Wirtschaft

Mehr Männer, gleich viele Frauen: Chefinnen bleiben die Ausnahme

Nur 14 Frauen sitzen im Vorstand von heimischen Börsenunternehmen, ihr Anteil stagniert. In den Aufsichtsräten steigt der Frauenanteil indes langsam. Ausschlaggebend dafür war die Einführung einer Quote.

Geschlechter-Missverhältnis an der Spitze der Unternehmen. SN/stockadobe/berlinstock
Geschlechter-Missverhältnis an der Spitze der Unternehmen.

Die Frauen, die an der Spitze eines börsenotierten Unternehmens stehen, kann man in Österreich an einer Hand abzählen. Es sind genau drei: Herta Stockbauer bei der BKS Bank, Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler und Elisabeth Stadler bei der Vienna Insurance Group. Sechs Frauen sind Finanzvorstände. Von 191 Vorständen in Österreichs börsennotierten Unternehmen sind aktuell nur 14 Frauen, geht aus dem "Mixed Leadership Barometer" des Beratungsunternehmens EY hervor. Die Zahl der Frauen ist somit im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Die Zahl der männlichen Vorstände ist indes gestiegen: Neun zusätzliche Männer wurden in die Chefetagen aufgenommen. Im Vergleich zum Jahresbeginn gab es mit Stichtag 1. August 2020 in den Vorstandsrängen somit sogar einen leichten prozentuellen Rückgang der Frauen von 7,7 auf 7,3 Prozent. Nach wie vor ist in 45 von 58 österreichischen börsennotierten Unternehmen keine einzige Frau im Vorstand vertreten.

"Bis es 50 Prozent sind, dauert es bis zum Jahr 2073"

Die meisten Frauen sind momentan in den Chefetagen in der Konsumgüterbranche anzutreffen, wo ihr Anteil bei 19 Prozent liegt. An zweiter Stelle folgt die IT-Branche (12,5%) und an dritter Stelle die Finanzbranche (7,7%). Keine einzige Vorständin gibt es in fünf Branchen: Automobil, Immobilien, Rohstoffe, Telekommunikation und Transport.

Das eindeutige Missverhältnis zeige, dass der Aufstieg für Frauen in die Vorstandsetagen weiterhin sehr schwierig ist und die Unterstützung von Politik, Unternehmen und auch vom persönlichen Umfeld teilweise fehlt, kommentiert Helen Pelzmann, Partnerin (EY Law) und Verantwortliche für die Initiative "Women. Fast Forward" bei EY Österreich, die Ergebnisse. "Wenn die Zahl der Frauen weiter im Tempo der letzten Jahre von unter einem Prozentpunkt steigt, wird es bis zum Jahr 2073 dauern, bis in den Vorstandsgremien 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer sitzen".

Die Quote bringt mehr Frauen in die Aufsichtsräte

Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien steigt indes: Seit Jahresbeginn ist damit in den Aufsichtsräten der österreichischen Unternehmen im Wiener Börse Index (WBI) insgesamt die Anzahl der Frauen von 26,2 auf 27,2 Prozent gestiegen. In den Aufsichtsgremien sind damit 145 Frauen (27,2%) und 389 Männer (72,8%) vertreten.

Der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder ist damit bereits das siebente Halbjahr in Folge gestiegen. Die meisten Aufsichtsrätinnen gibt es in der Energiebranche (35,5 Prozent), gefolgt von der Finanz- (33,1 Prozent), Transport- (29,6 Prozent) und Telekommunikationsbranche (26,7 Prozent).

Seitdem mit 1. Jänner 2018 die gesetzliche Genderquote von 30 Prozent in Kraft getreten ist, erhöhte sich der Frauenanteil in den Kontrollgremien deutlich von 18,8 auf 27,2 Prozent. In 66 Prozent der gelisteten österreichischen Unternehmen sind inzwischen mindestens zwei Aufsichtsräte Frauen, bei 81 Prozent gibt es zumindest ein weibliches Gremiumsmitglied. Doch auch hier gibt es noch Aufholbedarf: Fast jedes vierte verpflichtete österreichische Unternehmen erfüllt die Quote im Aufsichtsrat noch nicht.

Warum der Verzicht auf Frauen auch Männer betrifft

Warum dauert es so lange? Unternehmen würden zwar die Notwendigkeit von vielfältig zusammengestellten Teams erkennen, diesen Veränderungsprozess in den obersten Leitungsfunktionen aber scheuen, sagt Pelzmann. "Sie verkennen so auch die hohe Symbolkraft weiblicher Führungskräfte. Dies gilt nicht nur in Hinblick auf junge weibliche Nachwuchskräfte, sondern für die junge Generation insgesamt, der Diversität sehr wichtig ist. Keine Frauen in den Vorstandsetagen sind ein starkes Indiz, dass es sehr wohl Aufstiegshindernisse gibt und Tradition anstatt Wandel, Aufbruch und Fortschritt gelebt wird." Sie befürchtet zudem, dass die zarten Entwicklungen der letzten Jahre durch die Coronakrise zunichte gemacht werden.

Quelle: SN-Bu

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