Wirtschaft

Monatliche Inflation könnte bald deutlich höher sein

Steigende Energiepreise treiben derzeit die Inflation in Rekordhöhen. AK-Chefökonom Markus Marterbauer rechnet damit, dass sich das nicht so schnell ändern wird, die monatlichen Teuerungsraten könnten sogar in den zweistelligen Bereich gehen. "Wir werden wahrscheinlich in den nächsten Monaten eher in Richtung zweistellig oder 10 Prozent Inflation kommen bei den Monatswerten", sagte der AK-Ökonom. Damit werde auch der Jahresdurchschnitt steigen.

Die Energiekosten treiben derzeit die Inflation SN/APA (dpa)/Fernando Gutierrez-Jua
Die Energiekosten treiben derzeit die Inflation

Der Anstieg der Rohstoffpreise aufgrund des Kriegs in der Ukraine trage wesentlich zu der aktuellen Preisentwicklung bei Energie bei, so Marterbauer. Bis vor Ausbruch des Kriegs hatten Experten noch angenommen, dass die Inflation eher kurzfristig stark ansteigen wird und dann Basiseffekte greifen und sich die Entwicklung abflachen werde. Nun sei aber eher davon auszugehen, dass es kurzfristig noch höhere Anstiege bei den Preisen geben werde als bisher erwartet. Zudem werde der Anstieg länger andauern.

"Wir werden deutlich höhere Inflationsraten haben als bislang angenommen", sagte der AK-Ökonom am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. "Es würde mich nicht überraschen, wenn wir in die Gegend von 5 Prozent im Jahresdurchschnitt kommen würden", so Marterbauer. Das Wifo war in seiner letzten Prognose noch von rund 3,3 Prozent Jahresinflation für 2022 ausgegangen.

Wichtig sei nun darauf zu achten, dass die derzeit stark energiepreisgetriebene Inflation nicht auf andere Bereiche übergreift. Das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale sieht Marterbauer vorerst nicht, auch unter Berücksichtigung des zunehmenden Arbeitskräftemangels. Das liege auch daran, dass die eher zentralisierte Lohnpolitik über das Kollektivvertragssystem, das auch das Ziel habe, die Preise zu stabilisieren und damit die Kaufkraft zu sichern, die unmittelbaren Auswirkungen steigender Preise abschwäche.

Viel eher sieht er eine Gewinn-Preis-Spirale. "Das Übergreifen sehe ich jetzt eher bei den Gewinnen als bei den Löhnen." Als ein Beispiel nennt Marterbauer steigende Mieten im Zuge der Inflation, obwohl die Energiekosten über die Betriebskosten abgedeckt werden und nicht über die Mieten. Hier entstehe eine Gewinnsteigerung.

Sorgen bereiten dem Volkswirt auch die soziale Effekte der Teuerung. Die Inflation werde die Ungleichheit enorm befeuern, da niedrigere Einkommensgruppen einen sehr viel größeren Anteil ihres Einkommens für Energie ausgeben als Personen in höheren Einkommensgruppen. Das werde in weiterer Folge auch konjunkturelle Effekte haben, wenn die Realeinkommen aufgrund höherer Kosten sinken, sagte der Volkswirt.

Die Politik müsse gegensteuern und die ärmeren Haushalte unterstützen. Vom Energiekostenausgleich hält Marterbauer aufgrund seiner Ineffizienz in der Abwicklung allerdings wenig. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht gewesen, wenn die Länder ihre Heizkostenzuschüsse deutlich erhöht hätten. Damit wäre den Menschen schneller und unbürokratischer geholfen worden. "Ich verstehe überhaupt nicht, warum die Bundesländer nicht die Instrumente ergreifen, die da sind," sagte Marterbauer.

Zudem müsste die Mindestsicherung massiv angehoben und auch die Notstandshilfe erhöht werden. Darüber hinaus bekräftigte Marterbauer die Forderung der AK, die automatische Anpassung der Richtwertmieten auszusetzen. Die Debatte rund um die Abschaffung der Kapitalertragssteuer (KESt) auf Wertpapiere sieht Marterbauer dagegen sehr kritisch. "Das ist wirklich ein Skandal." Eine solche Maßnahme würde laut dem Ökonomen "im Wesentlichen an das oberste Prozent der Haushalte" gehen.

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