Wirtschaft

Letzte Hoffnung für Niki

Tausend Mitarbeiter der Airline Niki bangen um ihre Arbeitsplätze. Für Fluggäste gibt es eine gute Chance, dass sie ihr Geld wiedersehen.

Die Mitarbeiter von Niki hängen in der Luft.  SN/apa
Die Mitarbeiter von Niki hängen in der Luft.

Bei der Fluggesellschaft Niki überschlagen sich die Ereignisse. Die AUA-Mutter Lufthansa, die Niki zusammen mit großen Teilen ihres früheren Konkurrenten Air Berlin und deren Tochter LG Walter übernehmen wollte, zog am Mittwoch ihr Kaufangebot zurück und stellte ihre Unterstützungszahlungen ein.

Mangels anderer Geldquellen musste Niki daraufhin die Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit) anmelden, daran geknüpft ist die sofortige Einstellung des Flugbetriebs ("Grounding"). Seither gibt es jede Menge Fragen, aber bisher kaum abschließende Antworten. Wir machen trotzdem einen Versuch - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wie geht es mit Niki jetzt weiter, wer ist jetzt am Zug?

"Herr des Verfahrens" ist seit Donnerstag der auf Insolvenzverwaltung spezialisierte Berliner Anwalt Lucas Flöther. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, bei dem am Mittwochabend auch der Insolvenzantrag eingebracht wurde, hat ihn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Flöther wickelt auch die Insolvenz der Niki-Mutter Air Berlin ab, ihm obliegt die weitere Vorgangsweise. Laut deutschem Insolvenzrecht ist die Fluglizenz (AOC für Air Operator Certificate) noch etwa eine Woche nach Anmelden der Insolvenz gültig. Flöther versucht daher zunächst, über einen Schnellverkauf ("fire sale") den Flugbetrieb zumindest teilweise fortsetzen zu können. Es liefen diverse Verhandlungen. Außer Niki Lauda hat auch Thomas Cook/Condor Interesse bekundet.

Gibt es eine Überlebenschance für Niki? Wie hoch ist sie?

Es gibt tatsächlich die Chance auf ein Leben nach der Insolvenz. Voraussetzung dafür ist zunächst, dass sich schnell ein Käufer findet, der idealerweise auch bereit ist, die Kosten für den Niki-Flugbetrieb (rund 10 Mill. Euro pro Woche) zu übernehmen. Vorübergehend könnte auch die Republik Österreich mit einem Überbrückungskredit einspringen, wie das die deutsche Regierung nach der Insolvenz von Air Berlin Mitte August machte. Das ist allerdings juristisch anspruchsvoll, weil Staatshilfen laut EU-Regeln nur unter bestimmten Auflagen möglich sind, wenn sie den Wettbewerb nicht verzerren. Diese Variante werde gerade geprüft, sagte der scheidende Verkehrsminister Jörg Leichtfried.


Wer ist schuld an der überraschend erklärten Insolvenz?

Parallel zur laufenden Entwicklung begann das, was die Engländer als "blame game" bezeichnen, gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Lufthansa schob der EU-Kommission den schwarzen Peter zu, die signalisiert hatte, sie würde sich gegen eine komplette Übernahme von Air Berlin plus Niki querlegen. Die Kommission schoss zurück, es wäre noch Zeit gewesen. Andere kritisieren den eingesetzten Generalbevollmächtigten bei Air Berlin, Frank Kebekus, dafür, dass er dem höchsten Angebot den Zuschlag erteilt hatte. Zusammenfassend lässt sich sagen: Es ist eine Frage der Sichtweise. Zudem sind die Dinge durchaus noch im Fluss, für endgültige Beurteilungen ist es noch zu früh.

Wie groß ist die Chance, dass Niki Lauda zum Zug kommt?

Es dürfte zumindest eine intakte Chance geben. Lauda, der zusammen mit Thomas Cook/Condor beim ersten Mal nicht zum Zug gekommen war, hat erneut Interesse an Niki angemeldet. Aktuell ist nicht einschätzbar, wie viele Angebote in welcher Qualität zeitgerecht einlangen werden. Die Bewertung allfälliger Angebote obliegt Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Was passiert jetzt mit den rund 1000 Mitarbeitern von Niki?

Sie hängen buchstäblich in der Luft und stehen vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze. 210 sind in Deutschland beschäftigt, rund 790 in Österreich. Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag habe sich die Crew "emotional sehr betroffen und wütend auf das Management" (vor allem der Mutter Air Berlin, Anm.) gezeigt, sagt Betriebsratschef Stefan Tankovits.

Er rät aber trotzdem zu Besonnenheit und Geduld - das heißt konkret, noch nicht die Flinte ins Korn zu werfen und zu kündigen, sondern noch zuzuwarten. Es gebe zumindest noch einige Tage Hoffnung auf einen Schnellverkauf. Zudem breitet auch Mitbewerber AUA die Arme für Niki-Mitarbeiter aus. Interessenten könnten mit einem beschleunigten Aufnahmeverfahren rechnen, erklärte AUA-Vorstandschef Kay Kratky. Auch die AUA-Konzernschwester Eurowings hat Interesse an neuen Mitarbeitern, in Österreich suche man noch Personal für Wien und Salzburg. Formal gelten Dienstrechte und Kündigungsfristen auch im Insolvenzfall weiter.

Was geschieht mit Passagieren, die Flüge gebucht haben?

Wer über einen Reiseveranstalter verreist, kann darauf zählen, dass dieser sich um Umbuchungen auf andere Flüge kümmert. Dafür sollten sich Reisende an ihren Veranstalter wenden. Der Anbieter Thomas Cook/Condor etwa hat das kurzfristig bereits gemacht, ab Samstag stünden zudem sieben Condor-Flieger zusätzlich im Chartereinsatz. Wer selbst online gebucht hat, muss sich selbst um einen Ersatz kümmern. Dafür schaut es jetzt überraschend gut aus. Auch "fast alle" der direkt online gebuchten Tickets könnten mit einer Rückerstattung des Kaufpreises rechnen, sofern die Tickets nach dem Air-Berlin-Insolvenzantrag Mitte August erworben wurden, teilte Masseverwalter Lucas Flöther mit.

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