Wirtschaft

Initiative will Chance für Flüchtlinge in Mangelberufen

Die Debatte um Mangelberufe hat eine Initiative um den oberösterreichischen Integrationslandesrat Rudolf Anschober (Grüne) auf den Plan gerufen. Gefordert wird, Flüchtlingen den Abschluss einer Lehre in diesen Branchen zu ermöglichen und danach auch zumindest zwei Jahre eine Arbeitsmöglichkeit zu schaffen. Derzeit wird die entsprechende Ausbildung oftmals durch drohende Abschiebung unterbrochen.

Der Grüne Landesrat Anschober treibt die Initiative voran SN/APA/BARBARA GINDL
Der Grüne Landesrat Anschober treibt die Initiative voran

"Verrückt" nannte Anschober bei einer Pressekonferenz in Wien diese Vorgangsweise. Seit 2015 ist der Lehrstellenmarkt für Asylwerber bei Mangelberufen geöffnet. Das Hindernis ist, dass bei negativen Bescheiden trotzdem eine Abschiebung erfolgt, der Flüchtling die Lehre also nicht abschließen kann.

Aktuell sind laut Anschober alleine in Oberösterreich rund 50 dieser Lehrlinge mit einem negativen Bescheid in erster Instanz konfrontiert. Die Zahl ist nicht niedrig angesichts von insgesamt 294 Asylwerbern, die derzeit in Oberösterreich eine dieser Lehren absolvieren. Österreichweit sind es übrigens 727, zum überwiegenden Teil Männer.

Anschober plädiert nun dafür, das deutsche System zu übernehmen. Dort können Flüchtlinge drei Jahre in Lehre gehen und dann noch zwei Jahre am Arbeitsmarkt tätig werden, ohne von Abschiebung bedroht zu sein. Bewährt sich das Dienstverhältnis, ist auch ein weiterer Verbleib an der Arbeitsstelle möglich.

Zu seiner Pressekonferenz hatte Anschober, der unter www.anschober.at/Petition (noch bis 1. Februar) sein Anliegen vorantreibt, auch zwei Unternehmerinnen mitgebracht, die jeweils die erfolgreiche Integration "ihres" Lehrlings schilderten und - vor allem im Fall der Hotel-Betreiberin Barbara Kocher-Unterberger - betonten, wie dringend Lehrlinge in diesen Branchen gesucht werden. Auch Anschober sieht eine Schädigung des Standorts, wenn hier diese Lehre gerade in Mangelberufen torpediert werde.

Schauspielerin Katharina Stemberger, die auch als Vorstandsvorsitzende des Integrationshauses tätig ist, betonte die Notwendigkeit von geordneten Tagesstrukturen gerade für junge Flüchtlinge, die eben über eine Tätigkeit geschaffen würden. Auch brauche man Asylwerbern gleich gar keine Sprachkurse anbieten, wenn diese die Sprache dann im Alltag nicht anwenden könnten.

Der frühere Raiffeisen-Generalsekretär, ÖVP-Abgeordnete und Flüchtlingskoordinator Ferdinand Maier trat bei der Pressekonferenz dafür ein, grundsätzlich den Arbeitsmarkt für Asylwerber nach sechs Monaten zu öffnen, wie dies derzeit als Vorschlag im Europäischen Parlament liege. Auch das wäre Teil von Integrationspolitik im Gegensatz zu dem, was die Regierung betreibe - denn das sei reine Rückführungspolitik.

Kritisch betrachtet wurden auch zunehmende Abschiebungen nach Afghanistan, wie sie auch einem bei der Pressekonferenz anwesenden Mangelberuf-Lehrling droht, obwohl dieser in einem iranischen Flüchtlingslager aufgewachsen ist und das Land nach eigenen Angaben überhaupt nicht kennt. Maier erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Deutschland und Frankreich keine Abschiebungen mehr nach Afghanistan durchführten. Stemberger wiederum verwies auf die eindringlichen Reisewarnungen des Außenministeriums Afghanistan betreffend. Das passe nicht zu Entscheidungen, wonach Flüchtlingen eine Rückkehr dorthin zumutbar sei.

Quelle: APA

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