Österreich

Mahrer fordert mehr Mut zum "sozialen Gründen"

Geld verdienen mit Sinn liegt im Trend: "Wie kann ich mit einem betriebswirtschaftlichen Ansatz ein soziales Problem lösen?", ist die zentrale Frage, die sich Social Entrepreneurs stellen, sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) zur APA. Rund 2.000 Social Businesses gibt es derzeit in Österreich, laut einer WU-Studie dürfte sich deren Anzahl bis 2025 vervierfachen.

Mahrer fordert mehr Mut zum "sozialen Gründen" SN/APA (Neubauer)/HERBERT NEUBAUER
Staatssekretär Mahrer erwartet großes Wachstum.

"Ich glaube aber, dass wir hier ein viel größeres Wachstum haben werden", sagte Mahrer. In den nächsten Jahren werde sich in diesem Bereich viel tun: Der Start-up-Bereich, Spin-offs von Universitäten und Social Businesses "bilden die Speerspitze der Veränderung" in Österreich.

Für Social Entrepreneure gebe es da noch reichlich Luft nach oben, es tun sich verschiedenste Bereiche auf, "wo sich junge Entrepreneure extrem einbringen können". Vor allem die Digitalisierung, ambitionierte Klimaziele, die Migrationsfrage und Armutsbekämpfung würden einen riesigen Markt darstellen.

Die Digitalisierung biete besonders im Bildungsbereich große Chancen: "Der weltweite Markt für digital unterstütztes Lernen wird sich bis 2020 auf 450 Mrd. US-Dollar vervierfachen", so Mahrer. Da könnten Entrepreneure ansetzen. Europaweit gebe es auch viel Engagement von sozialen Unternehmen im Migrations- und Asylbereich zu beobachten. In Österreich brauche es aber noch mehr Mut zum sozialen Gründen.

Man müsse hierzulande das Know-how, beispielsweise in Bezug auf Gründung oder Finanzierung, stärken sowie den Wissenstransfer fördern. Wichtig für Social Businesses sei es auch, sich international zu vernetzen. Internationalität sei enorm wichtig, um Verbündete zu finden. Noch heuer soll eine Studie präsentiert werden, die unter anderem die Frage behandelt, ob Social Businesses eine eigene Rechtsform brauchen. In Großbritannien beispielsweise gibt es mit den Community Interest Companies einen institutionellen Rahmen für Social Businesses.

Gründer von Social Businesses sind "Personen, die daran interessiert sind, ein soziales oder ökologisches Problem zu lösen, und zwar nicht durch die traditionelle Methode als Bittsteller und Angewiesenheit auf Spenden, sondern als selbsterhaltende Organisation, die die Probleme an den Wurzeln packt und durch innovative Lösungsansätze löst, anstatt lediglich Symptome zu bekämpfen", führte Franziska Graf vom Social Entrepreneurship Forum (SEF) gegenüber der APA aus.

Maßgeblich für ein Social Business sei auch die finanzielle Nachhaltigkeit, also dass sich eine Organisation durch ihre Tätigkeiten langfristig selbst erhalten und finanzieren kann. "Social Entrepreneurs wollen auch oft nicht in der profitorientierten Welt wirtschaften, sondern die Wirtschaft wirkungsvoller, effizienter und fairer für die ganze Gesellschaft gestalten."

Die Branchen, in denen die meisten Social Businesses tätig sind, sind laut SEF Bildung, regionale bzw. lokale Entwicklungsprojekte, Arbeits(re)integrationsprojekte, Projekte in Entwicklungsländern sowie Umweltschutz.

Heimische Paradebeispiele sind laut SEF das Wiener Unternehmen Helioz mit dem Gerät Wadi, das anzeigt, ob ursprünglich verunreinigtes Wasser dank UV-Strahlung wieder getrunken werden kann oder die Plattform talentify.me, wo ältere Schüler mit jenen zusammengeführt werden, die Nachhilfe brauchen, sich diese aber nicht leisten können. Die Plattform More Than One Perspective führt Unternehmen und geflüchtete Akademiker am Arbeitsmarkt zusammen.

Mahrer streicht als internationales Vorzeigeprojekt die niederländische Ocean Cleanup Foundation (OCF) hervor, die Plastik aus den Meeren entfernt.

Quelle: APA

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