Wirtschaft

Käfer und Klima schaden dem Wald

Die EU will zehn Prozent des Waldes unter Schutz stellen. Die Bundesforste halten das für falsch, Bewirtschaftung nütze dem Klima.

Fast die Hälfte der Fläche Österreichs ist mit Wald bedeckt. SN/öbf
Fast die Hälfte der Fläche Österreichs ist mit Wald bedeckt.

Der Klimawandel setze Österreichs Wäldern schon seit fünf Jahren zu, hohe Schäden seien "nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel", sagen die Vorstände der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Rudolf Freidhager und Georg Schöppl. Für die Bundesforste bedeutet das nicht nur viel zusätzliche Arbeit, sondern auch geringere Einnahmen. Mit 31,5 Millionen Euro schlugen im vergangenen Jahr die höheren Kosten für die Prävention gegen Käferbefall und die Ernte sowie die mit Schadholz verbundenen geringeren Erlöse zu Buche, sagt Finanzvorstand Schöppl. Das war immerhin weniger als 2020, da waren es sogar 48 Millionen Euro.

Dennoch waren auch im vergangenen Jahr 59 Prozent der gesamten Erntemenge (1,8 Millionen Festmeter Rundholz) Schadholz. Für rund die Hälfte zeichnet der Borkenkäfer, "der größte Feind unserer Wälder", verantwortlich, die übrigen Schäden entstanden durch Stürme und Schneebruch. Die steigenden Mengen Schadholz machten die geordnete Bewirtschaftung des Waldes immer schwieriger, sagt Freidhager. Man müsse allerdings davon ausgehen, "dass es in dieser Tonart weitergeht". Einerseits häuften sich die Wetterextreme in immer kürzeren Abständen, zudem arbeite sich der Käfer in höhere Regionen vor. Bisher konnte man davon ausgehen, dass Bäume ab 1000 Meter Seehöhe vor dem Borkenkäfer sicher waren, "das ist vorbei", sagt Freidhager.

Die Krise werde zum Normalzustand, sagt Schöppl, "aber wir werden im Umgang mit der Krise besser". So habe man auch 2021 viel in die Aufforstung investiert, allerdings dabei auch auf den natürlichen Nachwuchs gesetzt. Mussten in früheren Jahren vier Millionen Jungbäume gepflanzt werden, waren es 2021 nur 1,5 Millionen. Die Erntekosten seien lange bei 25 bis 26 Euro pro Festmeter gelegen, jetzt liege man bei 30 Euro. Das sei auch der Ökologie geschuldet, aber das rechne sich langfristig. Dennoch habe man das Holzgeschäft wieder in die schwarzen Zahlen gebracht. 5,6 Millionen Euro seien in die Erhaltung des Schutzwaldes geflossen - ein Reizwort für die ÖBf-Vorstände. Das hat mit den Plänen der Europäischen Union zum Schutz der Wälder zu tun. Dass es in der EU einen Fokus auf den Wald gibt, sei grundsätzlich positiv, sagt Freidhager. "Aber der konservierende Ansatz ist uns zu eindimensional." Laut Plänen der EU-Kommission sollen zehn Prozent der Waldflächen unter Schutz gestellt und sich selbst überlassen werden. Das würde bedeuten, dass in Österreich mit einer Waldfläche von rund vier Millionen Hektar "400.000 Hektar unter eine Käseglocke kommen", sagt Freidhager.

Das sei ein Problem, weil "uns die Natur nicht braucht, aber wir brauchen den Wald", gerade wegen des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Da gehe es auch um viele Arbeitsplätze und um Wertschöpfung. Österreich habe eine moderne Holzindustrie und gehöre zu den größten Exporteuren. Man halte "daher wenig davon, große Flächen außer Nutzung zu stellen". Schon jetzt seien knapp neun Prozent der Flächen der Bundesforste geschützt, insofern wären zehn Prozent leicht erreichbar. Allerdings bezieht sich das 10-Prozent-Ziel auf die gesamte Waldfläche in Österreich und bei den ÖBf fürchtet man, dass die privaten Waldbesitzer die Lösung des Problems an den Staat und damit die ÖBf abschieben. Wenn es dazu käme, "ist es mit der nachhaltigen und naturnahen Waldbewirtschaftung, wie wir sie machen, vorbei", warnen die ÖBf-Chefs. Aber das sei eine Entscheidung des Eigentümers, es gebe allerdings Initiativen, die EU-Ziele noch abzuändern.

Ökonomie und Ökologie seien kein Widerspruch, sagt Freidhager. Bei den Bundesforsten wisse man für jeden Wald, "welche Bäume dort stehen müssen, damit die Klimaziele erreicht werden können". Dabei geht man dabei unverändert davon aus, dass das Ziel, die Erderwärmung bei zwei Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Den Wald sich selbst zu überlassen vertrage sich auch nicht mit dem Ziel, ihn als Freizeit- und Erholungszone zu bewahren, sagt Freidhager.

Was die Holzpreise angeht, hofft er heuer auf Besserung. Aktuell sei das Preisniveau mit 67 Euro je Festmeter ab Forststraße zwar um 10 Euro höher als 2020, aber meilenweit von den 79 Euro entfernt, die man 2014 im Durchschnitt erzielte. Profiteure seien die Verarbeiter, also die Säge- und Holzindustrie, er gönne den Kunden ihre Gewinne, "aber diese Preise können nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein". Mit Blick auf die Schnittholzpreise erwartet der ÖBf-Vorstand daher, "dass die Preise heuer um ein paar Euro höher sind, die es uns auch ermöglichen, nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben".


Fast die Hälfte des Landes ist Wald

8,4 Millionen Hektar beträgt die Gesamtfläche Österreichs. Knapp 4 Millionen Hektar und damit rund 47,5 Prozent sind mit Wald bedeckt. 82 Prozent des Waldes in Österreich befinden sich in Privatbesitz, aufgeteilt auf rund 145.000 Eigentümer. Zu den größten gehören die Forstverwaltung Mayr-Melnhof-Saurau, die Esterhazy Betriebe oder die Fürstlich Schwarzenberg'sche Familienstiftung.

Größter einzelner Besitzer sind die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) mit einer Gesamtfläche von 850.000 Hektar, einem Zehntel der Fläche Österreichs. Davon entfallen 510.000 Hektar auf Waldflächen, 154.000 Hektar sind Schutzwald, 339.000 Hektar werden wirtschaftlich genutzt. Die restliche Fläche entfällt auf Seen und Immobilien.

Die ÖBf sind seit 1995 als Aktiengesellschaft organisiert, alleiniger Eigentümer ist die Republik Österreich. Sie erhält als Fruchtgenussentgelt 50 Prozent des jährlichen Jahresüberschusses. 2020 betrug die Betriebsleistung 227 Mill. Euro, der Gewinn vor Steuern lag bei 17,3 Mill. Euro.

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