Wirtschaft

Metaller verhandeln weiter: So oft wird anderswo gestreikt

Österreicher streiken im internationalen Vergleich wenig. An der Spitze stehen gleich zwei europäische Länder.

300 Mitarbeiter von metallverarbeitenden Betrieben in Salzburg hielten vergangene Woche einen öffentlichen Warnstreik ab. Sie wollen fünf Prozent mehr Lohn. SN/robert ratzer
300 Mitarbeiter von metallverarbeitenden Betrieben in Salzburg hielten vergangene Woche einen öffentlichen Warnstreik ab. Sie wollen fünf Prozent mehr Lohn.

Knapp zwei Monate sind seit dem Beginn der Lohnverhandlungen im größten Metaller-Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) ins Land gezogen - und immer noch gibt es keinen Abschluss. Am Sonntagvormittag haben sich die Verhandler zur siebenten Runde getroffen, um endlich eine KV-Einigung zu schaffen. Es geht vor allem ums Geld. Finden sie keine Lösung, wird ab Montag gestreikt - was in Österreich selten vorkommt.

In Österreich wird im internationalen Vergleich wenig gestreikt. Pro Jahr gehen lediglich zwei Arbeitstage durch Streiks verloren. Nur in drei Ländern wird noch weniger oft die Arbeit niedergelegt. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Die Studie hat im Zeitraum von 2007 bis 2016 die Streikhäufigkeit in 22 OECD-Ländern verglichen und die jährlich durch Streiks ausgefallenen Arbeitstage pro 1000 Beschäftigten untersucht. Österreich steht auf dem viertletzten Platz und verliert pro Jahr lediglich zwei Arbeitstage. Spitzenreiter sind die Franzosen mit 123 streikbedingten Ausfalltagen, in der Slowakei und Japan gab es fast gar keine. Auffallend ist vor allem die lange Liste jener Länder, in denen wenig gestreikt wird. In der Hälfte der Länder gingen weniger als 10 Arbeitstage durch Streiks verloren. Darunter auch Deutschland (7), die USA (6) oder Schweden (5). Weiters zeigt die Studie einen Rückgang der streikbedingten Ausfalltage in allen Ländern, allerdings beobachte man seit 2008 in einigen europäischen Ländern wie Griechenland, Spanien, Frankreich und Belgien vermehrt politische Streiks.

Was ein Streik die Unternehmen kostet

Das träfe die Industrie empfindlich: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, viele Betriebe kommen jetzt schon kaum mit der Bearbeitung der Aufträge nach. Und ein Streiktag könnte 30 bis 50 Millionen Euro kosten, hatte der Sprecher der Arbeitgebervertreter, Christian Knill, kürzlich erklärt. Weitet sich der Ausstand auch auf die anderen Metaller-Fachverbände und verwandte Bereiche aus, könnte sich der Gesamtschaden auf 100 Millionen Euro täglich belaufen, sagte Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf.


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