Österreich

Novomatic kauft jährlich um eine halbe Milliarde ein

Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic hat vergangenes Jahr rund 500 Mio. Euro für Zukäufe in die Hand genommen. Heuer werde man ähnlich viel ausgeben, sagte Konzernchef Harald Neumann bei der Glücksspielmesse ICE in London. 2016 stieg der Umsatz der Gruppe erneut um rund zehn Prozent. Novomatic ist auch neuer Großaktionär der teilstaatlichen Casinos Austria.

Novomatic nun auch Großakitonär der Casinos Austria.  SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Novomatic nun auch Großakitonär der Casinos Austria.

Schon in den vergangenen Jahren war Novomatic stetig auf Einkaufstour. Bisher spielten die Zukäufe in der Liga 20 bis 50 Mio. Euro. "Mit den Casinos Austria und Ainsworth haben wir die 100-Millionen-Grenze deutlich überschritten", sagte Neumann. Da sich der Glücksspielmarkt weltweit konsolidiere, werden auch die Novomatic-Zukäufe größer.

Neumann sprach bei der ICE auch ausführlich über das Automatenverbot der Stadt Wien. Dort ist das sogenannte "kleine Glücksspiel" seit Anfang 2015 untersagt. Novomatic war mit seinen Admiral-Spielstätten bzw. rund 2.500 Geräten der größte Betreiber der Stadt. Das Verbot habe seiner Meinung nach nicht viel gebracht. Schon jetzt stehe die Zahl von 500 bis 600 illegalen Automaten im Raum. "Ich glaube, dass es in Wien ein geregeltes Glücksspiel geben muss", so der Boss des Glücksspielkonzerns.

Ob statt der einarmigen Banditen, die früher im Rahmen des kleinen Glücksspiels geregelt waren, nun Video Lottery Terminals (VLT) der Österreichischen Lotterien kommen könnten, ist nicht auszuschließen. VLT sind einarmige Banditen, die zentralvernetzt sind. Für einen Laien unterscheiden sie sich nicht von herkömmlichen Zockermaschinen. "Das muss man mit den zuständigen Landespolitikern besprechen", sagte Neumann. Grundsätzlich mache es keinen Sinn, "gegen den Willen der Politik Spielbetriebe aufzubauen."

Hoffnung auf mehr Vollcasinos - derzeit betreiben die Casinos Austria zwölf - hat Neumann, trotz neuer Großaktionärsschaft der teilstaatlichen Casinos Austria jedoch nicht. Als solcher will das niederösterreichische Unternehmen "sicherlich dafürstimmen, dass die Lotterien die VLT weiter ausbauen werden", bekräftigte Neumann.

Größte Aktionärin der Casinos Austria wird nun die tschechische Sazka-Gruppe um die Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc mit 34 Prozent. Danach kommt die Staatsholding ÖBIB mit 33 Prozent, gefolgt von Novomatic mit nur 17 Prozent statt der ursprünglich angestrebten 40 Prozent. Der geringere Anteil sei für Neumann aber "OK". Jetzt seien jedenfalls zwei von drei Großaktionären der Casinos, nämlich Sazka und Novomatic, "absolute Spezialisten im Gamingbereich". Die Sazka-Gruppe werde ihr Wissen im Lotterienbereich einbringen, Novomatic bei VLT-Automaten und im Online-Bereich.

Den 17-Prozent-Anteil an den Casinos Austria hat Novomatic laut Neumann bereits bezahlt, die 53 Prozent am neu zugekauften australischen Automatenhersteller Ainsworth - umgerechnet rund 319 Mio. Euro - allerdings noch nicht.

Der Zukauf bei Ainsworth ist für Novomatic strategisch enorm wichtig, da die Niederösterreicher so den Zugang zum riesigen US-Markt bekommen. Ainsworth sei neben Aristocrat Marktführer in Australien und unter den Top-5-Glücksspielfirmen in den USA. Eine der Kernkompetenzen von Ainsworth seien die Jackpotsysteme. "Die haben von Australien aus die Welt erobert." Novomatic werde die australische Technologie auch in Europa einsetzen.

Während Ainsworth stark am australischen und US-Markt sei, sei Novomatic in Europa die klare Nummer eins. Während vor ein paar Jahren die Kernmärkte des Milliardenkonzerns aus Gumpoldskirchen Österreich, Deutschland und Osteuropa gewesen seien, seien es heute Großbritannien, Deutschland, Spanien und Italien.

Angst vor dem EU-Austritt der Briten hat Neumann nicht. "Der Brexit wird uns nicht treffen. Glücksspiel ist ein rein lokaler Markt, der hat mit Brexit nichts zu tun." Novomatic würde höchstens Auswirkungen spüren, wenn sich die wirtschaftliche Situation in Großbritannien verschlechterte, "wovon ich aber nicht ausgehe". Novomatic ist inzwischen in rund 80 Ländern tätig.

Quelle: APA

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