Wirtschaft

Junge Wirtschaft: Vorschusslorbeeren nicht eingelöst

Vor einem halben Jahr sind die heimischen Jungunternehmer (unter 40 Jahre) voll des Vorauslobes für die neue ÖVP/FPÖ-Bundesregierung gewesen, wie eine Umfrage der Jungen Wirtschaft zeigte. "Die Vorschusslorbeeren wurden bisher nicht eingelöst", ist ein Ergebnis aus der aktuellen Umfrage der Jungen Wirtschaft unter 1.400 Mitgliedern, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde.

"Die Jungunternehmer sind jetzt kritischer", sagte JW-Chefin Groß SN/APA (Rauchenberger/Archiv)/(c) w
"Die Jungunternehmer sind jetzt kritischer", sagte JW-Chefin Groß

Im Jänner hatten zwei Drittel der Befragten das Ergebnis der Nationalratswahlen positiv für die Rahmenbedingungen in ihrer jeweiligen Branche bewertet. Nun sind die jungen Unternehmer skeptischer. Auf die Frage, ob man denkt, dass sich die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der eigenen Branche in der laufenden Legislaturperiode verbessern würde, sagte die relative Mehrheit von 40 Prozent nun "eher weniger" (31 Prozent) oder "sicher nicht" (19 Prozent). 34 Prozent sagten "eher schon" (25 Prozent) oder "auf jeden Fall" (9 Prozent).

"Die Jungunternehmer sind jetzt kritischer. Die Regierung wird hoffentlich die wichtigsten bürokratischen Hürden abbauen, um der bestehenden Skepsis unter den Selbstständigen entgegenzuwirken und letztlich den abflachenden Optimismus wieder anfeuern", sagte die Chefin der Jungen Wirtschaft (JW) in der Wirtschaftskammer, Amelie Groß.

Sie konnte sich vorstellen, dass die Skepsis der Jungunternehmer etwas geringer ausgefallen wäre, wenn die Umfrage erst nach dem Beschluss der Anhebung der Höchstarbeitszeit erfolgt wäre. Die Umfrage wurde Anfang Juni durchgeführt. Zumindest debattiert wurde die Arbeitszeitflexibilisierung zu diesem Zeitpunkt schon. Gerade für ganz junge Unternehmen seien flexible Arbeitszeiten besonders wichtig, so Groß. "Vor allem am Anfang arbeitet man nicht 'from nine to five' (von 9 bis 17 Uhr, Anm.)", sagte die Unternehmerin.

Grundsätzlich - abseits der Politik - erwarten die jungen Selbstständigen zu zwei Dritteln aber eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Zehn Prozent befürchten eine Verschlechterung. Die Bereitschaft Mitarbeiter einzustellen ist aber deutlich zurückgegangen. Das dürfte mit dem Aus des Beschäftigungsbonus zusammenhängen, deutete Groß an. Die Investitionsbereitschaft steigt erstmals seit 2015 nicht. Nur ein Drittel der Befragten plant, Investitionen im nächsten halben Jahr zu erhöhen, was an und für sich positiv ist, aber einen Rückgang von 8 Prozent verglichen zur letzten Umfrage darstellt. Die Unterstützung durch die Banken sei zurückgegangen. 41 Prozent sehen zu wenig Rückhalt von den Banken.

"All das zeigte einen abflachenden Optimismus", so Groß. Jetzt müsse dagegen gehalten werden - besonders im Finanzierungsbereich müssten neue Möglichkeiten geschaffen werden, damit die jungen Chefs ihre Potenziale voll ausschöpfen könnten. Beispielsweise würde ein - schon lange geforderter - Steuerfreibetrag für private Investitionen in Unternehmen helfen, so Groß weiter.

Forderungen der JW an die Bundesregierung sind etwa ein Ausbau der digitalen Infrastruktur, eine Senkung der Steuer- und Abgabenquote, die regionale Unterscheidung der Mangelberufsliste beispielsweise im Tourismus, um deren Liquidität zu stützen, der Abbau bürokratischer Hürden, eine Senkung der KöSt und eine einhergehende adäquate Entlastung von Einzelunternehmern.

Eine weitere Harmonisierung der Bemessungsgrundlagen im Sozialversicherungs- und Lohnsteuerrecht sei notwendig. Form- und Meldepflichten für Unternehmen seien aufs Notwendigste zu reduzieren. Veröffentlichungspflichten in der "Wiener Zeitung" sollten gestrichen werden. Die Rot-Weiß-Rot-Karte müsse besser genutzt werden. Mit der DSGVO-Regelung ist die JW nicht zufrieden. Hier brauche es Nachbesserungen. Kosten und Aufwand seien zu hoch, so Groß. In Österreich gibt es 120.000 Jungunternehmer unter 40 Jahren.

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