Wirtschaft

Nowotny froh über geplante EZB-Zinserhöhung

EZB-Ratsmitglied Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny zeigte sich am Freitag erfreut über den am Donnerstag vom Rat der Europäischen Zentralbank einstimmig gefassten Beschluss für einen "Einstieg in den Ausstieg", also den Start einer Normalisierung der Geldpolitik im Euroraum. "Ich bin ja wiederholt dafür eingetreten, dass wir damit nicht zu lange warten sollten", erinnerte Nowotny am Freitag.

"Einstieg in den Ausstieg" SN/APA/HANS KLAUS TECHT
"Einstieg in den Ausstieg"

Dass die EZB konjunkturell gesehen zu spät mit Zinserhöhungen von ihrer Nullzinspolitik abgehen könnte - erwartet wird dies ja nicht vor September 2019 -, sieht Nowotny nicht. Er verwies in einem Pressegespräch in Wien darauf, dass die europäische Konjunktur "deutlich hinter der amerikanischen" Entwicklung liege. Aber natürlich gebe es auch Stimmen, die sagen würden, die EZB hätte mit dem Einstieg in den Ausstieg früher beginnen können. Man müsse danach trachten, dass man immer genug Feuerkraft für eine konjunkturelle Verschlechterung habe und daher rasch vorgehen.

Bis zur vollen Normalisierung der Geldpolitik sei "aber noch ein erheblicher Zeitraum zu erwarten", betonte Nowotny. Demnach werden die Anleihen-Ankäufe der EZB vom jetzigen, schon leicht reduzierten Umfang von monatlich 30 Mrd. Euro ab Oktober auf 15 Mrd. Euro zurückgefahren. Und im Dezember solle der Nettoerwerb enden - es werden also auch danach weiterhin auslaufende Anleihen durch eine Reinvestition in neue ersetzt. Das Reinvestment-Volumen mache etwa jetzt im Juni fast 19 Mrd. Euro aus, im Oktober fast 24 Mrd. Euro. Speziell im Jahr 2019 würden die Reinvestments ein erhebliches Ausmaß ausmachen, sodass die Bilanzsumme der EZB unverändert bleibe.

Die EZB-Leitzinsen sollen mindestens über den Sommer 2019 auf ihrem aktuellen Niveau bleiben - und in jedem Fall so lange wie erforderlich. Die Formulierung im gestrigen Beschluss lautet "through the summer", laut Nowotny sei aber offengelassen worden, ob das eine allfällige Zinsanhebung noch im oder nach dem Sommer bedeuten könnte. Zudem stehe dieser Beschluss ("we anticipate") ja unter gewissen Bedingungen in Bezug auf den wirtschaftlichen Rahmen. So geht es etwa darum, ob sich die Daten des EZB-Rats zu den mittelfristigen Inflationsaussichten im Euroraum bestätigen.

Mit den Anleihe-Käufen soll die Inflation ja nicht über, aber knapp an die zwei Prozent gebracht werden, erinnerte das EZB-Ratsmitglied. Und: "Dieses Ziel ist erreicht", meinte Nowotny am Freitag, denn "ob ich 1,7 oder 1,9 Prozent habe, ist im Rahmen der statistischen Unschärfe". Aber es gelte diesen Erfolg auch abzusichern. Vor zwei, drei Jahren sei der Euroraum noch von einer Deflationsgefahr bedroht gewesen, die sehr entschlossene EZB-Politik habe Europa hier vor deutlichen Schäden bewahrt und sei als erfolgreich zu sehen, betonte der Ökonom.

Terminlich wäre die Alternative für die Signale an die Märkte gewesen, den Einstieg aus dem Ausstieg nicht diesen Donnerstag, sondern erst im Juli zu entscheiden, meinte Nowotny. Er glaube aber nicht, dass sich bis dahin noch wirtschaftlich viel ändere. "Im Juli oder September könnte es sein, dass wir sagen, wir machen es ganz konkret", meinte das EZB-Ratsmitglied. Derzeit sei der Stand: "Wir haben vor, es zu machen." Der Beschluss von Donnerstag sei "der Beginn einer Normalisierung", es gebe aber weiterhin für die Geld- und Kapitalmärkte eine erhebliche Wirkung.

Freilich wird das - recht lange - Zuwarten der EZB mit einer Zinserhöhung zu einer hohen Zinsdifferenz mit den USA führen, wie auch Nowotny einräumte. Schließlich plant die US-Notenbank Fed außer den vier für heuer in Aussicht gestellten Zinsanhebungen, von denen zwei schon erfolgt sind, drei weitere für 2019. Das letzte Mal sei das Zinsdifferenzial 1999 noch höher gewesen, so Nowotny. Das sei auch ein Anreiz für Geldkäufe, wobei mit billigen Euro in US-Dollar investiert würde. "Das würde den Euro tendenziell abschwächen", meinte der OeNB-Gouverneur. Doch sehe man auch eine realwirtschaftlich begründete Tendenz einer Dollar-Aufwertung - das werde nicht ganz ohne Interesse sein für die Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit der USA. "Preislich werden die Europäer eher wettbewerbsfähiger", ergänzte Nowotny dazu im ORF-Radio.

Quelle: APA

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