Wirtschaft

Jungsein hilft bei Corona nicht immer

Auf dem Arbeitsmarkt sind Junge die am stärksten betroffene Gruppe.

Junge Menschen sind von der Krise auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffen.  SN/apa
Junge Menschen sind von der Krise auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffen.

Der von der Politik verordnete großflächige Stillstand der Wirtschaft hat tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Der steile Anstieg der Arbeitslosenzahlen trifft aber nicht alle gleichermaßen - in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen war er März und April doppelt so stark wie bei den über 50-Jährigen. Ganz überraschend kommt der Befund für Dénes Kucsera, Ökonom bei Agenda Austria, nicht. Eine ähnliche Entwicklung habe es auch in der Finanzkrise gegeben. Sein Kollege Hanno Lorenz sieht eine Erklärung darin, dass sich junge Menschen vergleichsweise häufiger in atypischen Beschäftigungsverhältnissen befinden, die auch rasch gelöst werden können. Auch Arbeiter zählen zu den Verlierern, weil sie rascher als Angestellte gekündigt werden können. Jüngere hätten allerdings größere Chancen, wieder Arbeit zu finden und daher rasch wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Dafür und um die Wohlstandsverluste insgesamt möglichst gering zu halten, sei es aber nötig, die Wirtschaft rasch wieder hochzufahren, sagt Lorenz. Wie gut das gelinge, könne man noch nicht sagen, "wir haben keine Erfahrung".

Als kleine offene Volkswirtschaft sei Österreich aber stark davon abhängig, wie gut sich die wichtigen Handelspartner erholen. Zudem sei noch nicht abzusehen, wie sich der für Österreich so wichtige internationale Tourismus entwickelt. Gastronomie und Beherbergung sind laut einer Analyse der Agenda Austria die in allen Belangen am stärksten von der Krise betroffenen Branchen. Einerseits sei ein großer Teil der entgangenen Umsätze nicht mehr aufzuholen, zum anderen seien die Beschäftigten der Branche die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffene Berufsgruppe. Zuletzt war nur etwas mehr als ein Fünftel des Arbeitskräftepotenzials beschäftigt, 28 Prozent waren arbeitslos, 35 Prozent in Kurzarbeit. Dazu komme, dass der Tourismus chronisch unter Eigenkapitalmangel leide. Hier müsse nach den kurzfristigen Liquiditätshilfen der Hebel angesetzt werden - nicht nur im Tourismus, sondern auch in anderen Branchen. Um den durch die staatlichen Maßnahmen in der Coronakrise erlittenen Eigenkapitalverlust auszugleichen und Anreize für Investitionen zu setzen, wären steuerliche Erleichterungen für Unternehmen ratsam, sagt Lorenz.

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