Wirtschaft

Jobabbau bei Swarovski ist nicht aufzuhalten

Der Kristallkonzern will trotz Neuausrichtung am Stammsitz im Tiroler Wattens festhalten. Die Belegschaftsvertreter sind dennoch beunruhigt.

Mitarbeiter in Wattens kämpfen still gegen den Verlust von 1600 Arbeitsplätzen. SN/apa
Mitarbeiter in Wattens kämpfen still gegen den Verlust von 1600 Arbeitsplätzen.

Der stille Protestmarsch von 300 bis 400 Swarovski-Mitarbeitern am Freitag bleibt voraussichtlich ohne Wirkung: Beim Kristallkonzern steht ein weitreichender Um- und Jobabbau an, zumindest wenn man dem operativen Chef von Swarovski, Robert Buchbauer, glaubt. Die überwiegende Mehrheit der Gesellschafter "trägt den eingeschlagenen Weg vollumfänglich und -inhaltlich mit", teilte er nach einer Sitzung des verzweigten Familienclans am Nachmittag mit. Der Stammsitz Wattens verliere "weder an Status noch Bedeutung und ist essentiell für den Neustart von Swarovski." Die Strukturänderung solle bis Jahresende stehen.

Anders sieht das Paul Swarovski, einer der 80 Gesellschafter, der vor Jahren im Streit aus Funktionen ausgeschieden ist, und die neuen Pläne öffentlich kritisiert hat. Es sprach von einer Abstimmungsniederlage für die Geschäftsführung.

Konkret sollen heuer und 2021 1600 von 4600 Stellen (inkl. Kristallwelten) in Wattens wegfallen. 200 wurden bereits im Juni gestrichen. Betroffen sind vor allem Marketing und Vertrieb, wo über die Jahre Parallelstrukturen entstanden seien, die jetzt konzentriert werden. Zudem sollen die zahlreichen Einzelfirmen unter eine Holding - dem Vernehmen nach eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Wattens - gestellt werden. Eine Konstruktion, die auch für einen Börsegang geeignet wäre. "125 Jahre nach der Unternehmensgründung ist es wichtiger denn je, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen, Ressourcen zu bündeln sowie uns effizienter auszurichten", sagt Buchbauer. Die Coronakrise habe diese Notwendigkeit noch verstärkt. Beim Stellenabbau handle es sich um keine Verlagerung, sondern um eine "zwar schmerzliche, aber notwendige Redimensionierung und Kapazitätsanpassung", die nicht nur Wattens, sondern weltweit alle Standorte treffe. Die Coronapandemie hat die Probleme des Konzerns verschärft. Die riesige Kristallsparte ist seit Jahren unter Druck durch Billigkonkurrenz 2,7 Mrd von 3,4 Mrd. Euro Umsatz stammen vom Geschäft mit Glitzersteinchen (der Rest vom Schleifmittelhersteller Tyrolit bzw. dem Optik-Geschäft). Zu den Gewinnen gibt es keine Angaben.

26.000 Mitarbeiter hatte Swarovski vor Corona weltweit. Rund 6000 haben den Job verloren, weil Shops schließen mussten oder die in Thailand und Vietnam angesiedelte Schmuckproduktion heruntergefahren wurde. Die Glassteinchen dafür kommen, ebenso wie Komponenten für Kristallluster, Glitzerstoffe oder Accessoires, nach wie vor aus Wattens, wo in den vergangenen fünf Jahren 500 Mill. Euro investiert wurden. Die neue Kristallfabrik und Manufaktur sollen nicht mehr für den Massenmarkt produzieren, sondern anderes Design für ein höherwertiges Segment.

Zentralbetriebsrätin Selina Stärz bleibt skeptisch. Seit Jahren sei immer wieder umstrukturiert und Wachstum in Aussicht gestellt worden - dann seien wieder Arbeitsplätze weggefallen. Die Zusammenlegung von Parallelfunktionen sei nachvollziehbar. "Aber wir fragen uns, wie weit das geht", sagt Stärz.

Wer bei Swarovski das Sagen hat

Der Familienkonzern ist auch in der 5. Generation geprägt durch Gründer Daniel Swarovski und seine drei Söhne sowie die testamentarische Vorgabe, nur Clan-Mitglieder ihn leiten dürfen.

Nach Fred, Fritz und Wilhelm sind heute die drei Familienzweige benannt, die je zwei Vertreter in den Beirat entsenden, der mit der operativen Geschäftsführung den Konzern lenkt. Entscheidungen trifft die 80-köpfige Gesellschafterversammlung - nahezu mit Einstimmigkeit.


Markus Langes-Swarovski, langjähriger Konzernsprecher und Spross aus dem stimmrechtsmäßig mächtigen Fred-Stamm ist im März überraschend aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Seither dominiert mit Robert Buchbauer und Nadja Swarovski der Fritz-Zweig. Die Finanzen führt Mathias Margreiter vom Willi-Zweig.

Rebell Paul Swarovski stammt ebenfalls aus dem Fritz-Zweig. Er hat vor Jahren sogar das Unternehmen geklagt, an dem er rund ein Prozent der Anteile hält.

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