Wirtschaft

Mahrer für Impfanreize statt "Zwangshammer"

Im SN-Video-Interview fordert der Präsident der Wirtschaftskammer eine rasche Entscheidung.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer stellte sich im Rahmen von „Live & Direkt“ den Fragen von SN-Chefredakteur Manfred Perterer. SN/christian sprenger
Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer stellte sich im Rahmen von „Live & Direkt“ den Fragen von SN-Chefredakteur Manfred Perterer.

Eine möglichst hohe Impfquote sei das Ziel. Es führten aber "unterschiedliche Wege nach Rom. Es gibt den eher zwangsorientierten und den stärker anreizorientierten Ansatz. Wir sind in der Wirtschaft eher freiheitsorientierte Menschen und wir sagen deshalb, es soll eher anreizorientiert funktionieren", sagt der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Harald Mahrer. Im SN-Video-Interview (www.sn.at/video) schlägt Mahrer vor, Jugendlichen einen "Impf-Hunderter" zu geben, in Form von Gutscheinen für die Nachtgastronomie, Kinos oder Veranstaltungen. Er verstehe bereits geimpfte Menschen, die einwenden, sie hätten nichts dafür bekommen. "Aber es ist ein Ziel von uns allen, die Impfquote hinaufzubringen. Da müssen wir über unseren Schatten springen." Österreich müsse noch mehr Anreize zum Impfen schaffen, bevor "man den Zwangshammer auspackt".

Die Einführung von "unter Anführungszeichen Zwangsmaßnahmen" bedürfe eines breiteren Konsenses in der Bevölkerung. Man müsse die Debatte über diese Güterabwägung führen und eine sinnvolle Ausgewogenheit erreichen, bei der man den Menschen auch bestimmte Entscheidungsfreiheiten lasse. Man müsse jetzt auf die Zielgruppen schauen. Und das seien vor allem die jungen Menschen. Man müsse auf jeden Fall zügig zu einer Entscheidung kommen, damit die Menschen wüssten, wie es in den nächsten Wochen weitergehe. Eines sei klar: "Wir können uns nicht mehr Lockdowns leisten."

Eine Impfpflicht in gesundheitsrelevanten Branchen wie Krankenhäusern oder Seniorenheimen hält Mahrer für möglich und "nicht außergewöhnlich". Das auf andere Branchen auszudehnen sei nur gemeinsam mit den Sozialpartnern möglich. Dass einzelne Unternehmen von ihren Mitarbeitern eine Impfung verlangten, müsse man im Einzelfall betrachten. Es gehe vor allem darum, ob das Unternehmen in seinem Bestand und in seiner Funktionsfähigkeit bedroht sei. Da komme es auch darauf an, welche Rolle das Unternehmen für die Gesellschaft habe, etwa in der Energieversorgung oder im Handel.

Zum Thema Arbeitskräftemangel sagt Mahrer, die Situation sei in der Hochkonjunktur 2019 schon ähnlich gewesen. "Corona hat das jetzt übertüncht." Jetzt sei das Problem gewachsen, weil sich viele Menschen von einer Branche in eine andere bewegen würden.

Davon sei vor allem der Tourismus betroffen. Dort seien die Mitarbeiter in Kurzarbeit um die wichtigen Trinkgelder umgefallen und hätten sich zum Teil neue Jobs gesucht. Im Gewerbe arbeite die Wirtschaft jetzt mit neuen Lehrlingsoffensiven gegen den Facharbeitermangel. Ein großes Problem in Österreich sei die fehlende Mobilität vieler Menschen. Es sei ganz schwer, Leute aus dem Osten in den Westen zu bewegen.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 28.11.2021 um 04:52 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/mahrer-fuer-impfanreize-statt-zwangshammer-108425308

Kommentare

Schlagzeilen