Wirtschaft

Junge Menschen sind in Geldfragen unsicher - und wieviel wissen Sie?

Eltern sind die erste Anlaufstelle, in vielen Familien wird über Geld aber nicht geredet. Und Schulen vermitteln zu wenig Wirtschaftswissen.

In vielen Familien wird nicht mehr über Geld geredet. SN/www.bilderbox.com
In vielen Familien wird nicht mehr über Geld geredet.

Dass es um die finanzielle Bildung der Bevölkerung in Österreich nicht gut bestellt ist, ist bekannt. Das Problem zieht sich durch alle Altersgruppen, aber der österreichische Bankenverband wollte wissen, ob die zahlreichen Initiativen, den Wissensstand zu heben, gefruchtet haben. Deshalb wurden 1029 Personen zwischen 18 und 29 Jahren online zu ihrem Umgang mit Geld befragt. Die Antworten ergeben ein zwiespältiges Bild.

So lange es um den täglichen Umgang mit Geld und damit um überschaubare Summen geht, fühlen sich zwei Drittel der Befragten ganz wohl. Wenig überraschend trifft das vor allem auf jene zu, deren Eltern ein finanziell sorgenfreies und zufriedenes Leben führen, sagt Enver Sirucic, Finanzvorstand der Bawag, die die Umfrage gemeinsam mit dem Bankenverband organisiert hat.

Sobald jedoch eine Entscheidung von größerer finanzieller Tragweite ansteht, ist es mit der Selbstsicherheit vorbei. 83 Prozent fühlen sich nicht sattelfest, wenn es um teurere Anschaffungen geht, oder darum, über Finanz- und Wirtschaftsthemen ausreichend informiert zu sein.

Die Antworten kommen von jungen Erwachsenen, von denen 60 Prozent nicht mehr im elterlichen Haushalt wohnen, jeder dritte in Ausbildung ist, die Hälfte in einer Partnerschaft lebt und zwei Drittel bis zu 2000 Euro netto im Monat verdienen. Wird das Geld knapp, sind zu drei Viertel die Eltern die wichtigste Anlaufstelle.

Neben ihrer Rolle als Geldgeber sind Eltern aber auch maßgeblich dafür verantwortlich, wie es um das Finanz- und Wirtschaftswissen des Nachwuchses bestellt ist. Im Elternhaus werden die Einstellungen zum Umgang mit Geld geprägt, Tipps und Rat holt man sich bei den Eltern. Dem steht gegenüber, dass in etwas mehr als der Hälfte der Haushalte Eltern mit ihren Kindern nicht offen über ihre finanziellen Verhältnisse sprechen, sagt Sirucic. Er hebt hervor, dass junge Menschen angeben, dass sie zwar gerne konsumieren, aber sich eine Mehrheit dafür nicht in Schulden stürzen will. Dass es angesichts der Fälle, die regelmäßig bei den Schuldenberatern landen, auch Personengruppen gibt, die einen anderen Zugang zum Kaufen auf Pump haben, zieht man bei den Banken gar nicht in Zweifel. Die Umsicht beim Umgang mit Geld ergibt sich aus der Struktur der für die Umfrage ausgewählten Personen.

Für Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbands, sind daher die Eltern die wichtigste Zielgruppe, die man ansprechen muss, um das Wissen der nächsten Generation zu erhöhen. 43 Prozent fühlen sich von ihren Eltern nicht gut vorbereitet, wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen geht. Daher lautet seine Botschaft: "Sprecht mit euren Kindern über Geld." Damit könne man gar nicht früh genug beginnen, wenn auch altersgerecht.

Der zweite wichtige Baustein in der Pyramide des Finanzwissens ist laut Resch die Schule. Dort werde noch immer zu wenig über die Wirtschaft vermittelt, dass müsse aber ein elementarer Bestandteil der Ausbildung auf allen Schulstufen sein. Häufig fehle es auch am Praxisbezug. Schulabgänger sollten neben den Grundfertigkeiten Lesen, Rechnen und Schreiben auch über grundlegende Zusammenhänge in der Wirtschaft Bescheid wissen. Die Banken stünden gerne mit Rat und Tat zur Seite, etwa beim Erstellen von Lehrplänen, ein engerer Austausch von Schule und Wirtschaft sei wünschenswert. Von Seiten der Schulverwaltung werde das unterstützt, "am Ende kommt es aber darauf an, ob es der Lehrer oder die Lehrerin in der Klasse umsetzt". Im Hinblick auf eine langfristige Kundenbeziehung seien Banken an mündigen Konsumenten interessiert, sagt Sirucic, es mache keinen Sinn, Kredite zu verschenken.

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