Österreich

Milchpreis hat laut Landwirtschaftskammer Boden gefunden

Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes (ÖVP) gibt beim angespannten Erzeugermilchpreis leichte Entwarnung. "Wir haben die Trendwende erreicht, der Milchpreis hat seinen Boden gefunden", so Schultes. Zuletzt habe der Preis um 1,5 bis 2 Cent je Liter zugelegt, und ein Cent mehr bedeute 30 Mio. Euro mehr für die Milchbauern.

Milchpreis hat laut Landwirtschaftskammer Boden gefunden SN/APA (dpa)/Sebastian Gollnow
Aufatmen bei den Milchbauern.

An der Forderung nach einer Streichung des Sozialversicherungsbeitrages für Bauern für das vierte Quartal hält Schultes fest. Die dann fehlenden rund 170 Mio. Euro im Topf der Versicherung würden durch höhere Beiträge in den nächsten Jahren wieder hereinkommen, die sich aus höheren Einheitswerten für die Bauern ergebe.

Aus Gründen des Gleichheitsgrundsatzes soll der Versicherungsbetrag nicht nur den Milchbauern, sondern allen Landwirten erlassen werden. Die Sozialversicherung der Bauern hat einen Deckungsbeitrag von 20 Prozent - sprich ein Fünftel stammt von den Landwirten, die verbleibenden 80 Prozent zahlt die Allgemeinheit.

Nach wie vor schwierig sei die Situation bei den Schweinehaltern. Hier sei man mit internationalen Konzernen konfrontiert. So verarbeite der größte dänische Schlachthof alleine die Gesamtproduktion Österreichs. Beim Rindfleisch hingegen sei die Situation "halbwegs gut", so Schultes am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Auch beim Wein sei die Ernte gut.

Beim Getreide wiederum seien die Lager voll, was sich auf die Preise auswirke. So koste ein Tonne Brotgetreide 150 bis 170 Euro, während Holzpellets 200 Euro kosten. In der Vergangenheit hatte die Papier- und Verpackungsindustrie massiv die Förderungen für Biomasseanlagen kritisiert, diese würden die Holzpreise nach oben treiben und einen Rohstoff verbrennen, der vorher noch einer Mehrfachnutzung zugeführt werden könnte.

Zu CETA sagte Schultes, eine Zustimmung zum umstrittenen Handelsabkommen mit Kanada sei gut für Österreichs Bauern. Erneuert wurde die Forderung nach einer Wiedereinführung der Streichung der Mineralölsteuer für Diesel in landwirtschaftlichen Maschinen und eine Erhöhung des Anteils von Agrarrohstoffen in Treibstoffen - Stichwort "Biodiesel".

Bei Saisonniers sollten die Pensionsversicherungsbeiträge gestrichen werden. Ein Saisonnier erhält laut Schultes 6,50 bis 8,50 Euro Brutto-Stundenlohn. Asylberechtigten sollte der Zugang zum Agrar-Arbeitsmarkt erleichtert werden.

Schultes erwartet, dass der Strukturwandel hin zu größeren Einheiten in der heimischen Landwirtschaft anhalten wird. Alleine von 1999 bis 2013 haben 51.000 Betriebe zugesperrt. Insgesamt gibt es noch knapp 166.000 Betrieben. Wobei ein Betrieb nicht mit einem Hof gleichzusetzen ist, oftmals sind die Betriebe an einem Standort auf mehrere Familienmitglieder aufgeteilt. Rund 55 Prozent der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt.

Quelle: APA

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