Wirtschaft

Lohnrunde gescheitert: Metaller werden ab Montag streiken

Nach dem Scheitern der Metaller-KV-Verhandlungen kommt es ab Montag zu Warnstreiks in Betrieben der Metalltechnischen Industrie. Die Arbeitgebervertreter überlegen nun, ihren Betrieben "freiwillige Lohn-/Gehaltserhöhungen zu empfehlen". Das sieht die Gewerkschaft als Versuch, "die Belegschaft zu spalten", sagte GPA-djp-Chef Karl Dürtscher zur APA. "Das lassen wir uns nicht gefallen."

Arbeiter während einer Betriebsversammlung der Aufzugsmonteure am Dienstag 6. November 2018, in Wien.  SN/APA/ROBERT JAEGER
Arbeiter während einer Betriebsversammlung der Aufzugsmonteure am Dienstag 6. November 2018, in Wien.

Es wird versucht, die Arbeitnehmer mit einem Prozentsatz abzuspeisen, der den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht entspricht." Dürtscher spielte damit auf ein ähnliches Vorgehen beim Eisenbahner-KV an, das für die Gewerkschaften nicht akzeptabel sei. Man werde zeigen, dass die Beschäftigten hinter dem Vorgehen der Gewerkschaft stünden und es der Gewerkschaft nicht um den Selbstzweck gehe.

PRO-GE-Chef Rainer Wimmer (re.) und GPA-djp-Chef Karl Dürtscher. SN/APA/ROBERT JAEGER
PRO-GE-Chef Rainer Wimmer (re.) und GPA-djp-Chef Karl Dürtscher.

Ansonsten ließ der Gewerkschafter auch kein gutes Haar am Vorgehen der Arbeitgeberverhandler bei den KV-Verhandlungen in der Metalltechnischen Industrie (FMMI). Gestern sei es zuerst einen Schritt nach vorne, dann aber zwei, drei Schritte zurückgegangen. Zuerst habe es Zusagen zu rahmenrechtlichen Forderungen der Gewerkschaft gegeben. "Plötzlich hat es geheißen, diese können nicht gehalten werden. Das ist eine absolut unübliche Vorgehensweise, eigentlich eine Frechheit", sagte Dürtscher.

Es stimme auch nicht, dass die Arbeitgeber mehr als 3 Prozent geboten hätten. Der GPA-djp-Mann griff heute auch einmal mehr den Sprecher der Arbeitgeber, Christian Knill, an. Dieser sitze selbst nicht am Verhandlungstisch, "und behauptet dann Angebote, die es so nicht gegeben hat".

Knill, Obmann der Metalltechnischen Industrie, wehrte sich am Vormittag gegen die "Unterstellungen der Gewerkschaft". "Mir Unwahrheiten vorzuwerfen ist schlechter Stil und inakzeptabel", hieß es in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. "Das ist eine aggressive Sprachkultur die spaltet, anstatt dass sie zusammenführt." Er erinnerte, dass das Angebot der Arbeitgeber 2,7 Prozent mehr Lohn und Gehalt betragen habe. Dazu seien Verbesserungen im Rahmenrecht gekommen. "Damit kommt man auf ein Angebot, das mehr als 3 Prozent wert ist."

Christian Knill, der Obmann der Metalltechnischen Industrie. SN/APA/ROBERT JAEGER
Christian Knill, der Obmann der Metalltechnischen Industrie.

Die Arbeitgeberseite habe auch nicht ein Gesamtpaket umgeworfen, sondern bei einem einzigen Punkt im Rahmenrecht noch Diskussionsbedarf gesehen, so Knill weiters in Richtung Dürtscher. "Das alles klärt man aber am Verhandlungstisch und nicht via Medien."

Beide Seiten gehen trotzdem davon aus, dass man sich schon wieder zusammensetzen werde. Der erste Schritt liegt aus Sicht der Arbeitgeber nun aber bei den Arbeitnehmern, um einen neuen Termin zu finden. "Sollten die Gewerkschaften nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren (...), denkt der Fachverband daran, den Mitgliedsbetrieben in den nächsten Tagen zu empfehlen, freiwillige Erhöhungen der Löhne und Gehälter in Höhe von 2,7 Prozent rückwirkend per 1.11. durchzuführen", teilte die Arbeitgeberseite in der Nacht mit. Ein ähnliches Vorgehen gab es zuletzt rund um den Eisenbahner-KV und rief massive Kritik der dortigen Gewerkschaft vida hervor.

Während der Warnstreiks werde sich zeigen, wie lange diese dauern. Die Streiks dürften zumindest bis Mittwoch laufen und so die KV-Gespräche in kleineren Metallerbranchen begleiten, die für Montag, Dienstag und Mittwoch angesetzt sind. Auch dort werde der Druck erhöht, kündigte Wimmer nach Abbruch der Verhandlungen an. In der Metalltechnischen Industrie arbeiten gut 130.000 Menschen, in den fünf weiteren, viel kleineren Metallerbranchen sind es noch einmal rund 60.000.

Die Industriellenvereinigung rief die Gewerkschaft unterdessen auf, zu "mehr Sachlichkeit zurückzukehren". Die Tages- und Parteipolitik gehöre aus den KV-Verhandlungen draußen gelassen, appellierte Generalsekretär Christoph Neumayer. Es handle sich nicht um politisches Vorgehen, hatte zuvor die Gewerkschaft betont.

Quelle: APA

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