Wirtschaft

Jö Bonus Club will Millionenstrafe nicht zahlen

Unternehmen hat gegen die Strafe der Datenschutzbehörde berufen, stoppt Profiling aber für die betroffenen Kunden.

Laut Bericht liegt ein Verstoß gegen die DSGVO vor SN/APA/BARBARA GINDL
Laut Bericht liegt ein Verstoß gegen die DSGVO vor

Die Datenschutzbehörde hat gegen den Jö Bonus Club eine zwei Millionen Euro schwere Strafe wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verhängt. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die Causa betrifft knapp zwei Millionen Kunden, die sich zwischen Mai 2019 und Februar 2020 zu dem Prämienprogramm, das von Rewe Österreich mit anderen Partnern betrieben wird, angemeldet haben.

Die Datenschutzbehörde kritisiert, dass für die Kunden bei der Anmeldung die Zustimmung zum Profiling - also der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten - nicht eindeutig erkennbar war. Profiling sei gesetzlich möglich, allerdings müsse der Betroffene seine Einwilligung geben. "Diese muss klar ersichtlich und transparent sein", sagt Andrea Jelinek, Leiterin der Datenschutzbehörde. Das sei hier nicht der Fall gewesen.

Im Februar 2020 wurde schließlich das Formular geändert, die bestehenden Mitgliedschaften wurden aber weiterhin genutzt. Zumindest das ist nun vorbei. Man habe die Nutzung der Daten vorerst gestoppt, heißt es vom Jö Bonus Club. "Der Kunde ist immer Herr seiner Daten", rechtfertigt Geschäftsführer Mario Rauch. Auch in dem von der Behörde kritisierten Zeitraum habe es für Kunden die Möglichkeit gegeben, das Profiling abzulehnen. Man sei sich sicher gewesen, der DSGVO entsprochen zu haben. Den Bescheid werde man vor dem Bundesverwaltungsgericht anfechten.

Vier Millionen Kunden hat der Jö Bonus Club laut eigenen Aussagen. Die Zustimmung zum Profiling liege bei mehr als 80 Prozent. Kunden bekommen zugeschnittene Vorteilsangebote per Post, Newsletter oder in der App. Für das Profiling werden alle Daten der teilnehmenden Partner gebündelt. Neben Händlern wie Billa, Bipa oder Libro sind das auch OMV-Tankstellen, die Bawag oder die Allianz-Versicherung. "Wir nutzen diese Daten, um ein Profil des Kunden zu erstellen", erklärt Rauch. Kunden werden dann in eine oder mehrere Kategorien eingestuft, etwa Bio- oder Diskontaffinität. "Wer gern Bio kauft, bekommt auch bei den anderen Händlern entsprechende Angebote." Zudem würden Vegetarier keine Fleischangebote oder Kunden ohne Auto keine Ermäßigung für die Waschstraße bekommen.

Wer dem Jö-Profiling zustimmt, gewährt weitgehende Datennnutzung, wie in der aktuellen Zustimmungserklärung zu lesen ist. Man erlaubt neben der Nutzung der Daten zum Einkaufsverhalten unter anderem auch, "dass im Rahmen von elektronischer Werbung erhoben wird, ob ich die Werbung öffne, die darin enthaltenen Links anklicke, wie viel Zeit und welches Endgerät ich dafür verwende, welches Betriebssystem und welchen Browser ich verwende, an welchem Ort ich mich befinde, welche IP-Adresse ich habe und ob ich soziale Netzwerke nutze."

Kunden sollten sich dieser Tragweite bewusst sein, sagt Wolfgang Schmitt vom Verein für Konsumentenschutz (VKI): "Beim Profiling geht es darum, dass man viele Daten über eine Person sammelt und dieser auch zuordnet, vom Einkaufsverhalten bis zu Standortdaten." Im digitalen Bereich sei das - von Facebook bis Google - schon lang ein Geschäftsmodell. Auch in anderen Bereichen, etwa im stationären Handel, sei Profiling nun auf dem Vormarsch.

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