Wirtschaft

Mehr "schlechte" als "gute" Inflation in Österreich

Die Inflation: Marktwirtschaftlich geht es nicht ohne sie und freilich auch nicht mit zu viel von ihr. Die Teuerung teilt sich für Ökonomen auch in eine "gute" und eine "schlechte" auf, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erläutert. Und zuletzt war der "schlechte" Anteil an der Inflation in Österreich höher als der "gute". Als "schlecht" gilt der Preisdruck durch weltweite Liefer- und Produktionsprobleme, "gut" ist jener aus positiven Impulsen der Weltkonjunktur.

Dem Verbraucher ist der Grund der Inflation wohl eher egal SN/APA/THEMENBILD/HARALD SCHNEIDER
Dem Verbraucher ist der Grund der Inflation wohl eher egal

"Die Bezeichnung der 'guten' Inflation beschreibt die Teuerung aus einem Konjunkturaufschwung, bei dem die Preise mitsteigen", erläuterte Wifo-Wissenschafter Stefan Schiman im Gespräch mit der APA. Das Gegenteil, also die "schlechte" Teuerung, resultiert hingegen aus Rohstoffpreissteigerungen wegen einer Verknappung etwa wegen Lieferschwierigkeiten - "und das bremst die Konjunktur", so Schiman.

Wegen der Coronakrise und der einhergehenden globalen Entwicklungen ist die Inflation in Österreich und der Eurozone starken Schwankungen ausgesetzt. Es wirken nachfrageseitige und angebotsseitige Effekte. Ist der Preisauftrieb nachfragebestimmt, folgt er einem Konjunkturaufschwung ("gute" Inflation). Ist er angebotsbestimmt, können zum Beispiel Lieferschwierigkeiten die Ursache sein - also eine Belastung für die Konjunktur ("schlechte" Inflation), so der Wifo-Ökonom in seiner Analyse.

In den vergangenen eineinhalb Jahren prägten globale Nachfrage- und Angebotsschocks die Inflation in Österreich und im Euroraum. Vom Ausbruch der COVID-19-Krise im Jänner 2020 bis zu ihrem vorläufigen Höhepunkt im Mai 2020 verstärkten sich die negativen nachfrageseitigen Impulse kontinuierlich: Sie schwächten die Teuerung ab. Zugleich kam es aber auch zu angebotsseitigen Verwerfungen, die der Dämpfung entgegenwirkte - etwa die Unterbrechung internationaler Lieferketten. Nur kurz, im März 2020, ließ der angebotsseitige Preisdruck kurzfristig nach, als die OPEC die Rohölförderung im Zuge eines Ölpreisstreits vorübergehend stark ausweitete.

Rasch kam es auch wieder zu einer Konjunkturerholung. Diese wirkte laut Wifo in der Eurozone ab Mai und in Österreich ab Juni 2020 preistreibend. Im zweiten Halbjahr 2020 wirkte aber auch eine günstige Angebotssituation, die die Inflation abschwächte. Erst seit heuer wirken sowohl nachfrageseitige Impulse wie etwa die sich weiter verbessernde Weltkonjunktur als auch angebotsseitige Schocks wie Lieferengpässe preistreibend.

In Österreich stagniert der nachfrageseitige Preisdruck seit Mai 2021 auf hohem Niveau - anders als im Euroraum, wo er über den Sommer weiter zugenommen hat. Aber auch der angebotsseitige Preisdruck hat sich in den vergangenen Monaten verschärft: In Österreich hatte er im August 2021 bereits stärkere Effekte auf die Inflation als globale Nachfrageimpulse, so das Wifo. Im September und Oktober dürfte der angebotsseitige Preisdruck aufgrund der Entwicklung der weltweiten Gaspreise demnach weiter hoch gewesen sein.

Wieso aber gehört eine Inflation offenbar einfach "dazu"? "Die 'gute' Inflation geht automatisch mit höheren Einkommen einher - und die Einkommen steigen stärker als die Teuerung", erläutert Schiman. Die Preissteigerung fällt also bei der "guten" Inflation viel weniger ins Gewicht und ist vor allem keine Konjunkturbremse. Auch die Unternehmen holen sich ihr Stück vom Kuchen.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 23.01.2022 um 05:45 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/mehr-schlechte-als-gute-inflation-in-oesterreich-112320619

Kommentare

Schlagzeilen