Wirtschaft

KMU bauten wegen Krise 10 Prozent des Mitarbeiterstands ab

Die Coronakrise hat den Arbeitsmarkt hart getroffen. Heimische Klein- und Mittelbetriebe (KMU) haben im Juni im Schnitt 10 Prozent weniger Personal beschäftigt als vor einem Jahr, ergab eine Befragung unter rund 500 Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Von den verbleibenden Mitarbeitern waren zum Zeitpunkt der Befragung etwa ein Drittel in Kurzarbeit.

Für das Gesamtjahr 2020 gehen die befragten Unternehmen von Einnahmenausfällen im Ausmaß von über einem Drittel (38,8 Prozent) aus. Bei der ersten Umfrage der freien Wirtschaftsverbände - darunter die Österreichische Hoteliervereinigung, der Handelsverband, der Gewerbeverein, der Senat der Wirtschaft sowie das Forum EPU - im Mai lag der coronabedingte Umsatzrückgang noch bei 498.000 Euro. Trotz Lockerung der Maßnahmen zeigten sich die Unternehmen nun noch pessimistischer und gehen von einem Rückgang von im Schnitt 635.000 Euro aus.

In Summe wurden für die Untersuchung knapp über 800 Unternehmen befragt, wobei rund 300 davon Ein-Personen-Unternehmen (EPU) waren. Unter den EPU ist der erwartete Umsatzrückgang besonders dramatisch: sie gehen heuer von einem Umsatzrückgang von fast 45 Prozent aus. Im Handel sind es 37 Prozent. Mit den Umsätzen hat auch die Investitionsbereitschaft der Firmen abgenommen. Wurde das Ausmaß der Investitionsrückgänge bei der ersten Umfrage vom Mai noch mit 354.000 Euro je Betrieb angegeben, so lagen sie im Juni bei im Schnitt 460.000 Euro.

Besser als noch vor einem Monat bewerten die Unternehmen die Bemühungen der Bundesregierung, den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entgegenzutreten. Kritisierten bei der ersten Befragungswelle 67 Prozent der Betriebe die Maßnahmen als praxisfremd, wird die neue degressive Abschreibung (AfA) von 40 Prozent der Unternehmen begrüßt und die Investitionsprämie von 35 Prozent.

"4 von 10 Unternehmer befürchten, dass es ihr Unternehmen zu Weihnachten nicht mehr gibt - auf gut Wienerisch 'eine schöne Bescherung'", so die freien Wirtschaftsverbände. Die Interessenvertreter forderten erneut ein Vorziehen der Steuerreform und die Zuführung von Eigenkapital.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) hat unterdessen am Dienstag Kritik an der Zurückhaltung von Banken bei Krediten an Kleinbetriebe geübt, selbst wenn diese Ausleihungen nach einer neuen EU-konformen Regelung bis zu 100 Prozent staatlich garantiert sind. Zu Klassifizierungen wie "Zombie-Unternehmen" sagte sie, sie erwarte sich von der Finanzbranche eine sorgsamen Umgang mit der Sprache.

Mit diesem Thema sei "in Österreich und im gesamten deutschsprachigen Raum ein anderer Umgang gefragt", denn auch die rund 5.000 Insolvenzen, die es im Schnitt jährlich in Österreich gebe, seien "keine Zombie-Unternehmen", meinte die Ministerin.

Der WKÖ-Spitzenvertreter des Bankensektors, Franz Rudorfer, und Erste-Bank-Österreich-Chef Peter Bosek hatten zuletzt unisono betont, Banken müssten sich die Rückzahlbarkeit bei jedem Kredit ansehen, auch bei garantierten Krediten. Und Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer hatte - nicht als Erster - davor gewarnt, dass bei fehlendem Businessplan oder zu dünner Kapitaldecke "sogenannte Zombie-Unternehmen gezüchtet werden" könnten.

Im Übrigen gelte die Neuregelung, dass sich Kleinst- und Kleinbetriebe bis zu 200.000 Euro Kredit zu 100 Prozent mit Staatsgarantie ausgestattet holen könnten, erst ab kommendem Samstag und nicht bereits seit Montag dieser Woche, wie verschiedentlich zu hören war. Denn das grüne Licht der EU-Kommission sei erst für Freitag zu erwarten. Profitieren könnten davon Unternehmen, bei denen 50 Prozent des Eigenkapitals aufgebraucht seien. Insgesamt lägen 14.500 Anträge bei der austria wirtschaftsservice (aws), dabei gehe es um jeden fünften Betrieb, also um 2.500 Unternehmen in Österreich. "Da werden die Banken in Österreich nicht in Schwierigkeiten geraten, wenn sie diesen helfen."

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 04.03.2021 um 07:40 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/kmu-bauten-wegen-krise-10-prozent-des-mitarbeiterstands-ab-90169093

Kommentare

Schlagzeilen