Wirtschaft

Im Handel ist man zum Lohnabschluss bereit

Die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft haben sich zuletzt angenähert, aber bei den Löhnen spießt es sich noch. Ein Kollektivvertragsabschluss für rund 500.000 Handelsbeschäftigte scheint nahe - aber der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten zu Silvester sorgt für Irritationen.

Rechtzeitig zum Start des Weihnachtsgeschäfts ringen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Handel noch einmal um einen neuen Kollektivvertrag.  SN/robert ratzer
Rechtzeitig zum Start des Weihnachtsgeschäfts ringen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Handel noch einmal um einen neuen Kollektivvertrag.

Am Donnerstag treffen die Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Handel zu vierten Mal zusammen, um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die insgesamt rund 500.000 Beschäftigten in der Branche abzuschließen. Es ist die bereits vierte Verhandlungsrunde.

Im Vorfeld zeigten sich am Vormittag beide Seiten überzeugt, dass die Aussichten auf einen Abschluss günstig seien. Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, bezeichnete die Chancen dafür sogar mit 90 Prozent. Der Start der Verhandlungen war mit 11.00 Uhr angesetzt. Zeitlich will man sich nicht limitieren, um einen Abschluss zu finden. "Es kann heute auch länger dauern", war aus Gewerkschaftskreisen zu hören. Beide Seiten seien interessiert am Schnüren eines tragfähigen Gesamtpakets.

Drei Runden lang waren sich die beiden Seiten mit unveränderten Positionen gegenüber gestanden. Erst gegen Ende der Gespräche am Dienstag der Vorwoche gab es erste Annäherungen.

Beim Schulstartgeld und bei den Freizeittagen sei man sich näher gekommen, hält Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer WKÖ, fest. "Wir sind aber noch nicht ganz zusammen bei den monetären Forderungen der Gewerkschaft". Jetzt gehe es um die Verhandlungen für ein vernünftiges Gesamtpaket.

Auch GPA-Verhandlerin Anita Palkovich signalisierte Bereitschaft zum Entgegenkommen, wenn das Gegenüber bereit sei zu fairen Rahmenbedingungen für Freizeit und Arbeitszeit und vor allem bei einer Erhöhung niedrigerer Einkommen.

Noch deutlich auseinander ist man aber bei der wichtigen Frage der diesjährigen Lohnerhöhungen. Die Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp forderte zuletzt

ein fixes Lohnplus von 100 Euro für alle Vollzeitangestellten - das würde je nach Lohnstufe um bis zu 4,4 Prozent höhere Lohne bedeuten. Das Angebot der Arbeitgeber lag zuletzt bei 2,0 Prozent. Wichtig sind Palkovich und ihrem Mitverhandler auf Arbeitnehmerseite, Martin Müllauer, auch drei zusätzliche freie Tage sowie 130 Euro Schulstartgeld für die 15.000 Lehrlinge.

Zuletzt hatten die Arbeitnehmer mit rund 200 Betriebsversammlungen den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Für neue Irritationen sorgte zuletzt die Ankündigung mehrerer Handelsketten, zu Silvester diesmal bis 17.00 Uhr offenzuhalten. Bisher schlossen die Supermärkte am letzten Tag des Jahres üblicherweise um 15.00 Uhr. GPA-djp-Vorsitzende Barbara Teiber bezeichnete den Vorstoß als "Provokation der Handelsangestellten", er gefährde zudem das zuletzt konstruktive Verhandlungsklima der laufenden KV-Runde.

Zumindest inoffiziell könnte die Verhandler im Handel der bisher letzte erzielte Abschluss aus einer anderen Sparte inspirieren. Am späten Mittwochabend einigten sich die Verhandler der mehr als 500.000 Beamten, Lehrer und Vertragsbediensteten auf ein Lohnplus von durchschnittlich 2,3 Prozent.


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