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Kulterer sagte im Hypo-Prozess aus

Im Hypo-Prozess am Landesgericht Klagenfurt gegen den Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger, den ehemaligen kroatischen General Vladimir Zagorec und zwei weitere Angeklagte hat am Dienstag Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer als Zeuge ausgesagt. Es geht um Kredite für Grundstücksgeschäfte in Kroatien aus den Jahren 2004 bis 2006, die Kulterer als "hochwertige Immobilienprojekte" bezeichnete.

Kulterer sagte im Hypo-Prozess aus SN/APA (Archiv)/HERBERT NEUBAUER
Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer als Zeuge.

Die Kredite und Grundstückskäufe liefen über mehrere Stiftungen in Liechtenstein, deren wirtschaftlicher Berechtigter Zagorec war. Der Staatsanwalt wirft den Angeklagten Untreue mit einem Schaden in der Höhe von 19,8 Mio. Euro vor. Die gewährten Kreditmittel sollen zwischen den Stiftungen hin- und herüberwiesen worden sein, was für den Ankläger den Tatbestand der "In-Sich-Geschäfte" darstellt.

Kulterer war zum Untersuchungszeitpunkt als Vorstand für den Bereich Marktfolge zuständig. Die Zagorec-Vorhaben seien seiner Erinnerung nach hochwertige Immobilienprojekte und ausreichend besichert gewesen, sagte er. Daher hatte er bezüglich einer Finanzierung durch die Hypo auch keine Bedenken. Zagorec, den er persönlich erst 2006 kennengelernt habe, bezeichnete er als "vifen Geschäftsmann mit einer guten Nase für Immobilienprojekte".

Auf Fragen der Vorsitzenden des Schöffensenats, Richterin Michaela Sanin, über die Verflechtungen der liechtensteinischen Stiftungen, deren wirtschaftlich Berechtigter Zagorec war, erklärte Kulterer, das Thema des wirtschaftlich Berechtigten sei ein sehr schwieriges gewesen, weil es nach Liechtensteinischem Recht kaum möglich gewesen sei, Informationen über Eigentümerstrukturen der Stiftungen und Anstalten zu bekommen. Hier sei man an Grenzen gestoßen. Daher habe man eine wirtschaftliche Einheit auch nicht darstellen können.

Im Frühsommer 2005, als es einige Fragen zu klären gegeben habe, sei er sehr verwundert gewesen, "wie viele Projekte wir mit Zagorec hatten". Denn dass die Projekte alle im Einflussbereich des Ex-Generals gestanden seien, darüber habe es keinen Zweifel gegeben. Sein Nachfolger als Marktfolge-Vorstand, Josef Kircher, habe daher als eine der ersten Aufgaben gehabt, sich um eine eventuelle wirtschaftliche Einheit aus bankenrechtlicher Sicht zu kümmern. 2006 habe Zagorec' Obligo bereits 134 Mio. Euro erreicht.

Auf entsprechende Fragen des Striedinger-Verteidigers Sebastian Lesigang sagte Kulterer, für die Überwachung der korrekten Mittelverwendung sei seiner Erinnerung nach der Kundenbetreuer zuständig gewesen. Darüber hinaus habe die Group Market Support (GMS) jene Bedingungen zu prüfen gehabt, die als Voraussetzung zur Auszahlung der Kreditmittel formuliert gewesen seien. Der Vorstand selbst habe nichts damit zu tun gehabt. Er selbst sei auch mit der Abwicklung von Krediten nicht befasst gewesen und könne daher über die Geldflüsse nichts sagen, so Kulterer.

Quelle: APA

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