Wirtschaft

NGO: EU-Lieferkettengesetz soll Essen "gerechter" machen

Der Südwind-Verein für Entwicklungspolitik fordert im Rahmen der Initiative Our Food.Our Future gemeinsam mit 22 internationalen Organisationen ein Lieferkettengesetz, das Firmen zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt verpflichtet. Es könne nicht sein, dass es immer noch kein EU-Lieferkettengesetz gebe, lautete die Kritik am Dienstag anlässlich des Starts einer Aktionswoche für klimagerechte Landwirtschaft. Etwa das globale Lebensmittelsystem sei in alarmierenden Zustand.

Landwirtschaft in Äthiopien SN/APA/ADA ­ AUSTRIA DEVELOPMENT AG
Landwirtschaft in Äthiopien

"Viel zu viele Lebensmittel in unseren Supermärkten basieren auf Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung", sagt Gudrun Glocker, Expertin für gerechte Ernährung bei Südwind. Mit einer Protestmail-Aktion ruft "Our Food.Our Future" nun dazu auf, Druck auf die EU-Kommission auszuüben. Ein faires Lieferkettengesetz solle nicht weiter aufgeschoben werden. Von den zuständigen EU-Kommissaren Didier Reynders, Thierry Breton und Kommissionsvizepräsidentin Věra Jourová wird ein ambitionierter Vorschlag eingefordert. Ein ambitioniertes Lieferkettengesetz müsse laut Südwind Unternehmen effektiv in die Verantwortung ziehen, eine zivilrechtliche Haftung enthalten und die gesamte Wertschöpfungskette umfassen.

"Rund ein Fünftel der Treibhausgase in Österreich gehen auf das Konto unserer Ernährung", so Glocker. "Das Lebensmittelsystem ist damit ein wesentlicher Treiber für die Klimakrise sowie für erzwungene Migration." Ausgerechnet vulnerable Gruppen der Gesellschaft wie migrantische Arbeiterinnen und Kleinbauern seien am stärksten von schädlichen Geschäftspraktiken großer Lebensmittelkonzerne betroffen. Diskriminierung am Arbeitsplatz und ausbeuterische Arbeitsbedingungen stünden oft auf der Tagesordnung.

In der Aktionswoche sind in Österreich bis 16. Oktober Info-Straßenaktionen geplant, die auf "geschmacklose Zutaten" in Lebensmitteln aufmerksam machen. Ziele sind Innsbruck, Wien, Graz, Linz und Wiener Neustadt. Mehr Informationen gibt es unter www.suedwind.at/our-food-our-future.

Der Ausschuss für Normenkontrolle, ein unabhängiges Gremium der EU-Kommission, hatte dem geplanten europäischen Lieferkettengesetz im Mai ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Somit wurde es für die EU-Kommission nichts aus dem Plan ein Lieferkettengesetz noch vor der Sommerpause vorzulegen und der Prozess dauert an. Druck kommt auch vom EU-Parlament.

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