Wirtschaft

Nur zehn Prozent der Paketzustellungen fehlerfrei

Wegen der steigenden Online-Bestellungen nimmt auch die Paketflut kontinuierlich zu. Die Kunden sind im Wesentlichen auch zufrieden, dabei funktioniert aus Sicht der Arbeiterkammer Steiermark die Zustellung nur selten perfekt. Gerade einmal zehn Prozent der Zustellversuche waren fehlerfrei, ergab ein VKI-Test mit 150 Zustellungen von DHL, DPD, GLS, UPS und Post in der Steiermark.

Paketflut nimmt weiter zu SN/APA (Archiv/dpa)/UNBEKANNT
Paketflut nimmt weiter zu

"Die Paketzustellung entlang globaler Logistikketten funktioniert erstaunlich gut", die geringe Zahl von Beschwerden bei der RTR trotz der immensen Menge an jährlich zugestellten Paketen lasse den Schluss zu, dass die Kunden "in einem erheblichen Ausmaß sowohl mit der Zustellqualität als auch mit den Preisen zufrieden" sind, heißt es in einer Studie der Arbeiterkammer Steiermark, die am Montag veröffentlicht wurde.

Ein anderes Bild ergab aber der Praxistest des VKI. "Kleine bis grobe" Mängel habe es in 90 Prozent der untersuchten Fälle gegeben, sei es, dass kein Zustellversuch unternommen wurde, Pakete einfach irgendwo abgelegt wurden oder an einem weit entfernten Ort abzuholen waren. "Sehr oft werden die Pakete ohne anzuläuten vor der Haustür, bei Nachbarn, oder überhaupt gleich an der Abholstelle deponiert", schreibt AK-Marktforscherin Susanne Bauer. Das sei besonders kritisch bei Käufen von privaten Absendern, denn da trage der Käufer das volle Risiko, sobald der Verkäufer das Paket an die Transportfirma übergeben hat. Testsieger im VKI-Vergleich war die Post. GLS und UPS erhielten vom VKI die Gesamtbewertung "durchschnittlich", DHL und DPD "wenig zufriedenstellend".

2017 wurden österreichweit 208 Millionen Pakete verschickt, um 27 Millionen mehr als 2016. Der Umsatz je Paket fiel zugleich im Jahresabstand (je nach Paketgröße) um bis zu 3,5 Prozent. Das zeige "steigenden Effizienzdruck in der Branche, der üblicherweise auf den Schultern der Subunternehmer und der Zusteller lastet", heißt es in der Studie. Die Preise pro Paket zu erhöhen, würde aber vermutlich nicht die Arbeitsbedingungen der Zusteller verbessern, meint die Arbeiterkammer. Dazu sei die Marktmacht zu ungleich verteilt. Den wenigen großen Zustellfirmen stehen viele kleine und kleinste Unternehmen gegenüber, die die Pakete tatsächlich ausliefern. Nur die Post hat noch einen eigenen Zustelldienst.

Heute werden von einem Zusteller zwischen 130 und 150 Pakete pro Tag zugestellt. Damit und mit ständig steigendem Druck (durch mehr Verkehr, Parkplatzmangel, Polizeikontrollen beim Telefonieren) "geht eine immer stärker werdende psychische Belastung einher, insbesondere dann, wenn man einem ständigen Monitoring unterliegt", so die AK. Die Einkommen seien immer noch besser als in anderen Niedriglohnsektoren, dies sei aber durch viele Überstunden und extrem lange und stressige Arbeitszeiten erkauft. "Die Paketzustellung funktioniert auch durch zumindest temporäre Selbstausbeutung der Selbstständigen, insbesondere bei den Einpersonenunternehmen" so die AK, teilweise kämen auch "Kostenüberwälzung oder Kostenexternalisierung mittels der zumindest indirekten Nutzung des Insolvenzrechtes und von Insolvenzverfahren durch Unternehmen, die an und für sich satte Gewinne machen" vor. Wobei die AK selber einschränkt, dass dieser Schluss "auf einer - sozialwissenschaftlich allerdings gut abgesicherten - selektiven Auswahl beruht".

Ein Problem sieht die Arbeiterkammer auch durch den starken Anstieg von Paketen, die aus dem Ausland an Endverbraucher in Österreich geschickt werden, auf Österreich zukommen. Das werde "mittelfristig auch ein relevantes umsatzsteuerrechtliches Problem werden". Dabei zeigten Untersuchungen, dass die von Universaldienstanbietern für grenzüberschreitende Leistungen verlangten Preise "oft bis zu fünfmal höher als die entsprechenden Inlandstarife sind und dass diese Unterschiede nicht auf Arbeitskosten oder sonstige Kosten im Bestimmungsland zurückgeführt werden können".

Quelle: APA

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