Österreich

Lieber mehr bauen als sparen

Trotz niedriger Zinsen bleibt das Bausparen in Österreich die zweitbeliebteste Anlageform. Die Bausparkassen würden gern mehr Wohnraum finanzieren, den Menschen sich leisten können.

Es wird zwar gebaut – aber zu wenig und vor allem zu teuer für viele Wohnungssuchende.  SN/robert ratzer
Es wird zwar gebaut – aber zu wenig und vor allem zu teuer für viele Wohnungssuchende.

Die Kritik von Konsumentenschützern, dass das Bausparen nur mehr magere Erträge abwerfe, kann Susanne Riess nicht nachvollziehen. Sie finde es eigenartig, dass gerade die sicherste Sparform ins Visier genommen wird. Zudem liege die Ursache für die mageren Zinsen anderswo, nämlich bei der Europäischen Zentralbank und deren Nie drigzinspolitik, sagt die Generaldirektorin der Bausparkasse Wüstenrot und Sprecherin des Arbeitsforums der vier Kassen in Österreich.

Der Sinn des Bausparens sei auch nicht, Geld zu möglichst hohen Zinsen anzulegen, sagt Riess auch zur Debatte um hoch verzinste Altverträge, bei denen man Kunden angeboten habe, sich ihr Guthaben auszahlen zu lassen oder eine marktübliche Verzinsung zu akzeptieren. "Das Thema ist bei uns bis auf zwei Einzelfälle abgehakt", sagt Riess.

Es gehe beim Bausparen vor allem um günstiges Finanzieren von Wohnraum, sagt Riess, dieser Aufgabe kämen die Bausparkassen auch in der Niedrigzinsphase nach. Die Finanzierungsleistung aller vier Kassen stieg 2016 um 7,5 Prozent auf 2,88 Mrd. Euro. Dagegen sank die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge um sieben Prozent auf 773.629. Die Einlagen blieben mit 20,4 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau, die Ausleihungen gingen leicht auf 18,6 Mrd. Euro zurück.

Mehr bauen statt sparen - so ließe sich auch die Forderung des Vorstandschefs der sBausparkasse, Josef Schmidinger, verstehen. Es fehle weiter an Wohnraum, der für junge und einkommensschwache Menschen erschwinglich sei, vor allem in Ballungszentren. Konkret gehe es um Wohnungen mit 65 bis 70 m2 und einer Miete von 500 bis 600 Euro pro Monat. Frei finanzierte Wohnungen in dieser Preislage gebe es nicht, dafür seien die Grundpreise zu hoch. Daher gehe es nicht ohne Unterstützung der öffentlichen Hand, die Grundstücke bereitstellen müsse, auf denen dann günstiger gebaut werden könne.

Manfred Url von der Raiffeisen Bausparkasse findet es auch bedauerlich, dass die Wohnbauförderung seit Jahren kontinuierlich sinke. An der günstigen Finanzierung scheitere die Errichtung von Wohnraum jedenfalls nicht, sagt Url. Schmidinger sieht eine weitere Hürde in den langen Genehmigungsverfahren. Es sei ihm klar, dass es zwischen der Errichtung neuer Wohnhäuser und anderen Interessen, etwa des Umweltschutzes, ein Spannungsfeld gibt. Um die Entscheidung, "ob wir Naturschutzreservate oder Wohnungen wollen", komme man aber nicht herum, sagt der sBau-Chef.

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