Wirtschaft

Milch, in der nur Natur drin ist

Österreich ist Europameister bei der Produktion von Heumilch. Jetzt nehmen die heimischen Milchbauern den wichtigen deutschen Markt ins Visier.

Die Digitalisierung macht auch vor den Bauernhöfen nicht halt SN/heinz bayer
Die Digitalisierung macht auch vor den Bauernhöfen nicht halt

15 Jahre nach ihrer Einführung finden Heumilchprodukte aus Österreich überdurchschnittlich starken Absatz im eigenen Land - und werden auch im Ausland immer stärker nachgefragt. Im Vorjahr wurden bereits mehr als 60 Prozent der in Österreich produzierten Produkte - hauptsächlich Käse - exportiert, vor allem nach Deutschland.

"Gras im Sommer, Heu im Winter", so beschreibt Karl Neuhofer das Wesen der Heumilch. Er ist Milchbauer in Straßwalchen und Obmann der Arbeitsgemeinschaft Heumilchbauern. Dieser Verbund aus mehr als 60 Molkereien, Käsereien und Sennereien erzeugt und vermarktet seit 2004 Heumilch und Produkte daraus von rund 8000 Bauern vor allem aus Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Oberösterreich und der Steiermark.

Es sei "die ursprünglichste Form der Milchgewinnung", sagt Neuhofer. Die Kühe verbringen den Sommer auf Weiden und Almen, wo sie außer Gräsern auch Kräuter und Wiesenpflanzen wie Weiß- oder Rotklee und Löwenzahn fressen. Im Winter werden sie mit Heu versorgt, ergänzt durch mineralstoffreichen Getreideschrot. Im Silo vergorene Futtermittel, wie sie oft aus Kostengründen zum Einsatz kommen, sind tabu, ebenso Zusatzstoffe und Gentechnik.

Was zunächst als altmodisch verschrien war, wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Und zu einer Möglichkeit für kleinstrukturierte Milchbauern auch in alpinen Lagen, weiter wirtschaften zu können. Ein Heumilchzuschlag zwischen fünf und sieben Cent je Kilogramm Milch brachte den beteiligten Bauern im Vorjahr einen Mehrwert von 26 Millionen Euro, den sie großteils in den Betrieb investieren. Bestätigt sehen sich die Heumilchbauern durch das Regierungsprogramm, das einen Fokus auf Themen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität und Tierwohl legt - alles Bereiche, die durch Heumilch gefördert würden.

Im Jahr 2019 wurden in Österreich 510 Millionen Kilogramm Heumilch produziert und größtenteils zu Käse verarbeitet. Das sind 15 Prozent der gesamten im Land gewonnenen Milch. Rund ein Drittel davon ist zusätzlich noch biozertifiziert. Der Umsatz aus Heumilchprodukten im heimischen Lebensmittelhandel erreichte in den ersten drei Quartalen des Vorjahrs 104,6 Mill. Euro, im Jahresabstand ein Plus von 5,4 Prozent. Dem steht ein sehr moderates Wachstum von 0,4 Prozent bei heimischen Molkereiprodukten insgesamt gegenüber.

Die höhere Nachfrage ziehe sich durch die einzelnen Segmente, sagt Christiane Mösl, die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Heumilch. Sowohl beim "weißen" (Milch, Joghurt, Topfen, Frischkäse) wie auch beim "gelben Sortiment" (Butter, gereifte Käsesorten) fiel das Umsatzplus für Heumilchprodukte im Vorjahr doppelt so hoch aus wie bei herkömmlichen Produkten.

Österreich ist bei dem Thema Spitzenreiter, EU-weit bringen es Heumilchprodukte auf lediglich drei Prozent. Produziert wird in Frankreich, der Schweiz, Italien oder Deutschland - überall nach dem österreichischen Regulativ, weil Heumilch seit 2016 EU-weit als "garantiert traditionelle Spezialität" (g. t. S.) geschützt ist, wie etwa Mozzarella oder Pizza Napoletana.

Ausbauen will man die Zusammenarbeit im Alpenbogen, besonders mit deutschen Herstellern, seit 2019 kooperiert man mit Bauern aus dem Allgäu. "Der große deutsche Markt ist für uns sehr wichtig", sagt Mösl. Das Potenzial sei enorm, in Deutschland liegt der Heumilchanteil bei unter 0,5 Prozent. Der Eigenproduktion in Deutschland seien landschaftliche Grenzen gesetzt. Und zu groß will man grundsätzlich nicht werden, unterstreicht Arge-Heumilch-Obmann Neuhofer. "Es soll immer eine Nische bleiben."

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