Wirtschaft

Homeoffice, Kurzarbeit, hustende Kollegen: Fragen und Antworten rund um das Coronavirus

Nicht nur das Coronavirus, auch die Verunsicherung bei Mitarbeitern und Arbeitgebern breitet sich in Österreich aus.

Arbeitgeber sollen ihre Mitarbeiter auch entsprechend schulen, wie richtige Hygienemaßnahmen aussehen. SN/APA/BARBARA GINDL
Arbeitgeber sollen ihre Mitarbeiter auch entsprechend schulen, wie richtige Hygienemaßnahmen aussehen.

Eine Baufirma, deren Mitarbeiter zwischen Oberitalien und Österreich pendeln. Ein Reisebüro, das Stornierungen italienischer Schülergruppen bekommt. Kollegen im Büro, die gerade eben aus dem Italien-Urlaub zurückgekehrt sind: Nach dem Ausbruch des Coronavirus in Italien häufen sich auch in Österreich die Fragen von Mitarbeitern und Arbeitgebern, bestätigen Wirtschafts- und Arbeiterkammer, die bereits eigene Coronahotlines eingerichtet haben. Die wichtigsten Fragen rund um das Thema Arbeit im Überblick:

Welche Schutzmaßnahmen muss der Arbeitgeber im Betrieb ergreifen?

Der Arbeitgeber hat eine sogenannte arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht. Er muss also Schutzmaßnahmen treffen, um eine Ansteckung von Arbeitnehmern bestmöglich zu verhindern. Das beginnt beim Bereitstellen von Desinfektionsmitteln, reicht über Hygieneempfehlungen für Mitarbeiter bis hin zur vorausschauenden Planung von Dienstreisen.

Was ist, wenn ein Mitarbeiter aus einem betroffenen Gebiet in die Firma zurückkehrt?

"Wenn ein Mitarbeiter aus einer betroffenen Region kommt und keine Symptome zeigt, kann er ganz normal seinen Dienst antreten. Fühlt er sich krank, sollte er natürlich gar nicht erst am Arbeitsplatz erscheinen", sagt Rolf Gleißner, Abteilungsleiter Sozialpolitik und Gesundheit bei der Wirtschaftskammer. Mitarbeiter, die in betroffenen Gebieten - also etwa der Lombardei, Venetien, Piemont, Emilia-Romagna oder Latium - waren und Symptome wie Fieber, Atembeschwerden, Husten bekommen, sollten zu Hause bleiben, die telefonische Gesundheitsberatung unter der Telefonnummer 1450 kontaktieren und die zuständige Gesundheitsbehörde informieren. Ein Mitarbeiter, der trotzdem in die Arbeit geht, verstößt gegen seine Treuepflicht.

Ein Arbeitgeber kann vom Arbeitnehmer Auskunft verlangen, ob er seinen Urlaub in einem Risikogebiet verbracht hat. Ist das der Fall, muss der Arbeitgeber zum Schutz der anderen Mitarbeiter geeignete Abhilfemaßnahmen treffen.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter an dem Coronavirus erkrankt?

Erkranke ein Arbeitnehmer tatsächlich am Coronavirus, liege aus arbeitsrechtlicher Sicht ein normaler Krankenstand mit den entsprechenden Folgen vor, inklusive Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber, sagt Gleißner. War der Mitarbeiter bereits im Unternehmen und hatte engeren Kontakt zu anderen Kollegen, können in Absprache mit den Behörden weitere Quarantänemaßnahmen getroffen werden.

Darf ich als Arbeitnehmer aus Angst vor dem Coronavirus einfach zu Hause bleiben?

Nein. Ein eigenmächtiges, einseitiges Fernbleiben von der Arbeit ist laut Arbeiterkammer nur dann gerechtfertigt, wenn eine objektiv nachvollziehbare Gefahr besteht, sich am Arbeitsplatz mit dem Virus anzustecken. Etwa, wenn es bereits einen Coronafall im Unternehmen gibt. Für Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Apotheken, die berufsmäßig mit Krankheiten zu tun haben, gilt aber auch diese Regelung nicht.

Darf der Chef die Mitarbeiter nach Hause schicken?

