Wirtschaft

Kunden wollen Nachhaltigkeit, aber nicht dafür zahlen

Der Druck der Öffentlichkeit zu mehr Nachhaltigkeit ist hoch, sagt Alexander Birken, Chef der deutschen Otto-Gruppe. Allerdings seien die Kunden nicht bereit, dafür mehr zu zahlen. Bei gleichwertigen und gleichpreisigen Produkten würden sie aber zur nachhaltigeren Variante greifen. Die Otto-Gruppe bemühe sich sehr um Nachhaltigkeit, wirklich unter Kontrolle habe man das aber nur beim eigenen Sortiment.

Unito-Gruppe setzt auf Nachhaltigkeit SN/APA/APA/Hörmandinger/APA/Hörmand
Unito-Gruppe setzt auf Nachhaltigkeit

Beim eigenen Sortiment werde etwa im Wesentlichen nur mehr nachhaltige Baumwolle verarbeitet, sagen Birken und Harald Gutschi, Chef der Unito-Gruppe, der Österreich-Tochter von Otto. Das eigene Sortiment sei bei Unito schon zu 70 bis 80 Prozent nachhaltig, über alle 5.000 Marken und Lizenzprodukte gelte das "je nach Definition" für 10 bis 20 Prozent, rechnete Gutschi am Mittwoch in einem gemeinsamen Pressegespräch vor.

Das Coronajahr 2020 hat nicht nur mehr Onlinehandel gebracht, sondern auch spürbare Verhaltensänderungen. Bei der Unito-Gruppe (unter anderem Quelle, Otto und Universal) gingen die Retouren um 28 Prozent zurück, auch heuer liegen die Retouren noch um 20 Prozent unter den Vorkrisenwerten. Das habe dem Unternehmen auf der Gewinnseite geholfen, sei aber auch ein Stütze am Weg zu mehr Nachhaltigkeit, sagte Gutschi.

Nicht nur bei den Kunden, auch im eigenen Haus hat sich in den jüngsten fünf Jahren einiges gewandelt, führte Birken für die Otto-Gruppe aus. Vor fünf Jahren hätte er noch nicht behauptet, dass Nachhaltigkeit für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Herzensanliegen war. Inzwischen kämen Job-Bewerber aber ausdrücklich deshalb, weil der Versandhändler sich darum bemühe. Daher könne man viel mehr Ideen aus der Belegschaft generieren.

Unito hat im Vorjahr den Umsatz um 20 Prozent auf 423 Mio. Euro gesteigert, die Otto-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2020/21 nach 17,2 Prozent Plus 15,6 Mrd. Euro Umsatz gemacht. Deren Chef Birken verwies darauf, dass die ganze Gruppe den CO2-Ausstoß bis 2020 um 56 Prozent gesenkt habe - in dem Bereich, den das Unternehmen selber kontrolliert.

Die Unito-Gruppe habe den CO2-Ausstoß von 2006 bis 2020 um 74 Prozent auf 860 Tonnen gesenkt, sagte Gutschi. Ab heuer werde auf der letzten Meile CO2-frei oder CO2-neutral (also mit Kompensation des CO2-Ausstoßes) zugestellt, wobei mit CO2-frei Transporte per Elektro-Fahrzeugen gemeint sind.

Ein besonderes Vorzeigeprogramm der Gruppe ist das 2005 von Michael Otto gestartete Projekt "Cotton made in Afrika", das "Millionen von Farmern" in der Sahel-Zone ermögliche, ohne künstliche Bewässerung und mit minimalem Pestizideinsatz für den Weltmarkt zu produzieren, so Birken. Auch dass nur Bauern teilnehmen dürfen, deren Kinder, insbesondere Töchter, in die Schule gehen, mache einen großen Unterschied. Allerdings seien die Kunden in Europa nicht bereit, dafür fünf Euro mehr zu zahlen, daher habe das Programm so aufgesetzt werden müssen, dass die Produkte am Weltmarkt konkurrenzfähig sind, vermerkt Birken.

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