Wirtschaft

Niedrigzinsen und Pandemie trüben Weltspartag

Die niedrigen Zinsen, oftmals nur symbolisch über 0,0 Prozent, sowie die Corona-Pandemie trüben auch heuer den Weltspartag am 29. Oktober. Die Erste Bank der österreichischen Sparkassen teilte am Donnerstag mit, dass pandemiebedingt auf das Rahmenprogramm mit Snack, Getränken und Kinderaktivitäten verzichtet werden muss. Dazu kommt, dass man aufgrund der Inflation für sein Erspartes Jahr für Jahr weniger bekommt. Der Sparfreude der Österreicher ist dennoch ungebrochen.

Viele bringen ihre Münzen Ende Oktober zur Bank SN/APA/dpa/Karlheinz Schindler
Viele bringen ihre Münzen Ende Oktober zur Bank

Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK ist das klassische Sparbuch nach dem Girokonto das am weitesten verbreitete Bankprodukt in Österreich, gerät aber durch das Sparkonto zunehmend unter Druck. Waren es vor rund zehn Jahren noch über 70 Prozent, die ein Sparbuch besaßen, so liegt der Anteil aktuell bei 56 Prozent, weil viele auf ein Online-Sparkonto umgestiegen sind. Im Schnitt besitzt aktuell knapp jeder Zweite ein Online-Sparkonto - Tendenz steigend. Dementsprechend könnte das Direktsparkonto dem klassischen Sparbuch bald den ersten Platz streitig machen.

Weil wegen der Nullzinsen das Ersparte derzeit nicht mehr wert wird, gleichzeitig aber die Preise für viele Sachen steigen, schmilzt das Vermögen Jahr für Jahr. Zur Vorsorge und zum Vermögensaufbau eignet sich das Sparbuch deshalb immer weniger. Banken versuchen Sparern daher andere Anlagemöglichkeiten schmackhaft zu machen, auch weil sie selbst daran mehr verdienen als beim Sparbuch. Dennoch gelten Sparbuch und Sparkonto als die sichersten Anlageformen. Bei Fonds, Aktien und Co. gibt es zwar höhere Ertragschancen, aber auch ein höheres Risiko.

"Herr und Frau Österreicher sind in ihrem Anlageverhalten risikoavers, möchten einen schnell verfügbaren Notgroschen auf der Seite haben und verfügen über weniger Expertise hinsichtlich komplexeren Anlageformen. All diesen Bedürfnissen kommt das Sparbuch bestens entgegen: Es ist einfach, flexibel und sicher", sagte GfK-Chefin Ursula Swoboda. Wegen der in den vergangenen Jahren immer niedriger gewordenen Zinsen stufen jedoch nur mehr 18 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher diese Möglichkeit als besonders attraktiv ein.

Der Weltspartag findet jedes Jahr in der letzten Oktoberwoche statt. Die Idee für diesen Tag geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress im Oktober 1924 in Mailand zurück. Der Tag, in Österreich mittlerweile ausgedehnt auf die Weltsparwoche, diente ursprünglich der Förderung des Spargedankens. Auch heute noch will die Branche vermitteln, dass sich Sparen lohnt, daneben ist aber das Thema Finanzbildung stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die Weltspartagsgeschenke, in der Vergangenheit durchaus üppig, verloren hingegen an Bedeutung. Bei der Ersten Bank gibt es heuer Sugo, bei dem pro Glas ein Euro an die Wiener Tafel gespendet wird, und für Kinder ein Sparefroh-Activityspiel von Piatnik.

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