Wirtschaft

Im Februar waren fast 380.000 Menschen ohne Arbeit

Die positive Dynamik am Arbeitsmarkt hat sich im Februar - zwei Jahre nach Beginn der Coronakrise hierzulande - fortgesetzt. Die Zahl der arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmer per Monatsende sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Viertel auf 376.861 Menschen. Die Russland-Sanktionen und der Ukraine-Krieg seien aber "ein Unsicherheitsfaktor" für die heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, sagte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) am Dienstag vor Journalisten.

Ein Schild mit der Suche nach Arbeitskäften SN/APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL
Ein Schild mit der Suche nach Arbeitskäften

"Es geht darum, solidarisch mit den Menschen zu sein", so der Arbeitsminister. Wenn es zu einer großen Zahl von Vertriebenen komme, werde die Regierung "gut vorbereitet" sein und eine "klare Linie" haben. "Der schreckliche Krieg und die notwendigen Sanktionen werden wohl auch unsere Wirtschaftsentwicklung und den prognostizierten, weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit deutlich bremsen", sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf. Er sieht Österreich durch die Erfahrung der Flüchtlingskrise 2015/16 gut vorbereitet. Kurzfristig werde es um Unterkünfte für Frauen mit Kindern und älteren Personen aus der Ukraine gehen. Mittelfristig könne es auch zu einem Arbeitsmarkthema werden. "Wir werden bereit sein", sagte Kopf.

Für Kocher ist die Lage am Arbeitsmarkt "grundsätzlich eine positive". Es waren beim Arbeitsmarktservice per Ende Februar 118.996 offene Stellen als sofort verfügbar gemeldet. Der Stellenmonitor des ÖVP-Wirtschaftsbunds, der auch Stellenausschreibungen auf Online-Jobportalen beinhaltet, zählte sogar 270.000 offene Stellen in Österreich mit Ende Februar. "Die weitere Entwicklung hängt selbstverständlich auch von der geopolitischen Lage und der Pandemieentwicklung in den nächsten Monaten ab", sagte der Arbeitsminister.

Die Arbeitslosenquote betrug im Februar 7,3 Prozent in Österreich. Ein Jahr zuvor waren noch 508.923 Menschen ohne Job dagestanden und die Quote lag bei 10,7 Prozent. Auch im Vergleich zum Februar 2019, damals war von der Pandemie noch keine Spur, gab es eine Verbesserung. Damals waren 410.355 Personen ohne Job und in Schulungen, was einer Quote von 8,4 Prozent entsprach. Im Februar 2020, als die Pandemie in Europa begann, aber noch kein Lockdown herrschte, waren 399.359 Menschen ohne Job oder in Schulungen und die Quote betrug 8,1 Prozent. Den Höchststand gab es Mitte April 2020 mit 588.000 Arbeitslosen und rund einer Million Menschen in Kurzarbeit.

Laut dem Arbeitsminister lag die Arbeitslosigkeit Ende Februar auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2011. Es sind aber noch 187.127 Menschen zur Kurzarbeit vorangemeldet. Die Corona-Kurzarbeit für besonders betroffene Unternehmen läuft Ende März aus, bis Ende Juni gibt es noch ein Übergangsmodell mit reduzierter Förderhöhe. Kocher erwartet durch das Auslaufen der Corona-Kurzarbeit keine großen Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit. "Ich bin sehr optimistisch, dass die Arbeitslosenzahlen nicht massiv betroffen sind."

Im Februar sank auch die Langzeitarbeitslosigkeit minimal auf 105.649 Betroffene. Im Jänner waren noch rund 110.000 Menschen als langzeitarbeitslos eingestuft.

Der ÖVP-Wirtschaftsbund und die Industriellenvereinigung (IV) fordern angesichts der hohen Anzahl an offenen Stellen Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel. "Um möglichst viele Personen in Beschäftigung zu bringen, brauchen wir dringend effizientere Anreize zur Erhöhung der Mobilität und den Ausbau von Qualifikationen entsprechend den Arbeitsmarktbedürfnissen", so Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger in einer Aussendung. "Wir müssen das vorhandene Potenzial bestmöglich nutzen", sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Um die Anreize für Arbeit zu erhöhen, drängt die IV weiterhin auf die Senkung der Lohnnebenkosten, ein schrittweise sinkendes Arbeitslosengeld, Ausbau der Kinderbetreuung und die Förderung von Mobilität.

Die Arbeiterkammer und Gewerkschaft pochten erneut auf eine bessere finanzielle Absicherung von Arbeitssuchenden. "70 Prozent Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld und ein höherer Familienzuschlag würden den Haushalten, die mit Arbeitslosigkeit kämpfen, rascher und wirksamer helfen als gut gemeinte, aber zu spät ausbezahlte Einmalzahlungen", sagte AK-Präsidentin Renate Anderl. Die Leitende ÖGB-Sekretärin, Ingrid Reischl, warnte Arbeitsminister Kocher davor, das Arbeitslosengeld zu kürzen. SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch forderte mehr Maßnahmen von der türkis-grünen Regierung, um Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel zu bekämpfen.

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