Wirtschaft

Molkereien reduzieren Mengen, sehen große Chancen nach Krise

Viele Molkereien passen sich derzeit an die gesunkene Nachfrage an. Die Bauern sollen weniger Milch anliefern, um eine Preisspirale nach unten zu verhindern. Andere Molkereien verarbeiten mehr in Richtung länger haltbare Produkte. Gleichzeitig ortet der Präsident der Vereinigung der Österreichischen Molkereien (VÖM), Gerhard Petschar, aber große Chancen für Bauern und Verarbeiter nach der Krise.

Milchnachfrage ist gesunken SN/APA/BARBARA GINDL
Milchnachfrage ist gesunken

Die Molkereien gehen unterschiedlich mit der geringeren Nachfrage um. Manche, vor allem im Westen Österreichs wie etwa in Vorarlberg, reduzieren die Anliefermenge zum Teil um die Hälfte. Andere gehen mit Empfehlungen vor, weniger anzuliefern. Wieder andere verarbeiten mehr in Richtung Haltbarprodukte, wie Petschar am Freitag im Gespräch mit der APA erläuterte. Dabei verfolgten die Molkereien das Ziel, den Bauernmilchpreis zu halten.

Petschar ist auch Geschäftsführer der Kärntnermilch mit Sitz in der Kärntner Bezirksstadt Spittal, die die Anliefermengen nun im April und Mai um ein Zehntel zurückfährt. Dafür bleibt der Bauernmilchpreis von gut 35 Cent nett (40 Cent brutto), erläuterte Petschar. Das werde übers ganze Jahr angepeilt. Die Reduktion von 10 Prozent bringt pro Monat rund eine Million Kilo weniger Milchprodukte der Kärntnermilch auf den Markt. Diese wären "unter den jetzigen Bedingungen nur über Aktionen zu verkaufen, was die Wertschöpfung und somit auch den Milchpreis massiv in Gefahr bringt", warnte Petschar die Kärntnermilch-Bauern in einem Schreiben, das der APA vorliegt.

Notwendig sei das, weil "die Lage auf unseren Absatzmärkten unsicher und angespannt bleibt", heißt es darin weiter. Zwar gebe es "Licht am Ende des Tunnels" dank der langsamen Hochfahrpläne für die Wirtschaft. Aber: "Der Großhandel, ein wichtiger Abnehmer unserer Produkte, wird jedoch keinesfalls vor Juni zu laufen beginnen."

Trotzdem sieht Petschar große Chancen für die Milchbauern und -verarbeiter nach der Corona-Krise. Dabei setzt er auf das Thema Regionalität und Versorgungssicherheit, die bei Konsumenten und Handel nun verstärkt ins Bewusstsein rücken würden. "Denken Sie nur daran, wie wichtig die Milchbauern und die regionalen Versorger jetzt sind, um eine flächendeckende Versorgung zu sichern."

Die Lager für Frischprodukte hielten die Molkereien in den Regionen, nicht der Handel, der die Regale zur Verfügung stelle, sagte Petschar. "Wenn wir nicht täglich frische Milch von den Bauern holen und täglich weiterverarbeiten, ist die Versorgungssicherheit nicht gegeben. Der Handel hat im Frischebereich nichts auf Lager. Freilich ist jeder entlang der Wertschöpfungskette wichtig, aber gerade im Frischebereich spielen die regionalen Betriebe eine entscheidende Rolle."

Die Absenkung der Anliefermenge rechtfertigt Petschar auch insofern, als dass es einfacher wäre, einfach den Auszahlungspreis zu verringern. Das führe aber zu einer Preisspirale nach unten. Zehn Prozent würden zwar einschneidend klingen, aber seien für die Bauern "verkraftbar". Die Reduktion gelinge in erster Linie über eine Veränderung der Fütterung.

Die Nachfrage ist laut Petschar vor allem wegen des Stillstands in Hotellerie und Gastronomie eingebrochen. So würden Großgebinde - beispielsweise 10-Kilogramm-Joghurteimer und dergleichen - derzeit praktisch gar nicht verkauft. Eingebrochen ist auch die Nachfrage aus der oberitalienischen Lebensmittelindustrie. Österreichische Milchbauern produzieren 15 Prozent mehr Milch als hierzulande konsumiert wird.

Die Grüne Agrarsprecherin Olga Voglauer, selbst Biobäuerin und Kärntner Landessprecherin der Partei, kritisierte die Mengenreduktion bei der Molkerei Kärntner Milch. Die Maßnahme, die aktuelle auch andernorts in Österreich Molkereien ergreifen, benachteilige kleine Biobauern, weil diese ihre Mengen im Winter, wo der Referenzzeitraum liegt, bereits reduziert hatten.

Die Vorgehensweise sei in Zeiten von Überproduktion verständlich, aber "die Umsetzung auf dem Rücken der kleineren Bio-Milchlieferanten ist inakzeptabel", so Voglauer. Für unterschiedliche Milchlieferanten müsse es unterschiedliche Regelungen geben. "Während viele konventionelle Betriebe über das gesamte Jahr dieselbe Milchmenge anliefern und nun de facto die erforderliche zehnprozentige Reduktion bereits mit der Vollmilchfütterung der Kälber erreichen, sprechen wir bei den Bio-Wiesenmilchlieferanten von einem Milchgeldverlust zwischen 20 und 30 Prozent."

Die Kärntnermilch hatte die Reduktion von 10 Prozent bei der Menge als "verkraftbar" für die Bauern bezeichnet. Der Schritt diene dazu, das aktuelle Auszahlungsgeld beizubehalten und keine Preisspirale nach unten auszulösen.

Quelle: APA

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