Wirtschaft

Jobsuche in der Krise: Pflegekräfte und Regalschlichter gefragt

Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem historischen Niveau. Seit Mitte Mai sinken sie zumindest wieder leicht.

Es gibt auch Bewerber, die nun verstärkt gesucht werden – das sind vor allem Pflegekräfte, Ärzte und Angestellte im Lebensmittelhandel. SN/Robert Ratzer
Es gibt auch Bewerber, die nun verstärkt gesucht werden – das sind vor allem Pflegekräfte, Ärzte und Angestellte im Lebensmittelhandel.

Die behördlich verfügten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgelöst. Am Donnerstag hat Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) neue Zahlen zur Rekord-Arbeitslosigkeit vorgestellt. Diese hat aber Mitte April vorerst ihren Höhepunkt erreicht. Am 13. April waren 588.205 Personen auf Jobsuche, am 27. April dann 572.025 Menschen arbeitslos bzw. in Schulungen. Ende März waren 562.522 Menschen auf Arbeitsuche. Aschbacher kündigte am Donnerstag eine wöchentliche Bekanntgabe der Arbeitslosen- und Kurzarbeitszahlen jeweils am Montag an. Vor der Coronakrise wurden die Vormonats-Arbeitslosenzahlen am ersten Arbeitstag des Monats veröffentlicht.

Per 29. April gab es zudem 102.953 Kurzarbeits-Anträge von Unternehmen auf Corona-Kurzarbeit beim AMS, davon waren bei 98.070 Anträgen für 1,2 Millionen Arbeitsplätze ausreichend Informationen vorhanden. 87.107 Anträge wurden bereits genehmigt. Die Mittel für Kurzarbeit wurden von 7 auf 10 Milliarden Euro erhöht. Die Oppositionsparteien SPÖ, FPÖ und NEOS haben angesichts des coronabedingten Rekords bei Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeit mehr Maßnahmen von der türkis-grünen Regierung gefordert. Die SPÖ drängt weiterhin auf eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, FPÖ und NEOS fordern mehr Transparenz bei den Arbeitslosenzahlen.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) hat die Welle von Kurzarbeitsanträgen nach eigenen Angaben bald abgearbeitet. "Wir bewilligen derzeit rund 3.700 Anträge pro Tag, das sind allein pro Tag zwölfmal mehr als im gesamten Krisenjahr 2009", sagte der AMS-Vorstand Herbert Buchinger. "Fast jede dritte beschäftigte Person ist bereits in Kurzarbeit, die Nachfrage ist weiterhin ungebrochen. Dies ist ein Ansturm, wie wir ihn in der Geschichte des Arbeitsmarktservice noch nie erlebt haben", so Buchinger. Die Regierung hat an die Unternehmen appelliert, auf Kurzarbeit statt Kündigungen zu setzen.

Welche Jobs jetzt gefragt sind

Es gibt aber auch Bewerber, die nun verstärkt gesucht werden - das sind vor allem Pflegekräfte, Ärzte und Angestellte im Lebensmittelhandel, wie laut Jobportal StepStone aus den Stellenausschreibungen in den Print- und Online-Medien im März hervorgeht. Verglichen mit dem Vorjahresmonat liefen Mitarbeiter der Berufsgruppe Gesundheit, Medizin und Soziales heuer im März sogar den am Arbeitsmarkt so begehrten IT-Fachkräften den Rang ab. In dem Monat seien 2020 um 17 Prozent Stellen mehr ausgeschrieben gewesen als noch ein Jahr davor, teilte die Online-Jobbörse unter Verweis auf die aktuelle Auswertung am Donnerstag mit.

Im IT-Bereich hingegen seien die Stellenausschreibungen um 27 Prozent gesunken. Insgesamt wurden im März zur Behandlung der Corona-Infektionen um 22 Prozent mehr Jobanzeigen für Allgemeinärzte, Lungenfachärzte und Ärzte der inneren Medizin veröffentlicht.

Auch für Pflege- und Arzthelferberufe wurden um 13 Prozent mehr Stellen inseriert, um die Kapazitäten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ausweiten zu können. Besonders intensiv war die Nachfrage nach Altenpflegern - die Zahl der ausgeschriebenen Stellen hat sich im März im Vergleich zum Vorjahresmonat fast verdoppelt. In der Berufsgruppe Wissenschaft, Aus- und Weiterbildung wurden verstärkt Nachhilfelehrer gesucht, die Eltern während des Homeschoolings unterstützen sollten. Da im Zuge des nationalen Lockdown Online-Bestellungen boomten wurden zudem doppelt so viele Lagerarbeiter und Packaushilfen zur Unterstützung im Logistikbereich gesucht wie im März 2019.

Für die vorliegende Erhebung hat die Marktforschungsagentur index im Auftrag von StepStone Stellenanzeigen in ganz Österreich in 22 Printmedien und 21 Jobbörsen im Zeitraum von 1. bis 31. März 2020 ausgewertet und mit den Stellanzeigen im März des Vorjahres verglichen.

Quelle: APA

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