Wirtschaft

IV-Umfrage sieht Österreich am Rande der Rezession

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) für das dritte Quartal zeichnet ein überraschend düsteres Bild. "Aus einer leicht negativen Geschäftslage ist eine sehr negative geworden", fasst IV-Chefökonom Christian Helmenstein im "Kurier" (Donnerstag-Ausgabe) die Befragung von 392 heimischen Unternehmen zusammen.

IV-Umfrage gilt als verlässlicher Indikator SN/apa (archiv)
IV-Umfrage gilt als verlässlicher Indikator

Besonders beunruhigend sei, dass sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch jene in sechs Monaten als negativ eingeschätzt werde, so der Experte zu der Zeitung, der die Daten zum dritten Quartal nach eigenen Angaben exklusiv vorliegen. Im Rückblick hätten sich die IV-Umfragen stets als äußerst verlässlich erwiesen, gibt der Chefökonom zu bedenken: "Das bedeutet, dass wir in einer Stagnation sind und am Rande einer Rezession stehen."

Gründe für die schlechte Stimmung nennt Helmenstein etliche, er spricht von einer "Horrorkulisse" für die Wirtschaft. Neben der schwachen globalen Konjunktur verweist er auf den Handelsstreit zwischen den USA und China, den Brexit, politische Konflikte, wie jener Seeschifffahrtsstraße von Hormus, und die Russland-Sanktionen.

Erschwerend kommt für Unternehmen dem Bericht zufolge hinzu, dass die steigenden Kosten nicht auf höhere Preise umgewälzt werden können, was sich negativ auf die Ertragskraft auswirkt. "Bisher war diese auf gutem Niveau, doch jetzt schwächt sie sich fundamental ab", sagt Helmenstein. Das wiederum bedeute weniger Investitionen und verheiße nichts Gutes für eine baldige Konjunkturerholung. "Wir rechnen eher mit zwei als mit einem unterdurchschnittlichen Wachstumsjahr." 2020 werde keine gute Entwicklung aufweisen und 2021 keinen Aufschwung. Das wird laut Helmenstein auch Auswirkungen auf die künftige Bundesregierung haben, denn diese werde mit einer deutlich schlechteren Budgetsituation als die vorherige konfrontiert sein.

Die neue Regierung werde sich auch abseits des Budgets mit der herausfordernden Situation beschäftigen müssen, meint IV-Generalsekretär Christoph Neumayer: "Wir sind nicht der Meinung, dass es ein klassisches Konjunkturpaket braucht, aber man muss Themen wie die Entlastung der Menschen umsetzen." Neben einer Senkung der Tarifstufen bei den Einkommen, die dem Steuerzahler mehr netto vom Brutto bringen würde, müsse auch die Körperschaftssteuer gesenkt werden, damit beide Seiten profitieren.

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