Österreich

Linz/BAWAG-Prozess fortgesetzt

Der Streit zwischen der Stadt Linz und der BAWAG P.S.K. ist am Donnerstag im Handelsgericht Wien fortgeführt worden.

Linz/BAWAG-Prozess fortgesetzt SN/APA (Archiv)/MFR
Der Prozess geht weiter (Symbolbild).

Der ehemalige Linzer Finanzdirektor Werner Penn hat sich im Herbst 2008 nicht von der Pleite des US-Investmenthauses Lehman Brothers und der darauffolgenden Finanzkrise beeindrucken lassen und wollte den Swap 4175 nicht verändern. "Er hat sich entschieden auf dem Produkt draufzubleiben", sagte Christoph S., der Mitte 2008 zur BAWAG P.S.K wechselte und im Jahr 2007 als Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA)-Mitarbeiter der Stadt Linz einen gleich strukturierten Swap angeboten hatte.

Am 4. November 2008 gab es ein Gespräch zwischen Penn, dem damaligen BAWAG-Landesdirektor für Oberösterreich, Herbert Auer, und einem weiteren BAWAG-Mitarbeiter. Damals lag die Bewertung des Swaps bereits bei minus 69,8 Mio. Euro. "Im derzeit hoch volatilen Marktumfeld ist eine Restrukturierung nur mit großem Aufwand darzustellen, dies wird von Linz abgelehnt", heißt es im Gesprächsprotokoll der BAWAG vom damaligen Treffen im Linzer Magistrat. Penn sei damals über die aktuelle Bewertung der Finanzstruktur informiert worden.

"Unser Kunde erwartet deckungsgleich mit der Analyse unserer volkswirtschaftlichen Abteilung ins absehbarer Zeit wieder höhere EURCHF-Kurse und sieht daher keinen unmittelbaren Handlungsbedarf", heißt es im BAWAG-Protokoll. Bei einer Beruhigung der Finanzmärkte seien Restrukturierungsvorschläge willkommen.

Laut dem BAWAG-Protokoll habe Penn betont, dass die Stadt Linz als professioneller Marktteilnehmer eingestuft sei und sich der Risiken der Struktur voll bewusst sei.

"Passte das Produkt damals noch zum Marktrisiko, ja oder nein?", fragten die Linzer Anwälte den BAWAG-Mitarbeiter S. Man habe Penn Handlungsoptionen angeboten, etwa die Absicherung von drei Fälligkeitsterminen. Dies hätte aber Zusatzkosten für die Stadt Linz verursacht. S. war damals nicht beim Treffen mit Penn Anfang November 2008 anwesend, aber bis Mitte 2009 eingebunden in Optimierungsvorschläge der BAWAG für den Swap 4175.

Eine lebhafte Diskussion gab es dann zwischen den Linzer- und BAWAG-Anwälten sowie Richter Andreas Pablik um eine Aussageverweigerung von S. Er hatte als BA-CA-Mitarbeiter im Februar 2007 der Stadt Linz auf Anfrage von Penn mit der gleichen Struktur, aber deutlich höheren Zinsen angeboten.

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.10.2018 um 02:40 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/linz-bawag-prozess-fortgesetzt-4407709

Schlagzeilen