Wirtschaft

November-Preise um 4,3 Prozent höher als vor einem Jahr

Die Inflation zieht weiterhin stark an und liegt deutlich über den Lohnabschlüssen der bisherigen Herbstlohnrunde. Die ebenfalls erheblich gestiegenen Kosten im produzierenden Bereich lassen auch nicht auf eine rasche Beruhigung hoffen. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria dürften die Verbraucherpreise im November um 4,3 Prozent steigen, das ist der Höchstwert seit 1992. EU-weit dürften die Preise sogar um 4,9 Prozent zulegen.

Treibstoff- und Energiekosten als Preistreiber SN/APA/THEMENBILD/HERBERT NEUBAUER
Treibstoff- und Energiekosten als Preistreiber

Das ist in der Europäischen Union der höchste Anstieg seit Beginn der Messung im Jahr 1997. Preistreiber sind Treibstoff- und Energiekosten. Die Inflation liegt damit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Rate von zwei Prozent als optimalen Wert anpeilt. Energie war EU-weit mit 27,4 Prozent der stärkste Preistreiber. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel läge die Inflation im November nur bei 2,6 Prozent.

Die EZB wird nach Ansicht ihres Vizechefs Luis de Guindos auch nach einem Ende ihres Corona-Notprogramms PEPP im kommenden Jahr Anleihenkäufe als Konjunkturstütze nutzen. Die Äußerungen lassen darauf schließen, dass nächstes Jahr trotz der derzeit rasant steigenden Preise nicht mit einer Zinserhöhung zu rechnen ist. Denn das Auslaufen der Anleihenzukäufe gilt als Voraussetzung für eine Zinswende.

Kritik an der Bundesregierung in Wien kommt von der SPÖ. "Die türkis-grüne Bundesregierung muss angesichts der enormen Energiepreise jetzt endlich aufwachen und der Teuerung den Kampf ansagen. Die zeitlich befristete Halbierung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas sowie ein einmaliger Winterzuschuss des Bundes in Höhe von 300 Euro für Haushalte mit niedrigem Einkommen sollen dafür sorgen, dass niemand in Österreich frieren muss", so Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch.

Auch die jüngsten Preisentwicklungen vom Oktober deuten nicht auf eine Beruhigung hin. Die Erzeugerpreise des produzierenden Bereichs in Österreich lagen im Oktober um 13,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dies war der höchste Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen im Jänner 2000. Deutliche Preiszuwächse gab es im Oktober bei Energie (31,8 Prozent) und Vorleistungsgütern (15,6 Prozent). Hier waren vorwiegend die starken Preisanstiege im Bereich "Metallerzeugung und -bearbeitung" (plus 34,3 Prozent) verantwortlich. Einen weiteren Preisschub verzeichnete im Oktober 2021 der Bereich chemische Industrie. Die Preise für Konsumgüter verzeichneten einen Zuwachs von 2,3 Prozent. "Milch und Milcherzeugnisse" verteuerten sich um 4,2 Prozent und "haltbar gemachtes Fleisch und Fleischerzeugnisse" um 2,9 Prozent.

Die österreichische Energieagentur rechnet auch bei den Großhandelspreisen für Gas im Dezember mit einem neuen Rekordwert. Der Gaspreisindex (ÖGPI) erhöht demnach sich im Vergleich zum Vormonat November um 17,3 Prozent. Gegenüber Dezember 2020 liegt er um 515 Prozent höher.

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