Wirtschaft

Im Sportartikelhandel geht's jetzt noch billiger

Der französische Sportartikeldiskonter Decathlon eröffnet seine erste Filiale in Österreich. Einen Aufwind erlebten zuletzt allerdings die fachkompetenten Spezialisten.

Am 22. August eröffnet der französische Sportartikel-Diskonter Decathlon in der SCS Vösendorf seine erste Österreich-Filiale. Im Bild von links: Gabor Posfai, Geschäftsführer Decathlon Österreich, und Store-Leiter Mario Kramer. SN/decathlon
Am 22. August eröffnet der französische Sportartikel-Diskonter Decathlon in der SCS Vösendorf seine erste Österreich-Filiale. Im Bild von links: Gabor Posfai, Geschäftsführer Decathlon Österreich, und Store-Leiter Mario Kramer.

Bei Decathlon hat jede Sportart Platz - vom Fußball bis zur Jagdwaffe. 35.000 Artikel für 70 Sportarten sind beim französischen Diskonter gelistet, der zu den weltweit größten in der Branche zählt. Vertreten in 46 Ländern erzielte man zuletzt einen Jahresumsatz von rund elf Milliarden Euro. Morgen, Mittwoch, eröffnet Decathlon seine erste Filiale in Österreich. Auf 5000 Quadratmetern in der Shopping City Süd in Vösendorf will man die Massen begeistern, und das überwiegend mit Eigenmarken und Preisen rund 20 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. So führt die Kette etwa Schwimmbrillen für 4,99 Euro, Laufschuhe um 16,90 Euro oder E-Bikes um 698,90 Euro.

"So ein Vollsortiment im Diskont hatten wir in Österreich bisher noch nicht", sagt der Sporthandelssprecher in der Wirtschaftskammer, Michael Nendwich. Einen Umbruch in der Branche und eine gröbere Marktverschiebung sieht er deshalb nicht. Für einen Diskonter sei "noch genug Platz". Konkurrieren werde Decathlon am ehesten mit dem Mitwerber XXL aus Norwegen, "die schlagen fast genau in die gleiche Kerbe" - Decathlon mit billigen Eigenmarken, XXL mit günstigen Markenartikeln. Die Norweger sind seit dem Vorjahr in Österreich vertreten, demnächst nahe Graz mit Standort Nummer vier.

Der österreichische Markt sei "herausfordernd", der Mitbewerb sehr groß, räumte Decathlon-Österreich-Chef Gábor Pósfai am Montag bei einem Pressegespräch ein. Über weitere Eröffnungen wolle man in zwei bis drei Monaten entscheiden. Es sei aber kein Geheimnis, dass die Städte Linz, Graz, Innsbruck und Salzburg auf dem Radar stünden. Das Ziel für die kommenden zwei Jahre sei in erster Linie, in Österreich bekannt zu werden. "Die Kunden müssen unsere Eigenmarken ausprobieren", erklärte Pósfai, "sie kennen die Firma noch nicht."

Allzu einfach auf die Erfolgsstraße schafft man es als Sportartikeldiskonter in Österreich nicht. Sports Direct, der sich mit Billigprodukten anschickte, das Eybl-Erbe anzutreten, hat sein Filialnetz von einst 50 Standorten auf mittlerweile 30 reduziert. Eine Kooperation mit dem Fachhändler Gigasport hat man wieder aufgelöst. Mittlerweile sei bei Sports Direct nur mehr wenig Sportkompetenz und Hartware vorhanden, sagt Nendwich, "die sind eher eine Konkurrenz für den Schuh- und Textilhandel".

Einen Aufwind dagegen erlebten in jüngster Vergangenheit die Spezialisten - egal ob für Laufsport, Bergsteigen, Radfahren oder im Verleihgeschäft. In Summe kommen die Spezialhändler in Österreich auf einen Marktanteil von 17 Prozent, im EU-Ländervergleich sind es im Durchschnitt nur zehn Prozent, in Deutschland sechs Prozent. Die sportaffinen Österreicher legten eben viel Wert auf hochqualitative Marken und gute Beratung, sagt Nendwich. Und dafür sieht er - auch wegen der zunehmenden Technisierung der Sportgeräte - den Markt noch nicht gesättigt.

Das haben auch die Großen in der Branche erkannt, unter anderem die Händlergruppe Sport 2000. In einer Spezialisierungsoffensive unter einem eigenen Logo wurden bisher 17 Bike-Profi-Händler aufgebaut, nächstes Jahr sollen bis zu 15 Running-Profis folgen. Das Konzept werde man Schritt für Schritt auf die Bereiche Outdoor, Teamsport und Ski ausweiten, verkündete Sport-2000-Vorstand Holger Schwarting.

Sport 2000/Gigasport ist mit einem Marktanteil von 30 Prozent die Nummer zwei hinter Marktführer Intersport mit 32 Prozent und vor Hervis mit knapp 20 Prozent.

Das Geschäft mit Sportartikeln floriert jedenfalls. Im Vorjahr erzielte der österreichische Sportfachhandel einen Umsatz von rund 1,8 Mrd. Euro. Und im ersten Halbjahr 2018 verbuchte man bereits ein Plus von zwei Prozent. "Es gab heuer nur einen schwachen Monat", sagt Nendwich, "und das war der Juni."

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