Ja. Üblicherweise handelt es sich dabei aber um einen Fall der Dienstfreistellung, nicht um einen Krankenstand. Bei einem solchen "berechtigten Entfall der Arbeitsleistung" sei der Arbeitgeber verpflichtet, das Entgelt weiter zu bezahlen, erklärt Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsabteilung in Salzburg. Arbeitgeber können unter gewissen Umständen aber einen Kostenersatz beim Bund beantragen. Das regelt das Epidemiegesetz.

Bei Lieferengpässen oder Umsatzrückgängen, die durch das Coronavirus bedingt sind, können auch Zeitausgleich oder Urlaub vereinbart werden, allerdings müssen die Arbeitnehmer dem zustimmen. "Das kann nicht einseitig angeordnet werden. Urlaub dient der Erholung, da braucht es die Zustimmung des Mitarbeiters", erklärt Typplt.

Wie sieht es mit Kurzarbeit aus?

In Kurzarbeit schicken kann ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter auch nicht einseitig. Hier benötigt es eine Sozialpartnervereinbarung, die Kontaktaufnahme mit dem AMS und eine entsprechende Betriebsvereinbarung. In Betrieben ohne Betriebsrat müssen zusätzlich Einzelvereinbarungen mit den Arbeitnehmern geschlossen werden. Die Wirtschaftskammer bereitet wegen des Ausbruchs des Coronavirus Kurzarbeit in Reisebüros vor. Dazu werden aber erst Gespräche geführt.

Darf der Arbeitgeber Homeoffice anordnen?

Ja. Allerdings nur, wenn es eine diesbezügliche Vereinbarung im Arbeitsvertrag gibt oder sich darin eine sogenannte Versetzungsklausel findet, wonach man einseitig an einen anderen als den ursprünglich vereinbarten Arbeitsort versetzt werden kann. Gibt es diese nicht, kann Homeoffice nur in Absprache zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingeführt werden.

Muss der Arbeitgeber Schutzmasken auflegen?

Nein. Nur bei der Arbeit in Krankenhäusern oder bei Dienstreisen in Risikogebiete ist das nötig. Der Arbeitgeber darf seinen Mitarbeitern auch das Tragen von Masken untersagen, solange es im Betrieb keine überdurchschnittlich hohe Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung gibt. Etwa, um Kunden nicht zu verschrecken.

Was ist mit Dienstreisen?

Arbeitnehmer können Dienstreisen ablehnen, wenn dadurch ihre Gesundheit in erhöhtem Ausmaß gefährdet ist. Das ist der Fall, wenn für das Gebiet eine Reisewarnung des Außenministeriums besteht. Derzeit gibt es partielle Reisewarnungen für China und Südkorea sowie bestimmte Gemeinden in Italien. Dienstreisen in andere Regionen des Landes können Arbeitnehmer derzeit also nicht einseitig ablehnen.

Gibt es Hilfe für Unternehmen, die unter Umsatzeinbußen leiden?

Derzeit wird von Ministerium und Wirtschaftskammer daran gearbeitet, Unternehmen Überbrückungsfinanzierungen zu ermöglichen, wie es etwa bei der Finanzkrise 2008/09 oder bei den Russland-Sanktionen der Fall war.

Ich habe spezifischere Fragen. Wer beantwortet mir diese?

Die Arbeiterkammer hat auf ihrer Website Antworten zusammengestellt und beantwortet auch telefonisch Fragen von Arbeitnehmern rund um das Coronavirus. Für arbeitsrechtliche Fragen sind Experten unter der Telefonnummer 01 50165-1343, für konsumentenschutzrechtliche Fragen rund um das Reisen unter 01 50165-1209 erreichbar. Auch die Arbeitsrechtsexperten der Salzburger Arbeiterkammer geben unter der Nummer 0662 868788 Auskunft.
Die Wirtschaftskammer hat unter 0590900-4352 eine Ansprechstelle für Betriebe eingerichtet. Im Internet finden Unternehmer ebenfalls Informationen im "Infopoint Corona".


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Aufgerufen am 23.01.2021 um 07:04 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/homeoffice-kurzarbeit-hustende-kollegen-fragen-und-antworten-rund-um-das-coronavirus-84039868

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