Wirtschaft

Kurzarbeit ist für voestalpine das letzte Mittel

Am Standort Kapfenberg, wo voestalpine Teile für die Luftfahrtindustrie fertigt, müssen die Kapazitäten zurückgefahren werden. Bis auf weiteres will man aber ohne Kurzarbeit auskommen.

Die Eintrübung der allgemeinen Konjunktur, aber speziell die Probleme des Flugzeugherstellers Boeing mit seinem Modell 737 Max, bereiten dem Technologiekonzern voestalpine Kopfzerbrechen. Bei voestalpine BÖHLER Aerospace am Standort Kapfenberg reißt der Wegfall eines der größten Kunden ein großes Loch auf. Rund 400 Mill. Euro setzt man in diesem Segment um, 45 Mill. Euro Umsatz entfallen auf die Boeing 737 Max, lange Zeit der Verkaufsschlager des US-Flugzeugbauers. Anfang des Jahres hat Boeing die Produktion gestoppt.

Vorerst versucht voestalpine den Geschäftsrückgang mit einer Reihe von Maßnahmen abzufangen, wie Konzernchef Herbert Eibensteiner vor Journalisten sagte. Nach langen Überlegungen und Diskussionen habe man sich gegen den Einsatz von Kurzarbeit entschieden. Man nütze alle anderen Möglichkeiten - die reichen von der Verringerung der Zahl der Leiharbeitskräfte über den Abbau von Überstunden und Urlauben bis hin dazu, dass man Abgänge von Mitarbeitern nicht nachbesetzt. Damit sollte man für die kommenden Monate das Auslangen finden, sagte Eibensteiner. Was passiert, wenn der Produktionsstopp der 737 Max länger dauern sollte - Boeing rechnet ab der Jahresmitte mit der Wiederzulassung durch die Behörden - ließ der voestalpine-Chef offen. Auch wenn man nächstes Jahr bei den Investitionen etwas bremsen will, werde in Kapfenberg weiter produziert, man habe einige neue Ideen.

Sorgen bereitet Eibensteiner die Stimmung in der Weltwirtschaft, vor allem der starke Hang zum Protektionismus im Welthandel. Man dürfe sich aber nicht der Illusion hingeben, dass sich an der US-Handelspolitik unter einem anderen Präsidenten als Donald Trump viel ändern würde, die Anti-Dumping-Gesetze seien von den Demokraten in der Zeit von Barack Obama gemacht worden. Zudem dürfe man nicht nur auf die USA schauen, sagt Eibensteiner, "die Handelspolitik von China war nie offen und fair".

Beim Klimaschutz wolle voestalpine seinen Beitrag leisten, man sei aber bei der herkömmlichen Produktion von Stahl an der Grenze des Machbaren angelangt, was den Ausstoß von CO2 angehe. Der Linzer Technologiekonzern ist mit einem Anteil von 10 Prozent der größte einzelne Emittent von Kohlendioxid in Österreich. Daher arbeitet man an Alternativen, mit Siemens und dem Verbund betreibt voestalpine in Linz die größte Pilotanlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff, der in der Stahlproduktion eingesetzt werden soll. Dafür sei aber ausreichend Strom aus erneuerbaren Energie zu wirtschaftlichen Preisen nötig. An eine großflächige von Wasserstoff getriebene Stahlproduktion sei aber erst lang nach dem Jahr 2035 zu denken. Zum Regierungsprogramm sagt Eibensteiner, die Ansage, Österreich bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu machen, habe ihn überrascht. Die Politik müsse auch "ein wenig geduldig sein, jede Woche neue Ziele zu verkünden, macht keinen Sinn", sagt Eibensteiner, der seit sieben Monaten an der Spitze des Konzerns steht.

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