Österreich

Immo-Experte begrüßt die Initiative für mehr Bauland

Der Verband der Institutionellen Immobilieninvestoren (VII) begrüßt die Initiative der Regierung für mehr Bauland. Nur durch ein höheres Angebot könne das Ziel eines leistbaren Wohnens erreicht werden, nicht durch mietrechtliche Zwangsmaßnahmen, sagte VII-Präsident Wolfgang Louzek im APA-Gespräch. Laut ÖVP-Wohnbausprecher Johann Singer könnte jährlich Grund für 1.700 Wohnungen aktiviert werden.

Jährlich könnte Grund für 1.700 Wohnungen aktiviert werden.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Jährlich könnte Grund für 1.700 Wohnungen aktiviert werden.

Alles, was Bauland auf den Weg bringe und dem Wohnbau zuführe, werde auch von den privaten Eigentümern begrüßt, sagte Louzek. Von der geplanten Neuregelung, dass bei der Umwidmung von Gründen der öffentlichen Hand ein Viertel dem förderbaren Wohnraum vorbehalten sein soll, sollen ja sowohl gewerbliche als auch gemeinnützige Bauträger profitieren - die Materie soll bis November in den Ministerrat kommen, erklärte die Regierung dazu.

Auch die geplante Aktivierung privaten Kapitals für Investitionen für den sozialen Wohnbau begrüßt der VII-Präsident. Die angedachten Maßnahmen, um institutionellen Anlegern den Erwerb von Anteilen gemeinnütziger Bauträger schmackhaft zu machen, hält er aber "fast für einen Tabubruch".

FPÖ-Vize-Bundesparteiobmann Johann Gudenus hatte am Montag sogar davon gesprochen, dass "Banken und Versicherungen offenkundig völligen Zugriff auf das angesparte Sozialkapital von Wohnbaugenossenschaften erhalten" sollten, was "einer Zerschlagung des Systems mehr als nahekommen" würde: "Offensichtlich sollen Genossenschaftswohnungen und ihre Bewohner endgültig den Gewinninteressen der Finanzindustrie ausgeliefert werden." Louzek findet den Vorstoß von SP und VP "spannend", wüsste aber nicht, warum die Anteile an Gemeinnützigen trotz limitierter Gewinnausschüttung bis zu einem Wiederverkauf mehr Wert werden sollten.

Ob es zu der seit Jahren ausständigen großen Wohnrechtsreform kommen wird, wagt VII-Präsident Louzek nicht zu prognostizieren. Durch die Orientierung am Begriff des "leistbaren Wohnens", der aus dem Wahlkampf 2013 stammt, habe man sich von Anfang an auf Treibsand begeben. Eigentlich müsste man jene Teile einer Miete, die sich jemand nicht leisten könne, durch eine Subjektförderung abfedern, also eine Mietbeihilfe. Andererseits gebe es viele Menschen, etwa in Gemeindebauten, die noch immer zu einer sehr niedrigen Miete wohnen würden, obwohl sie schon eine marktkonforme Miete zahlen könnten - auch eine Form von Fehlbelag, so der Experte. Müsste derjenige mehr zahlen, würde er rasch in eine andere, aus seiner Sicht "bessere" Wohnung übersiedeln, und die billigen Flächen würden für echt Bedürftige frei.

Forderungen, in ganz Wien gleich hohe Mieten verlangen zu müssen, also nicht nach Lage differenzieren zu dürfen, lehnt Louzek ab. Das würde einerseits das Wohnungsangebot verknappen, andererseits würden Vermieter, wenn sie ohnedies nicht mehr verlangen dürften, nach der Einkommenshöhe der Mieter differenzieren, um ihre Einnahmen sicherer zu haben.

Man habe gehofft, dass der Verfassungsgerichtshof (VfGH) etwas an Klarheit zum Thema Zu- und Abschläge beiträgt, das habe er im Herbst aber doch nicht so getan, wie sich das die Vermieter gewünscht hätten. Die beim VfGH noch anhängige Richtwert-Mietzins-Causa werde wohl auch keine richtungsweisenden Anhaltspunkte bringen, befürchtet der VII-Präsident.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.11.2018 um 05:20 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/immo-experte-begruesst-die-initiative-fuer-mehr-bauland-479605

Schlagzeilen