Österreich

Leitl gegen "Billigjobs" für Flüchtlinge

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hat beim Sozialpartner-Dialog in Bad Ischl verlangt, Flüchtlinge arbeiten zu lassen, wo es Bedarf gibt - von der Gastronomie bis zu Erntehelfern. Er distanzierte sich von ÖVP-Überlegungen, Ein-Euro-Jobs für Asylwerber zu schaffen. Die Flüchtlingsbeschäftigung müsse ins Kollektivvertragssystem eingebaut werden: "Wir wollen in Österreich keine Billigjobs."

Leitl gegen "Billigjobs" für Flüchtlinge SN/APA (dpa)/Boris Roessler
Arbeitsmarktintegration könnte verbessert werden.

Neuerlich kam auch der Vorschlag, indirekt EU-Staaten zu bestrafen, die sich nicht entsprechend in der Flüchtlingsaufnahme engagierten. Die sollten bei den Mitteln aus dem Kohäsionsfonds entsprechend weniger bedacht werden, findet Leitl.

Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bedankte sich in seinem Statement für die Vorschläge der Sozialpartner, ohne auf sie im Detail einzugehen. Klar macht er, dass die Integration rasch vorangetrieben werden müsse. Daher sollte auch nach sechs Monaten der Asylstatus feststehen.

Dass man beim "Dialog" noch mehr vorgehabt hätte, wurde in den offiziellen Beiträgen wohlweislich nicht erwähnt. Denn Ziel wäre eigentlich gewesen, auch noch eine Verständigung über Subventionen für Unternehmer, die Flüchtlinge einstellen, zu finden. Dies scheiterte dem Vernehmen nach an Details über die Höhe der Zuwendungen und daran, dass man sich bei einem vom Migrationsthema unabhängigen Punkt, der Angleichung der Entgeltfortzahlung von Arbeitern an die der Angestellten, nicht rechtzeitig verständigen konnte.

Österreichs Unternehmen wünschen sich indes einer Umfrage zufolge eine bessere Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen bzw. Migranten. Auch befürworten sieben von zehn Firmen eine gesteuerte Zuwanderung zum Ausgleich des Fachkräftemangels, so das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY (früher Ernst & Young) auf Basis einer Befragung von 900 Mittelstandsunternehmen am Donnerstag in einer Aussendung.

Demnach befürworten 68 Prozent der Mittelsändler ein Verbesserungspotenzial bei Integrationsmaßnahmen, 42 Prozent sogar in "erheblichem Ausmaß". Keine einzige Firma beurteilte die Integration, so wie sie läuft, als "sehr gut", nur jedes hundertste als "eher gut".

83 Prozent sind dafür, asylberechtigte Flüchtlinge so rasch wie möglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Jeder Sechste ist hier "eher" dagegen. "Für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration braucht es dringend gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft", fordert darob EY-Partner Helmut Maukner. 82 Prozent der Firmen würden Flüchtlinge mit Arbeitsberechtigung beschäftigen. Hochgerechnet seien das mehr als 32.500 mittelständische Unternehmen.

Quelle: APA

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