Wirtschaft

Konjunkturpaket laut IHS-Kocher nicht notwendig

Der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher, hat sich in der "Pressestunde" des ORF-Fernsehens am Sonntag klar gegen ein Konjunkturpaket ausgesprochen. "Es gibt im Moment keine Notwendigkeit eines Konjunkturpakets, dass man also die Konjunktur ankurbeln müsste über öffentliche Maßnahmen." Es gebe auch eine Reihe von Maßnahmen, die ohnehin die Wirtschaft ankurbeln werden.

Martin Kocher sieht noch keinen Grund zur Panik SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Martin Kocher sieht noch keinen Grund zur Panik

Derzeit gebe es "eine kleine Abschwächung": Die Wirtschaft in Österreich werde dieses Jahr voraussichtlich um 1,3 Prozent wachsen, im nächsten Jahr hoffentlich um etwas mehr, aber man werde nicht in den Bereich von 2 oder 3 Prozent Wachstum kommen. Trotzdem gebe es noch steigende Beschäftigung, wodurch auch die Steuereinnahmen steigen. Daher sei der Finanzminister von der schwächeren Konjunktur noch nicht betroffen. Ökonomen müssten immer "vorsichtiger" sein in ihren Prognosen, die Regierung müsse umgekehrt immer "optimistisch" sein, sagte Kocher in einer Replik auf Kritik von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Die Auswirkung des Coronavirus auf die Wirtschaft hänge von der weiteren Entwicklung ab, sagte Kocher. Die SARS-Epidemie im Jahr 2003 hätte ungefähr 1 Prozentpunkt des chinesischen Wirtschaftswachstums gekostet. In China seien für heuer 6 Prozent Wachstum prognostiziert, würde die Entwicklung wie bei SARS verlaufen, würde das Wachstum demnach auf 5 Prozent sinken. Wenn es aber in den nächsten Monaten größere Produktionsausfälle gebe, könnten die Folgen schon massiver werden, weil man vieles nicht mehr aufholen könne. Entscheidend seien die Neuerkrankungen in den nächsten ein bis zwei Wochen.

Betreffend der wirtschaftlichen Auswirkung der Krankheit auf Länder außerhalb Chinas ist Kocher optimistisch, denn da viele Maßnahmen gegen eine internationale Ausbreitung getroffen wurden, werde es nicht zu einer Pandemie kommen. Bei den Ängsten vor dem Coronavirus handle es sich um irrationale Ängste. Ökonomisch gesehen wäre ein verstärktes Grippeimpfen gut, um Grippeepidemien, die es in Österreich regelmäßig gebe, zu verhindern, so der Verhaltensökonom.

Im Kampf gegen Fachkräftemangel brauche man einen Paradigmenwechsel, erläuterte Kocher. Neben der Verbesserung des Bildungssystems gebe es noch viele andere Möglichkeiten, verwies er auf die geringe Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen und viele Frauen in Teilzeitarbeit, die ihr Arbeitspensum aufstocken könnten. Weiters könne man über die Rot-Weiß-Rot-Card und mehr Migranten-Lehrlinge mehr ausgebildete Arbeitskräfte bekommen. Es werde einen internationalen Wettbewerb um gut ausgebildete Arbeitskräfte geben, in dem Österreich mit anderen Ländern konkurriere. "Wir werden da viel offensiver werben müssen, weil wir sie unbedingt brauchen, weil es nicht genug junge Leute in Österreich gibt."

Bei der geplanten Einführung einer CO2-Steuer müsse man berücksichtigen, dass große Unternehmen und CO2-Emittenten wie die voestalpine schon im europäischen Zertifikatehandel seien und diese nicht doppelt belastet werden, so Kocher. Idealerweise sollte eine Tonne CO2 in allen Sektoren - Verkehr, Industrie oder auch Speisen und Getränke - gleich viel kosten. Für Unternehmen im internationalen Wettbewerb werde man auch Ausnahmen machen müssen. Bei den Treibstoffpreisen gehe es weniger um kurzfristige Auswirkungen, sondern mehr um langfristige Effekte und um Investitionsentscheidungen.

Quelle: APA

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