Wirtschaft

Niki-Bieterfrist endet um Mitternacht

Um Mitternacht läuft im Insolvenzverfahren für die Fluggesellschaft Niki eine letzte Angebotsfrist ab. Wer Niki haben will, muss bis heute Nacht auch die Finanzierung seines Angebots unter Beweis stellen. Wer als Käufer zum Zug kommt, wird wahrscheinlich schon am kommenden Montag entschieden. Mitbieter IAG hat angedroht, sein Angebot zurückzuziehen, sollte bis Montag keine Entscheidung fallen.

Vueling bleibt Favorit SN/APA (Expa/Haumer)/EXPA/THOMAS HA
Vueling bleibt Favorit

Neben dem Kaufpreis ist ausschlaggebend, wie viele Jobs gesichert werden. Niki hat nach APA-Informationen beim Frühwarnsystem des AMS bereits 990 Beschäftigte zur Kündigung angemeldet.

Die Maßnahme war nötig, weil zur Zeit der Anmeldung offen war, ob die Firma Niki geschlossen wird. Nach allem was bisher bekannt ist, übernimmt ein Käufer nach der Niki-Pleite nicht die Firma Niki Luftfahrt GmbH, sondern Vermögensteile, darunter Landerechte (Slots), Fluggerät und eben Crews. Nach Konkursen werden die ursprünglichen Firmen nach der Asset-Verwertung in der Regel geschlossen. Die entscheidende Gläubigerausschusssitzung ist am 22. Jänner - also nächsten Montag.

Im Rechtsstreit um die Insolvenzzuständigkeit zwischen deutschen und österreichischen Gerichten (Berlin vs. Korneuburg) liegt der Ball gerade in Korneuburg. Nachdem am 13. Dezember ein vorläufiges Insolvenzverfahren über Niki in Berlin-Charlottenburg eröffnet wurde, läuft seit einer Woche ein Konkursverfahren in Österreich. Damit wurde auch der Bieterprozess neu aufgerollt, alte und neue Interessenten erhielten eine zweite Chance. Auch die britisch-spanische IAG/Vueling, die am 29. Dezember schon den Kauf von Niki-Assets unterschrieben hat, musste sich nochmals anstellen.

Dass wegen des Insolvenzgerichts-Kompetenzwirrwarrs der ganze Bieterprozess wiederholt werden musste - wenn auch im Eilverfahren -, hat vor allem in der Niki-Belegschaft Frust und Unsicherheit verlängert. Wäre alles nach Plan von IAG/Vueling gegangen, heißt es, hätte die Gruppe - vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigungen - schon ab Anfang Jänner den laufenden Betrieb bezahlt, auch die Gehälter. Von einem zugesagten Massedarlehen von IAG an Niki wurden in den ersten Tagen nach Abschluss des Kaufvertrags vom 29. Dezember bereits 3 Millionen Euro verbraucht.

Nun wird die Auszahlung der Jänner-Gehälter der österreichischen Niki-Belegschaft zweigeteilt: Infolge der Konkurseröffnung in Österreich bestreitet der österreichische Insolvenzentgeltfonds für die Zeit vom 1. Jänner bis zur Verfahrenseröffnung am 12. Jänner 2018 die Löhne und Gehälter. Seit dem 13. Jänner bis zur endgültigen Verkaufsentscheidung ist dafür Geld von der deutschen Insolvenzmasse reserviert. Nach APA-Informationen zahlt der Insolvenzfonds auch noch offene Bezüge - z. B. Zulagen - aus dem Dezember nach. Diese Nachzahlungen kommen freilich nicht sehr teuer, weil die Niki-Flugzeuge seit 14. Dezember am Boden geblieben sind.

IAG/Vueling hatte gestern, Donnerstag, auf APA-Anfrage bekräftigt, Niki weiter kaufen zu wollen. Die Gruppe hat alle Beteiligten aber zu höchster Eile gedrängt. Neuerlich ins Rennen begeben hat sich Airlinegründer Niki Lauda, auch Ryanair hat Interesse an Niki-Teilen geäußert.

Auch Ex-Rennfahrer Niki Lauda wird ein weiteres Mal mitbieten. "Es wird abgegeben", sagte Lauda am Freitagnachmittag zur APA. Dann wolle er "abwarten und schauen, was passiert." Darüber hinaus wollte sich Lauda heute nicht äußern. Auch mehrfach öffentlich geäußerte Präferenzen des Niki-Betriebsratschefs Stefan Tankovits für einen Kauf durch den britisch-spanischen Konzern IAG bzw. dessen Billigairlinetochter Vueling wollte Lauda nicht kommentieren.

Sollte sich ein anderer Bieter als IAG als Bestbieter herausstellen und es nicht beim schon im Dezember ausverhandelten Verkauf an IAG/Vueling bleiben, müsste ein neuer Investor nicht nur den Kaufpreis für die Niki-Assets berappen. Weil bereits 3 Millionen eines von IAG/Vueling zugesagten Kredits für den Erhalt der unmittelbaren Betriebsfähigkeit von Niki verbraucht sind, müsste IAG/Vueling diese Summe abgelöst werden, hieß es am Freitagnachmittag zur APA.

Beim Verkauf der wesentlichen Vermögensteile der einstigen österreichischen Air-Berlin-Tochter haben die Masseverwalterin der Niki Luftfahrt GmbH in Österreich, Ulla Reisch, und der vorläufige Insolvenzverwalter in Deutschland, Lucas Flöther, eine enge Kooperation vereinbart. Die inmitten eines heftigen juristischen Tauziehens um Gerichtsstandorte festgeschriebene Kooperationsvereinbarung selbst ist vertraulich. Damit sollte aber auch dem Käufer Gewissheit gegeben werden: "Die Unterschrift beider Insolvenzverwalter gewährleistet dem Erwerber Rechtssicherheit für den Vollzug des Kaufvertrages", betonten Reisch und Flöther in dieser Woche.

Der Verkauf musste nach der Eröffnung eines zweiten Insolvenzverfahrens in Österreich neu aufgerollt werden. Im ersten "Fire Sale" nach der Insolvenzanmeldung in Berlin im Dezember hatten sechs Interessenten Angebote für die insolvente Niki abgegeben. Mit vier Bietern wurde damals verhandelt. Den Zuschlag erhielt Ende Dezember die britisch-spanische Gruppe IAG, deren Billigflugtochter Vueling 20 Millionen Euro für große Teile des Niki-Geschäftsbetriebs zahlen wollte und eine Finanzspritze von 16,5 Mio. Euro für den laufenden Betrieb zugesichert hat.

Quelle: APA

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