Wirtschaft

Metaller im Tal der Tränen

Die Arbeitgeber der Metallindustrie zeichnen ein düsteres Bild ihrer Branche. 3,5 Prozent Lohnplus wie im Vorjahr könne es nicht geben. Die Gewerkschaften sehen das ganz anders.

In der Metallindustrie fliegen schon bald wieder die Funken. Am 23. September starten die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für insgesamt fast 200.000 Beschäftigte.  SN/motorradcbr - stock.adobe.com
In der Metallindustrie fliegen schon bald wieder die Funken. Am 23. September starten die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für insgesamt fast 200.000 Beschäftigte.

Eine Woche vor Beginn der Lohnverhandlungen für die fast 200.000 Beschäftigten in der heimischen Metallindustrie dämpfen die Arbeitgeber die Erwartungen. Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), zeichnet ein düsteres Bild der Branchenentwicklung. "Die Party ist vorbei, nach guten Jahren müssen wir uns auf einen deutlichen Abschwung einstellen."

Grund sei das deutlich schwächere internationale Umfeld, das auf Österreich durchschlage. Die Aufträge seien rückläufig, in den Handelsbeziehungen mit den wichtigen Partnern Deutschland und Italien steht ein Minus. Auch die eng mit der MTI verbundene Autoindustrie steckt in der Krise, vor allem in Indien und China dürften die Zulassungen einbrechen. "Die Warnblinker leuchten an allen Seiten", sagt Knill. Dazu kommt, dass das einstige Zugpferd Deutschland vor einer möglichen Rezession steht, also rückläufigem Wirtschaftswachstum in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.

Knill fordert die Gewerkschaften zu "Besonnenheit und Vernunft" auf, also zu moderaten Lohnforderungen. Davon freilich wollen die Gewerkschaften ProGe und die GPA-djp nichts wissen. "Die Voraussetzungen für ordentliche Lohnabschlüsse sind gegeben", die Aussichten für die heimische Wirtschaft hätten sich laut Forschern stabilisiert. Man müsse "Herrn Knill leider enttäuschen", ließen die Gewerkschafts-Chefverhandler ihr Gegenüber wissen: Auch heuer werde es "keine Zurückhaltung" geben. Die Industrie habe sich gut entwickelt, das Engagement der Arbeitnehmer müsse abgegolten werden.

Der FMTI ist mit gut 135.000 Beschäftigten in 1200 Betrieben der größte Industrieverband des Landes, die Mitglieder produzieren Waren im Wert von 39 Mrd. Euro, ein Viertel der gesamten heimischen Industrie. 80 Prozent gehen in den Export. Auch wenn die insgesamt sechs Metallerverbände (außer MTI noch Gießerei-, Fahrzeug-, Nichteisen-Metallindustrie, Bergbau-Stahl sowie Gas- und Wärmeversorger) getrennt verhandeln, gab es bisher stets einheitliche Abschlüsse. Der MTI dient den folgenden Abschlüssen als Richtschnur. Im Vorjahr gab es im Schnitt 3,46 Prozent höhere Löhne/Gehälter, gestaffelt nach Einkommen.

Von einer Rücknahme der Arbeitszeitflexibilisierung mit leichterer Erreichbarkeit von zwölf Stunden Tagesarbeitszeit will Knill nichts wissen, auch das von Arbeitnehmern geforderte Recht auf eine Vier-Tage-Woche schließt er als einseitiges Recht aus. Knill will "zeitgemäße Verhandlungen" für einen Kollektivvertrag (KV), der mit 1. November in Kraft treten soll. Mit dem Vorschlag, außerhalb Wiens zu verhandeln - in Vorarlberg -, sind die Arbeitgeber abgeblitzt. Dafür sollen die Gespräche erstmals im "Doppelpack" an zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Der Startschuss erfolgt mit der traditionellen Forderungsübergabe am nächsten Montag (23. September).

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