Wirtschaft

In den Tiefschnee nicht ohne Pieps

Der schneereiche Winter sorgt für eine riesige Nachfrage bei Geräten für die Lawinenverschüttetensuche (LVS). Marktführer Pieps steigert seinen Umsatz um 20 Prozent.

Pieps hält in Deutschland und Österreich einen Marktanteil von 70 Prozent.  SN/birgitta schörghofer
Pieps hält in Deutschland und Österreich einen Marktanteil von 70 Prozent.

Man sagt Nivea und meint Hautcreme, man sagt Tempo und verlangt ein Taschentuch und alle reden vom Pieps, wenn ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) gemeint ist. In Mitteleuropa hält die in Lebring bei Graz beheimatete Pieps GmbH bei LVS-Geräten die klare Marktführerschaft, in Österreich und Deutschland dominiert man mit 70 Prozent. Weltweit liegt man mit 35 Prozent Marktanteil knapp vor Mitbewerber Mammut. Tendenz weiter steigend.

Nach drei eher schneearmen Wintern ist die Nachfrage nach LVS-Geräten und Airbag-Rucksäcken heuer besonders groß. "Wir hatten im Dezember einen Rekordumsatz, wie wir ihn noch nicht gesehen haben", sagt Pieps-Marketingchef Heinz Stocker. Bereits im November zeigte die Absatzkurve steil nach oben. Der Nachfrageboom sorgte letztlich für einen Jahresumsatz von 9,5 Mill. Euro, ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2016.

1971 wurde das erste Gerät verkauft

Begonnen hat man mit der Erstentwicklung von LVS-Geräten bereits vor 50 Jahren gemeinsam mit der TU Graz. Das erste verkaufsfertige Gerät kam 1971 auf den Markt. 2003 folgte mit dem ersten volldigitalen Drei-Antennen-Gerät ein Quantensprung. Damit machte Pieps auch international auf sich aufmerksam. Seit 2013 gehört der 16-Mitarbeiter-Betrieb zum US-amerikanischen Sportausrüster Black Diamond. "Der nordamerikanische Markt ist für uns nun leichter erreichbar", sagt Stocker. Mittlerweile liege man bei einem Exportanteil von 70 Prozent. Beliefert werden alle Länder, in denen Schnee fällt - "von Argentinien über Chile bis Neuseeland". In China sei man noch nicht so groß, "aber bei den beiden kommenden olympischen Spielen in Asien rühren wir dort ein bisschen um".

Ein neues Trainingstool animiert zum Üben

Produziert werden die LVS-Geräte in Partnerschaft mit dem Vermessungstechnikunternehmen Anton Paar nach wie vor in der Steiermark. Ziel sei es, über die technischen Einflüsse eine immer noch schnellere und genauere Suche von Verschütteten zu entwickeln, sagt Stocker. Weil es im Ernstfall vielen Skifahrern immer noch an der Übung im Umgang mit dem LVS-Gerät fehle, sind die neuesten Geräte mit Bluetooth und einem Trainingstool ausgestattet, "damit kann man übers Handy ganz easy und unkompliziert eine riesige Anzahl an Suchszenarien kreiern".

Seit 2014 hat Pieps auch Airbag-Rucksäcke im Programm. Gefüllt wird der Ballon, der eine Verschüttung verhindern soll, mit Umluft - 200 Liter in 2,6 Sekunden, angesaugt über ein Düsengetriebe und elektronisches Akku-System. Ein Ladezyklus reiche für fünf Auslösungen, erklärt Stocker. "Wir haben den größten Ballon, den es auf dem Markt gibt." Üben macht auch hier Sinn, wie die Statistik zeigt: Jeder Fünfte, der in eine Lawine kommt, schafft es nicht, den Airbag rechtzeitig auszulösen.

Aufgerufen am 18.10.2018 um 06:24 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/in-den-tiefschnee-nicht-ohne-pieps-23281657

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