Österreich

Nach Putschversuch: Urlauber meiden heuer die Türkei

Die Nachfrage der Österreicher nach Urlaub in der Türkei ist heuer gegenüber dem Vorjahr weggebrochen. Bei der Rewe Austria Touristik, dem zweitgrößten heimischen Reiseveranstalter hinter der TUI, rutschte das Land im Ranking der beliebtesten Destinationen beispielsweise von Platz zwei auf sieben ab. "Die Türkei ist drastisch zurückgefallen", sagte Geschäftsführer Martin Fast zur APA.

Nach Putschversuch: Urlauber meiden heuer die Türkei SN/APA (AFP)/OZAN KOSE
Türkei nur mehr auf Platz sieben der Reisedestinationen.

Das konnten andere Zielländer nur zum Teil wettmachen: So blieb Griechenland heuer das am meisten gebuchte Urlaubsziel bei der Rewe Austria Touristik - mit einer Nachfrage auf Vorjahresniveau. Doch auch diese Destination hatte zu Beginn des Jahres "ein Riesenproblem bei den Buchungen", wie der Rewe-Austria-Touristik-Chef berichtete. Das habe sich aber ab Ostern gelegt. Rewe legte dann sogar zusätzliche Flüge nach Kreta - als Alternative zu den Ländern Türkei, Ägypten und Tunesien - auf.

Einen leichten Ausgleich für die ausbleibenden Buchungen in Richtung Türkei schufen auch Spanien, das bei dem Anbieter heuer im Sommer betreffend Beliebtheit von Platz drei auf zwei vorrückte, und Kroatien, bei Rewe nunmehr die Nummer drei (statt fünf im Vorjahr).

Dank rechtzeitig aufgestockter Kapazitäten in Richtung Spanien und einem deutlichen Plus bei den österreichischen Buchungen von Kroatien-Urlauben wird die Rewe Austria Touristik ihr laufendes Touristikjahr 2015/16 (per Ende Oktober) gegenüber 2014/15 den Angaben zufolge voraussichtlich "nur" mit einem Minus im einstelligen Prozentbereich abschließen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen in seinem zweitwichtigsten Markt Türkei noch zweistellige Zuwachsraten bei den Buchungen erzielt, heuer sind diese um zwei Drittel geschrumpft.

Grundlegend verändert hat sich heuer auch das Reiseverhalten der Österreicher. Nach dem überbordenden Flüchtlingsstrom nach Europa im Vorjahr und einer ganzen Reihe von Terroranschlägen wurde der Sommerurlaub dieses Jahr erst auf den letzten Drücker gebucht. Bei der Wahl des Ziellandes hatte Sicherheit oberste Priorität.

"Im Jänner und im Februar waren die Vorausbuchungen für den Sommer deutlich unter den Vorjahren - die Leute haben sich extrem lange Zeit gelassen, bis sie ihren Urlaub gebucht haben", sagte Fast im Gespräch mit der APA. Normalerweise gehen bei dem Reiseveranstalter in den ersten beiden Monaten des Jahres rund 40 Prozent der Sommerbuchungen ein, heuer waren es nur 30 Prozent. Auch im weiteren Jahresverlauf sei der Großteil der Buchungen dann erst sehr spät gekommen - "teilweise 'last minute', teilweise 'ultra-last-minute'", berichtete Fast.

Für den Sommer 2017 will der Reiseveranstalter vor allem sein Produktangebot im Süden Italiens und Kroatiens sowie in Sardinien als Ausweichdestinationen verstärken. Auch in Spanien soll noch weiter aufgestockt werden - doch das wollen international viele Marktteilnehmer. "Alle Märkte strömen nach Spanien", verdeutlichte Fast den dort spürbar gestiegenen Andrang.

Das wird sich im kommenden Sommer auch auf die Preise auswirken - mit einer Teuerung von im Schnitt drei bis fünf Prozent. Von 2015 auf 2016 war Spanien trotz der ungeheuer starken Nachfrage laut Fast "preisstabil"; die Verträge der Reiseveranstalter mit den Hotelpartnern werden etwa ein Jahr im Vorhinein ausverhandelt. Vor einem Jahr war die extreme Verschiebung der Reiseströme noch nicht absehbar.

Quelle: APA

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