Wirtschaft

Lagarde: Inflation geht kommendes Jahr zurück

Europas oberste Währungshüterin Christine Lagarde wirbt angesichts steigender Inflationsraten um Vertrauen in den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Die aktuell vergleichsweise hohen Teuerungsraten machten vielen Menschen Sorgen, sagte die EZB-Präsidentin im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir erwarten aber, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer sein wird. Im nächsten Jahr wird sich das wieder beruhigen."

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) SN/APA/dpa/Boris Roessler
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB)

Schon ab Jänner erwarte die EZB, "dass die Inflationsraten beginnen zu sinken", sagte Lagarde in dem Interview, aus dem die Zeitung am Freitag auszugsweise im Voraus zitierte.

Die Teuerungsraten klettern seit Monaten. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, wurde von der EU-Kommission für Österreich heuer auf 2,7 Prozent prognostiziert. Zum Vergleich: 2020 waren es 1,4 Prozent. Für 2022 wurde in der Prognose vom 11. November ein minimaler Rückgang auf 2,5 Prozent gesehen und 2023 auf 2,0 Prozent.

Im Euroraum lag die Inflationsrate im vergangenen Monat Oktober bei 4,1 Prozent. Das ist mehr als das doppelte des von der EZB mittelfristig angestrebten Ziel von 2 Prozent.

Die EZB erklärt den sprunghaften Anstieg vor allem mit Sonderfaktoren, die sich im nächsten Jahr abschwächen sollten: etwa die Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock und Lieferengpässe infolge gestiegener Nachfrage. Zudem schlage derzeit die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland durch.

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft, Verbraucher können sich für einen Euro dann weniger kaufen als zuvor. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldpolitik die Inflation noch anzuheizen, weil die Notenbank über Anleihenkäufe Milliardensummen in die Märkte pumpt. Zudem hält die EZB die Zinsen seit Jahren auf einem Rekordtief.

"Wenn wir erkennen, dass die Inflation auf mittlere Sicht, dauerhaft und nachhaltig unser Ziel von zwei Prozent erreicht, also nicht nur für eine kurze Zeit, dann können auch die Zinsen wieder steigen", sagte Lagarde. Derzeit hält die EZB-Präsidentin eine Diskussion um höhere Zinsen für unangebracht. "Wenn wir jetzt die Geldpolitik straffen würden, hätten wir voraussichtlich in 18 Monaten einen Effekt", sagte Lagarde der Zeitung. "So lang ist die Zeitverzögerung, bis unsere geldpolitischen Maßnahmen wirken. Bis dahin aber würde nach unseren Prognosen die Inflation schon längst wieder gesunken sein. Wir würden Arbeitslosigkeit und hohe Anpassungskosten verursachen, und hätten dennoch nicht die aktuell hohe Inflation bekämpft."

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