Wirtschaft

IHS: Regierung muss Fachkräftemangel stärker entgegenwirken

IHS-Chef Martin Kocher fordert, dem Fachkräftemangel stärker entgegenzuwirken. In den kommenden Jahren werde dieser nämlich größer. Er hält außerdem eine klarere Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung für notwendig. Einzelne Bestrebungen müssten zu einer klaren prioritären Strategie zusammengeführt werden, betonte der Ökonom am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

IHS-Direktor Martin Kocher SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
IHS-Direktor Martin Kocher

Ab 2022/23 drohe ein chronischer Fachkräftemangel, warnte der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS). Dann stehe nämlich eine Pensionierungswelle bei sehr geburtenstarken Jahrgängen an. Dann könnte es an Zehntausenden bis zu Hunderttausenden Fachkräften fehlen. Das Problem könnte sich in den Folgejahren weiter verstärken, denn dann drohe innerhalb Europas ein noch härterer Wettbewerb um die besten Fachkräfte, sagte Kocher. Dass es schon zuletzt und aktuell einen Fachkräftemangel gibt, unter dem manche Branchen besonders leiden, sei vor allem hochkonjunkturell bedingt, nicht aber chronisch.

Den Fachkräftemangel könne man nicht über Nacht beenden, so Kocher. Er forderte rasch beginnende Gegenmaßnahmen ein. "Je früher nachgedacht wird, wie man für Fachkräfte auch aus Drittstaaten attraktiver wird, desto besser für den Standort. Lediglich die Rot-Weiß-Rot-Karte etwas attraktiver zu gestalten, wird nicht reichen." Es gehe darum, Signale zu senden, dass Österreich ein attraktives Land ist, um dort zu arbeiten. Dazu brauche es eine gewisse Öffnung, wie etwa mehr englischsprachigen Unterricht oder englischsprachige Beamte für Amtswege etwa beim Finanzamt. Ob eine solche Öffnung für Ausländer aus Nicht-EU-Staaten unter der derzeitigen ÖVP-FPÖ-Regierung realistisch ist, wollte Kocher nicht konkret beantworten. Er sagte, das Problembewusstsein rund um den Fachkräftemangel sei bestimmt gegeben.

Eine eindeutige Digitalisierungsstrategie sei bisher nicht gegeben, es handle sich bisher nur um verschiedene "Titel", nicht aber um ein großes Ganzes. "In einzelnen Bereichen geht etwas weiter, aber es ist eine Gesamtstrategie gefordert und eine einhergehende Priorisierung der Gesamtstrategie."

Kocher hinterfragte auch das Fördersystem für Unternehmen in Österreich. "Mittelgroße Unternehmen gehören besser gefördert." Selten gelinge es, dass Start-ups richtig groß würden, was am Risikokapitalmarkt in Österreich und dem Fördersystem liege. Kleine und Große würden gut gefördert, "dazwischen muss man sich die Förderlandschaft anschauen". Auch die Regulierung in Europa und Österreich sei sehr defensiv ausgerichtet und es sollten Strukturen überlegt werden, die mehr Wettbewerb und mehr Innovation ermöglichten. "Der Fokus von Reformen gehört mehr auf Innovation gelegt, nicht so sehr Verwaltung an sich. Es geht um die Frage, wie wir Österreich im wirtschaftlichen Umfeld zukunftsträchtiger machen können und Ideen besser unterstützen. Das wäre langfristig von Vorteil", sagte Kocher.

Quelle: APA

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