Wirtschaft

Krise bringt "Licht und Schatten" für Lebensmittelindustrie

Die Corona-Krise hat der Lebensmittelindustrie eine hohe Nachfrage durch die Supermarktketten beschert. Aber gleichzeitig ist das Geschäft mit der Gastronomie und Hotellerie aufgrund der Schließungen komplett zum Erliegen gekommen. "Bei uns in der Branche gibt es Licht und Schatten", sagte die Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Katharina Koßdorff, im APA-Gespräch.

Vor allem Betriebe mit vielen Gastrokunden verzeichneten Einbußen SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Vor allem Betriebe mit vielen Gastrokunden verzeichneten Einbußen

Unternehmen, die stark in den Lebensmittelhandel liefern, hätten zu Beginn der Krise im Dreischicht-Betrieb praktisch rund um die Uhr produziert und würden das noch immer auf hohem Niveau machen, so die Verbandsvertreterin. Betriebe mit vielen Gastrokunden hätten hingegen mit Umsatzausfällen zu kämpfen. Betroffen sind unter anderem Brauereien und andere Getränkehersteller, Molkereien und Spirituosenhersteller.

Der Brauereiverband berichtete zuletzt von einem Umsatzeinbruch von 50 Prozent, viele Molkereien verringern die Milchanlieferungsmengen. Der Wegfall von Sport- und Kulturveranstaltungen und anderen Events sowie der Wegfall der ausländischen Touristen trifft die Getränkeindustrie hart.

Bis zur Coronavirus-Pandemie war die heimische Lebensmittelindustrie mit 200 Betrieben und 27.000 Mitarbeitern auf Erfolgskurs. Für 2019 wurde ein "Rekordjahr" mit einem Plus bei den Exporten von rund 7 Prozent auf 7,6 Mrd. Euro gemeldet. Nach Deutschland stiegen im vergangenen Jahr die Ausfuhren der Lebensmittelproduzenten um 8 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro und in die USA um 15 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro.

Für das Gesamtjahr 2020 ist die Fachverbandsvertreterin "vorsichtig optimistisch". Es hänge vor allem davon ab, wie sich die Gastronomie und der Tourismus nach Aufhebung der Sperren entwickeln werde. Der Export laufe "derzeit noch uneingeschränkt". Die Rückmeldungen der Unternehmen seien positiv, die Ausfuhren in die EU würden noch funktionieren und es gebe auch positive Signale von Märkten außerhalb der EU.

Zu Beginn der Corona-Krise gab es in der Lebensmittelindustrie die Befürchtung, dass die ausländischen Tages- und Wochenpendler aufgrund der Grenzsperren ausfallen. Rund zehn Prozent der Beschäftigten stammen aus dem Ausland. "Es hat sich gut eingependelt. Es sind ausreichend Arbeitskräfte verfügbar", sagte die Verbandsvertreterin Koßdorff. Man müsse "der Politik ein Danke aussprechen, dass die Grenzen für den Güterverkehr und die Berufspendler offen geblieben sind".

Einen Mangel an Desinfektionsmittel - wie in anderen Branchen - gibt es in der Lebensmittelindustrie nicht. Aufgrund der Hygieneerfordernisse sei die Branche immer gut mit Desinfektionsmittel versorgt, so Koßdorff. Außerdem hätten aufgrund der fehlenden Nachfrage einige Spirituosenhersteller auch mit der Desinfektionsmittelproduktion begonnen.

Quelle: APA

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