

Derzeit sei es für Banken praktisch unmöglich, Kredite an von Corona betroffene kleine Tourismusbetriebe zu vergeben, wenn diese keine Garantien oder Besicherungen vorweisen könnten, sagt Wolfgang Kleemann, einer der beiden ÖHT-Geschäftsführer. Es sei darum gegangen, betroffenen Betrieben möglichst rasch und unbürokratisch unter die Arme zu greifen.

Das Haftungspaket helfe betroffenen Betrieben "in einer schwierigen Phase mit einem Brückenschlag", sagt Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Er weist darauf hin, dass "das Fernbleiben von Gästen aus Fernost in Österreich überproportional" aufschlage. Der jetzt bereitgestellte Haftungsrahmen biete wichtige "Orientierungssicherheit" für betroffene Unternehmen. Das Paket soll möglichst rasch umgesetzt werden, die Garantien könnten ab nächster Woche über die ÖHT beantragt werden.

Viele Tourismusbetriebe bekämen derzeit die Folgen des Coronavirus zu spüren, sagt Petra Nocker-Schwarzenbacher, die Obfrau des Tourismus-Fachverbands in der Wirtschaftskammer. Der Betrieb in den Skigebieten laufe zwar weitgehend normal, aber die Stornoraten seien mit rund 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie sonst. In Stadtgebieten - wie etwa in Salzburg - könnten Stornoraten auch ein Ausmaß von 40 Prozent erreichen. Über das ganze Jahr gesehen hält Nocker-Schwarzenbacher einen branchenweiten Umsatzrückgang von zehn Prozent für realistisch. Rund 85 Prozent der Tourismusunternehmen seien Familienbetriebe, auf dem Land sogar noch mehr.

Um wirklich nur familien- und inhabergeführte Betrieben zu fördern, sind internationale Hotelketten von der Garantievergabe ausgenommen. Die Höhe des Garantiepakets habe man durch Rückfrage bei den Betrieben ermittelt, ÖHT-Geschäftsführer Kleemann hält das Volumen für ausreichend. Denkbar sei, dass Unternehmen ab einem Umsatzrückgang im Ausmaß von mindestens 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr dafür infrage kämen, sagt Kleemann. Die genauen Kriterien müssen noch erarbeitet werden, die Hilfe soll aber möglichst rasch und unbürokratisch erfolgen können.

Zu den ersten geförderten Betrieben dürfte jenes Hotel in Untertauern gehören, wo vor wenigen Tagen eine Urlauberin aus Köln positiv auf Covid-19 getestet worden war. Die Frau samt Begleitung ist mittlerweile ebenso abgereist wie die übrigen etwa 70 Gäste. Die zwölfköpfige Belegschaft befindet sich im Hotel in Quarantäne, für den Betrieb dürfte die Saison damit gelaufen sein, heißt es.

Die ÖHT beziehungsweise der Bund übernimmt auch die bei der Kreditaufnahme anfallenden Kosten. Sie setzen sich zusammen aus einer einmaligen Haftungsgebühr von einem Prozent der Kreditsumme und einer laufenden Bearbeitungsgebühr von 0,8 Prozent jährlich. Die Kreditkonditionen seien individuell zu verhandeln, Kleemann erwartet Laufzeiten von mindestens drei Jahren, Obergrenze sind 20 Jahre. Mindesthöhe für einen Kredit sind 10.000 Euro, das Maximum liegt bei 500.000 Euro.

Die ÖHT steht mehrheitlich im Eigentum der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB), die 68,75 Prozent hält. Der restliche Anteil gehört der Raiffeisen ÖHT Beteiligungs-GmbH.

Quelle: SN

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