Wirtschaft

Nächste Runde im Ringen um das Lohnplus in der Metallbranche

Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Metallbranche verhandeln heute, Dienstag, und Mittwoch über einen Lohnabschluss. Beide Seiten drücken aufs Tempo, aber einen gemeinsam Weg zum Ziel müssen sie erst finden.

In der Metallbranche wird über einen Lohnabschluss verhandelt.  SN/kzenon - stock.adobe.com
In der Metallbranche wird über einen Lohnabschluss verhandelt.

Arbeitgeber und Gewerkschaften starteten am Dienstag die dritte Runde in den diesjährigen Lohnverhandlungen der Metallindustrie. Was beide Seiten eint, ist, dass sie gerne rasch einen Abschluss erzielen wollen. Was sie trennt, ist das Ausmaß der Erhöhung. Die Gewerkschaften Pro-GE und GPA-djp fordern unverändert ein Plus bei den Löhnen und Gehältern von 4,5 Prozent. Mindestens sollen 100 Euro mehr auf dem Lohn- und Gehaltszettel stehen. Die Arbeitgeber halten die Forderung für überzogen und rufen ihr Gegenüber zu "Besonnenheit und Vernunft" auf.

Es ist vor allem die Aussicht auf die sich deutlich abschwächende Konjunktur, die den Unternehmern Sorge bereitet. International trübt sich das Bild deutlich ein, der Handelskonflikt - auch wenn China und USA zuletzt eine Teileinigung erreicht und damit eine Eskalation vermieden haben - sowie die Unsicherheit rund um den Brexit lasten auf der Stimmung.

Deutschland als wichtigster Exportmarkt für die Branche steht möglicherweise vor einer Rezession, jedenfalls aber vor einer Phase sehr schwachen Wachstums. Ähnlich ist die Lage in Italien, auch dort zeigt die Kurve im Außenhandel nach unten. Und auch in Österreich haben die Wirtschaftsforscher die Prognose für den Anstieg der Wirtschaftsleistung zuletzt zurückgenommen, wenngleich die Lage hier noch vergleichsweise positiv ist.

Der Obmann des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie (FMTI), Christian Knill, hatte daher schon vorgebaut und die Forderung von 4,5 Prozent der Gewerkschaft als völlig überzogen bezeichnet. Er hält angesichts der konjunkturellen Lage nicht einmal die im Vorjahr vereinbarten 3,5 Prozent für angemessen.

Die Gewerkschaften wiederum verweisen darauf, dass die Branche im vergangenen Jahr "außergewöhnlich gut verdient" habe, wie die Chefverhandler Rainer Wimmer von der Pro-GE und Karl Dürtscher (GPA-djp) betonen. Daher müssten die Beschäftigten über ansehnliche Lohn- und Gehaltserhöhungen an diesem Erfolg beteiligt werden. Auch die Arbeitnehmervertreter können sich auf die Wirtschaftsforscher beziehen, denn diese betonen in allen Prognosen, dass es vor allem der private Konsum ist, der den Konjunkturmotor am Laufen hält.

Wie rasch sich die Verhandler einigen können, wird auch davon abhängen, ob man in sich in den Fragen abseits der Lohn- und Gehaltserhöhung annähern kann. Das Ansinnen der Gewerkschaften, einen Ausgleich für den von der Regierung beschlossenen 12-Stunden-Tag erreichen, lehnen die Arbeitgeber kategorisch ab. Auch den Anspruch auf eine Vier-Tage-Woche will die Unternehmerschaft nicht als einseitiges Recht akzeptieren. Heftig umstritten ist zudem die leichtere Erreichbarkeit einer sechsten Urlaubswoche, hier scheint ein Kompromiss aber möglich.

Im Vorjahr brauchten die Verhandlungspartner sieben Runden für eine Einigung, die von einem Warnstreik begleitet waren. Auch heuer hat die Gewerkschaft bereits Widerstand angekündigt, falls es bis Mittwochabend nach einer vierten Runde keine Einigung geben sollte. Dann werde man nächste Woche Kampfmaßnahmen beschließen, kündigte Pro-GE-Chef Wimmer am Dienstag an.

Die Mitglieder des Fachverbands Metalltechnische Industrie beschäftigen in 1200 Betrieben rund 136.000 Mitarbeiter, in der gesamten Metallindustrie (einige Fachverbände verhandeln getrennt, wie die Gießereien) sind 195.000 Personen beschäftigt. Der Produktionswert der Branche beläuft sich auf 39 Mrd. Euro, vier Fünftel davon gehen in den Export.

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