Wirtschaft

Niki-Tickets bleiben weiter ungültig

Nach dem Verkauf von Niki an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG für dessen Billigtochter Vueling bleiben die gebuchten Niki-Ticket ungültig. Darauf hat ein Sprecher des deutschen Insolvenzverwalters am Dienstag gegenüber der APA hingewiesen. Der Grund sei, dass IAG nicht die Niki Luftfahrt GmbH als Gesellschaft sondern lediglich Vermögenswerte wie Slots, Crews und Flugzeuge übernimmt.

Niki-Flieger heben wohl nicht vor März ab SN/APA (dpa/Archiv)/Rainer Jensen
Niki-Flieger heben wohl nicht vor März ab

Deshalb seien die von der Niki Luftfahrt GmbH ausgestellten Flugscheine nach wie vor von der Insolvenz und dem Grounding betroffen. Außerdem sei der Flugbetrieb weiter eingestellt. Der Abschluss des Kaufes ("Closing") ist für Ende Februar geplant. Die Niki-Flieger - dann unter der Marke Vueling - werden wohl nicht vor März abheben.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters geht es um insgesamt 400.000 Tickets, darunter 200.000 selbst gebuchte. Letztere müssen sich nun nach Alternativen umsehen. Ob Vueling Kulanzangebote mache, sei Sache der Airline und derzeit noch offen.

Passagiere, die nach der Insolvenz der Niki-Mutter Air Berlin Tickets gebucht haben, fallen zwar um ihre Transportmöglichkeit um, sollen aber zumindest ihr Geld zurückbekommen. Die Einnahmen aus direkt gekauften Tickets sind nämlich auf ein Treuhandkonto gelegt worden und können aus diesem rückerstattet werden. Über Reisebüros gekaufte Tickets sind ohnehin versichert.

Die deutsche Regierung setzt indes nach dem Verkauf von Niki auf Einhaltung des Wettbewerbs. Die Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries betonte am Dienstag in Berlin, die Politik sitze bei den Verkaufsverhandlungen der Unternehmensteile von Air Berlin nicht mit am Tisch. Dies sei Sache des Insolvenzverwalters. "Mir war stets wichtig, dass es zu einer guten Lösung im Sinne der Beschäftigten und des Wettbewerbs kommt", sagte die SPD-Politikerin. "Das gilt auch weiterhin."

Eigentlich hatte die Lufthansa bereits eine Übernahme von Niki für rund 190 Mio. Euro ausgehandelt. Der deutsche Branchenprimus hatte dann aber den Kauf wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter abgesagt. Stattdessen will der zu IAG gehörende spanische Billigflieger Vueling große Teile der Air-Berlin-Tochter Niki für 20 Millionen Euro übernehmen. IAG ist der drittgrößte europäische Luftfahrtkonzern. Auch hier steht eine kartellrechtliche Prüfung noch aus.

Das Verkehrsministerium von Norbert Hofer (FPÖ) hat die Betriebsgenehmigung - die am Mittwoch ausgelaufen wäre - um drei Monate verlängert. Das sagte ein Sprecher am frühen Abend auf APA-Nachfrage. Es geht um Zeit für die Übernahme, damit die Slots bestehen bleiben. Indes berichtete der "Kurier" online darüber, dass sich auch in Österreich Widerstand gegen die Niki-Übernahme durch die IAG-Tochter Vueling formiert. Demnach gibt es also nicht nur Kritik von Teilen der deutschen Politik, daran, dass große Teile von Niki - aus Kritikersicht günstig - an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG bzw. dessen Billig-Tochter Vueling gehen sollen und nicht an die AUA-Mutter Lufthansa.

So brachte die österreichische Firma für Fluggastrechte Fairplane einen Insolvenzantrag gegen Niki vor dem Landesgericht Korneuburg (NÖ) ein, so der "Kurier". Ein Konkursverfahren in Österreich erleichtere die Durchsetzung der Ansprüche von Tausenden geschädigten Passagieren und gewährleiste ein Verfahren abseits der Interessen der Muttergesellschaft Air Berlin in Deutschland, argumentiert Fairplane. Das Gericht hat noch nicht entschieden.

Die Beschwerde sorgt beim Masseverwalter für Unverständnis. "Wenn die Beschwerde gegen das Insolvenzverfahren in Deutschland Erfolg hat, gerät die Rettung von Niki insgesamt in Gefahr", sagte ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas Flöther am Dienstagabend zur APA.

Die Europäische Kommission wies indes Kritik an der geplanten Übernahme als "unbegründet" zurück. Die Insolvenzverwalter von Niki hätten eine Reihe von Angeboten erhalten, und sich in einem unabhängigen Prozess nun für IAG entschieden, sagte eine Sprecherin der Kommission am Dienstag.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.07.2018 um 02:23 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/niki-tickets-bleiben-weiter-ungueltig-22456342

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